Heteros Freude mit dem Homo-Etikett

Redaktion
16. Mai 2008, 17:40
  • Das Motto "Landing on Planet Life Ball" gilt auch für Sponsoren. Wie das geht, zeigte Keszler (mit Brille) am Freitag der AUA:
    foto: standard/fischer

    Das Motto "Landing on Planet Life Ball" gilt auch für Sponsoren. Wie das geht, zeigte Keszler (mit Brille) am Freitag der AUA:

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    Am Freitag setzte ein Flieger aus New York am Flughafen Wien-Schwechat auf, aus dem Göste wie die Transgender-Ikone Amanda Lepore, der Schauspieler Allen Cumming, die Sängerin Debbie Harry und das Supermodel Markus Schenkenberg strömten. Abgeholt wurden sie von Life Ball-Organisator Gery Keszler höchstpersönlich.

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Bis heute gilt Europas größte HIV-Charity als "schwul" - Mit diesem Klischee machen sogar konservative Unter- nehmen eine gute Figur

Vor 16 Jahres war der Life Ball eine wilde, kleine Party der Schwulenszene. Bis heute gilt Europas größte HIV-Charity als "schwul". Mit diesem Klischee machen sogar konservative Unternehmen eine gute Figur.

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Über manche Thesen fährt die Eisenbahn drüber. Deshalb ist und bleibt der Life Ball eine „schwule“ Veranstaltung. Obwohl Günther Moser weiß, dass „weit mehr als die Hälfte der Besucher heterosexuell sind“. Aber darum, erklärt der Chef der auf Marketing in der Schwulenszene spezialisierten Agentur Pink Marketing, gehe es in Wirklichkeit nicht. Oder erst in zweiter Linie.

Denn obwohl viele Studien belegen, dass Homosexuelle eine wundervolle Zielgruppe für fast jedes Konsumprodukt sind, wären die – geschätzten – 400.000 gleichgeschlechtlich liebenden Österreicher allein kein Grund, dass sich große Sponsoren darum prügeln, auch bei Gery Keszlers mittlerweile 16. HIV-Charity-Party vor dem und im Wiener Rathaus dabei zu sein. Warum sie es dann tun? Weil „schwul“ – so man es vom Streit um rechtliche Gleichstellung entkoppelt – in einer hedonistischen Fun- und Freizeitgesellschaft ein Asset ist. Selbst wenn Klischees bedient werden: „Schwule gelten als kreativ und spaßorientiert – und machen angeblich bessere Partys“, referiert Moser. Der Trendforscher Bernhard Heinzlmaier fügt hinzu: „Es gilt als schick, sich in einem schwulen Umfeld zu bewegen. Damit demonstriert man Aufgeklärtheit und Modernität.“

Der schwule Schein ums Hetero-Volk ist daher auch für Mainstreamunternehmen interessant. Erst recht, wenn sich die Imagefrischzellenkur als „Charity“ präsentieren lässt. Deshalb staunen selbst Life-Ball-Mitarbeiter wie Stefanie Metzger, wie eifrig sonst kreuzbiedere Unternehmen mitmachen: „Beim Opernball bezahlt man eine Dienstleistung, hier arbeite ich ausschließlich mit Sponsoren. Aber alle spielen mit.“ Früher koordinierte Metzger beim Edelcaterer Gerstner die Opernball-Versorgung. Seit heuer ist sie eine von neun hauptberuflichen Life-Ball-Angestellten. Ihr Job: die Koordination der knapp 1000 Gastro-Partner und -Mitarbeiter. Doch auch sonst will die „straighte“ Wirtschaft beim Life Ball landen: Fluglinien, Autohersteller, Hotelketten, Cateringunternehmen oder Getränkefirmen etwa. Und natürlich die Stadt Wien.

Männer und Bussis

Den pseudoschwulen Hetero(mann) hat Gery Keszler aber nicht erfunden. „Metrosexuell“ lautete der Versuch der Kosmetikindustrie, die Zielgruppe zu etikettieren. Doch das griff zu kurz: Man sprach nur Männer an – und blieb an der ästhetisierten Oberfläche. Gay-Marketer Moser: „Die sexuelle Orientierung an sich ist gar nicht mehr Thema: Oft steht ‚schwul‘ drauf – aber es ist Hetero-Alltag.“ Etwa wenn Männer einander mit Bussi begrüßen: Das gab es früher vor allem unter kommunistischen Führern. Heute ist es ein bisserl weiter verbreitet. Und so fallen auch beim Life Ball vermeintliche Widersprüche nicht auf. Etwa dass mit Agent Provocateur ein Damen-Dessouslabel die Modenschau ausrichtet.

Einige politische Schwulenaktivisten und „Fundamentalisten“ sehen die „Verlifestylung“ und Verwässerung von Begriff und Ball zwar mit Skepsis, doch laute Kritik äußert niemand. Auch, weil Keszler mit „Szene“-Ticketkontingenten das Worst-Case-Szenario verhindert: dass der Life Ball eine „schwule“ Veranstaltung ohne Schwule werden könnte nämlich.

