Lula besorgt sich neuen Umweltminister

von Redaktion  |  16. Mai 2008, 21:11

Carlos Minc, ein früherer Untergrundkämpfer, Grünen-Politiker und bisher Umweltminister im Bundesstaat Rio de Janeiro, sagte zu, Marina Silva zu beerben

Brasilia – Einen Tag blieb das politisch sensible Amt der Umweltministerin verwaist, dann zauberte Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva einen Nachfolger hervor. Carlos Minc, ein früherer Untergrundkämpfer, Grünen-Politiker und bisher Umweltminister im Bundesstaat Rio de Janeiro, sagte am Donnerstag zu, Marina Silva zu beerben.

Mincs Vorgängerin im Ministeramt galt Umweltschützern in Brasilien als „grünes Feigenblatt“ im Kabinett Lula. Die 50-Jährige hatte der brasilianischen Regierung seit 2003 angehört. Wegen ihrer strikten Haltung in Umweltschutzfragen stieß sie bei Lula und bei anderen Kabinettskollegen immer wieder auf Widerstand. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die auf ihrer Lateinamerikareise in Brasilien für den Schutz des Regenwaldes bei gleichzeitiger Ausweitung der Agrar-Treibstoff-Produktion warb, hatte den Rücktritt als „Warnzeichen“ bewertet. Silva hatte vor allem in Kreisen von Großbauern und unter Landesgouverneuren viele Gegner. (AFP, dpa, DER STANDARD, Printausgabe, 17./18.5.2008)

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4 Postings
Matthias Reichl 
20.05.2008 00:22
Problematische ex-Umweltministerin Silva

Der neue Umweltminister, ein Grüner, hat auch die Altlast durch den neoliberalen Koalitionspartner "Republikanische Partei" aufzuarbeiten, der auch seine Vorgängerin Marina Silva angehört. Wie ihr Parteichef und Vize-Präsident José Alencar, ein Milliardär und Großgrundbesitzer, gehört auch sie zu einer der obskuren religiösen, finanzkräftigen (Wunderheiler-)Sekten (z.B. "Asemblea de Deus"). Mit ihrer "Theologie des Wohlstands" haben sie eine politische Parallelgesellschaft der Reichen geschaffen, die durch ihre Medien und prominenten Unterstützer (darunter Fußballer wie Kaká, Jorginho und Roberto) ihre Macht auf- und ausgebaut hat. Mehr dazu findet man u.a. in den Brasilienberichten des deutschen Journalisten Klaus Hart.

carlos_santos
20.05.2008 22:08
guter einwurf -

aber was die umwelt betrifft zu schaffen.
trotzdem, im grunde genommen wird man in diesem job aber verheizt. der amazonas wird langfristig nicht zu halten sein. andererseits kurzfristig ein paar steine in den weg legen ist besser als keine.
auch beim schrulligen jose lutzenberger war es damals so.

Matthias Reichl 
20.05.2008 23:04
Lutzenbergers Entlassung als Umweltminister

Der Ökologe und Experte für biologische Landwirtschaft Jose Lutzenberger, mit dem ich jahrelang freundschaftlich zusammenarbeitete, hatte es riskiert, kurzzeitig Brasiliens neoliberalen Regierungschef Collor de Mello als Umweltminister zu unterstützen. Als er endlich die korrupten Machenschaften der Regierungsclique durchschaute und international anprangerte wurde er vom Ministersekretär an die Luft gesetzt - und erlangte dadurch seine Glaubwürdigkeit wieder. Von da an wurde er wieder zum weltweit geachteten Basisaktivisten und Warner vor politischen Machtmißbrauch.

santamonica
18.05.2008 15:17
endlich ein brasilianischer regierungschef der gegner unter den "grossbauern" und grossgrundbesitzern hat!

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