Altägyptisches Lexikon in Papyrussammlung der Universität Halle entdeckt

Redaktion, 26. Mai 2008 14:05

Tabelle auf der Rückseite eines Totenbuchtextes ordnet Edelmetalle, Mineralien, Bäume und Tiere speziellen altägyptischen Gottheiten zu

Halle/Leipzig - Ein bisher unbekannter, rund 2300 Jahre alter ägyptischer Papyrustext ist in der archäologischen Sammlung der Universität Halle entdeckt worden. "Es handelt sich dabei um die weltweit älteste Handschrift aus einem ägyptischen Lexikon. Die bisherigen lexikalischen Papyrustexte sind rund 300 Jahre jünger", sagt der Entdecker und Direktor des Ägyptologischen Instituts (Leipzig), Hans-W. Fischer-Elfert. Der Text wurde erstmals zur Halleschen Museumsnacht am Samstagabend gezeigt und ist vorerst nur noch an den kommenden beiden Donnerstagen zu sehen. Dann muss er wieder lichtgeschützt verwahrt werden.

Die Handschrift - es sind drei sogenannte Kolumnen - wurde auf der Rückseite einer Seite aus einem antiken Totenbuch entdeckt. Darin werden die Stätten der Unterwelt, die der Verstorbene ungehindert passieren möchte, aufgezählt und als kleine Zeichnungen abgebildet. "Interessant ist, dass der Lexikontext auf der Rückseite inhaltlich nichts mit dem Totenbuch zu tun hat", sagt Fischer-Elfert. Der unbekannte Schreiber ordnet Edelmetalle, Mineralien, Bäume und Tiere speziellen altägyptischen Gottheiten zu. Beispielsweise heißt es: "Was das Gold angeht: Das ist der Leib des (Sonnengottes) Re. Was den Lapislazuli angeht: Das ist der Kopfputz/Haar des Re. Was die Zeder angeht: Das ist Osiris. Ibis: Das ist Thot."

Rote und schwarze Tinte

"Wir wissen jetzt, dass die Zuordnungen der belebten und der unbelebten Natur zu Gottheiten in der Religion der Ägypter eine viel ältere Tradition hat, als wir bislang angenommen haben", sagt Fischer-Elfert. Die Text wurde im Hieratischen, der Schreibschrift der alten Ägypter, mit roter und schwarzer Tinte abgefasst. Die Tinte besteht aus einer Mischung aus Ruß und Leim.

"Der Papyrus stammt aus der Privatsammlung des Pfarrers Julius Kurth (1870-1949)", sagt der Leiter des Archäologischen Museums der Universität Halle, Privatdozent Stefan Lehmann. "Die Entdeckung gelang im Zuge des Papyrusprojektes der Universitäten Halle, Jena und Leipzig." Bei dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Bonn) geförderten Projekt geht es um die systematische Aufarbeitung und Digitalisierung der Papyrussammlungen.

Papyruskartell

Insgesamt umfasst die Sammlung der Universität Halle 196 Papyri. Während die 74 Papyri aus der Sammlung Kurth 1992 der Universität Halle von den Erben als Geschenk übertragen wurden, kamen die restlichen 122 Blätter zwischen 1907 und 1913 über das Papyruskartell in den Besitz der Universität Halle. "Damals wurde gemeinsam von mehreren deutschen Universitäten Papyrusblätter auf dem Kunstmarkt gekauft und dann per Los auf Universitäten und andere Institutionen aufgeteilt", erklärt Lehmann.

Das 1891 als Archäologisches Museum errichtete Robertinum am Universitätsplatz in Halle beherbergt eine der ältesten archäologischen Universitätssammlungen Deutschlands. Die ersten Stücke wurden von Wissenschaftlern bereits vor 1845 zusammengetragen. (APA/dpa)

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