Etwas für schwul zu halten, obwohl es das nicht ist, entspricht allerdings auch dem Anlass des Balles: „Aids ist längst keine ‚Schwulenseuche‘ mehr“, betont Elke Schlitz, die Geschäftsführerin der Wiener Aids-Hilfe. Das zeige auch die Statistik (Stand: April 2008): Von den insgesamt 15.000 HIV-Infizierten in Österreich sind zwar zwei Drittel männlich, doch 2006 steckten sich 42 Prozent der (insgesamt 442) Neuinfizierten bei heterosexuellem Sex an. 1998 waren es 27 Prozent. Besonders gefährdet: Frauen. Genauer: heterosexuelle Frauen. Da in den letzten Jahren wieder steigende Infektionszahlen ein sinkendes Risikobewusstsein signalisieren, sind Veranstaltungen wie der Ball – oder die Freitag präsentierte, 2010 in Wien stattfindende weltgrößte Aids-Konferenz – auch für die Präventionsarbeit wichtig.

Erst recht, wenn dort falsche Bilder (eben wie das der „Schwulenseuche“) korrigiert werden, sagt Schlitz. Und verweist auf die Ak_tion, mit der jenes Gerichtsurteil ironisiert wird, das es erlaubt, Gery Keszler „Berufsschwuchtel“ zu schimpfen: Von Elfriede Jelinek bis zu Thomas Schäfer-Elmayer outeten sich über hundert Promis als „Berufsschwuchteln“. Schlitz: „So gesehen gilt auch für den Life Ball: Wir alle sind Berufsschwuchteln.“ (Thomas Rottenberg, DER STANDARD; Printausgabe, 17./18.6.2008)

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gut, daß war jetzt ein Probeposting.
Mir isses jetzt zu blöd. Wenn da aus irgendwelchen unbegreiflichen Gründen vollkommen harmlose Diskussionsbeiträge nicht durchkommen laß ichs bleiben. Ich schätze die Diskussionen hier normalerweise sehr aber für sowas ist mir meine Zeit dann doch zu schade.
Fühlen Sie sich frei, mir einen Schuh aufzublasen werte Zensurbeamte.

Sollte dies auch nicht durchkommen, betrachten sie diese Nachricht als gegenstandslos.

es ist immer das gleiche....

sobald in Österreich ein Event (oder dergleichen) eine gewisse Größe erreicht und damit auch kommerziell wird, posten Mr und Mrs Independent und fühlen sich "der Idee" oder der "Botschaft dahinter" beraubt. Dabei haben weder Mr, und auch nicht Mrs Independent irgend einen Beitrag dazu geleistet, außer eine Vorstellung davon zu haben, wie das Fest -der Life Ball- zu sein hätte. Und bei Abweichungen kommt dann die große Enttäuschung und wie "lächerlich" das nicht alles sei...aber lächerlich ist auch hier die fehlende Toleranz, dass der Life Ball sich einfach weiter entwickelt mit allen Vor- und Nachteilen. Der Life Ball ist jedenfalls nicht dazu gemacht, den Erwartungen von Enttäuschten aus der Alternativszene gerecht zu werden!

Übrigens, Herr Standard,

Warum werden da schon wieder willkürlich Postings rausgenommen?
BITTE UM ANTWORT

Das Forum gehört eigentlich boykottiert. Ich habe mittlerweile mit mehreren Postings auf dieses Verhalten hingewiesen, aber statt eines Statements wurden die Postings nach der Veröffentlichung einfach gelöscht. China verträgt mehr Kritik ...

Und das von einer liberalen Zeitung ... schade, müsste nicht sein.

den Gästen viel Spass bei der Party.

Jedes Klischee wird öffentlich bestätigt.

scheinbar haben einige nicht mitbekommen, ...

dass der life ball eigentlich nichts mit homosexualität zu tun hat.
aber hauptsache einfach mal "igitt" ins forum schreiben. "igitt" zu toleranz und und zum kampf gegen aids...
ganz toll ist auch, wenn man liest, dass eltern mit ihren kindern nicht über dieses thema reden wollen. viel spaß, wenn dann ihre kinder irgendwann mal hiv positiv sind. da können sie dann auch "igitt" sagen!
und das in zeiten, in denen jugendliche immer früher sexuelle erfahrungen machen... meine güte!

im sinne vom life ball bin ich aber auch einfach mal tolerant und sehe über die dummheit und unwissenheit einiger einfach mal hinweg.

Sie sind überzeugt, daß das "igitt" auf homosexualität bezogen war?
Es sei ihnen unbenommen, dennoch deutet vieles darauf hin, daß dies ganz anders gemeint war, schon allein weil es im Artikel über ganz etwas anderes geht.
aber sein sie mal ruhig tolerant.

dann haben sie scheinbar einen anderen artikel gelesen. in dem oberen geht es nämlich sehrwohl um homosexualität, meterosexualität und den life-ball.

wenn jemand dann "igitt" ins forum schreibt, sollte er vielleicht dazu schreiben, dass ihm gerade sein mittagessen nicht schmeckt. andernfalls könnte es zu missverständnissen kommen.

Waren das nicht mal 3 Seiten? (kt)

kt

Letztlich ists die gleiche Ka**e wie der Opernball.

Sie waren auf beiden?

Ich hab andere Sorgen (Familienvater).

was urteilen Sie dann über diese veranstaltungen, wenn's noch auf keiner waren.

und wieso interessieren Sie die themen operball und lifeball überhaupt ?

Interessiert mich eh nicht.

Man kommt ja nicht drum rum, wenn man die Zeitung aufschlägt oder zu Opernball - zeiten, den Fernseher.

Das Publikum unterscheidet sich rein äußerlich - gehen tuts doch beiden ums "sehen und gesehen werden".

Die einen brauchen eine Bühne für ihren Wohlstand

Die anderen für ihren Hedonismus (oder beides).

Life Style will demonstriert werden, ob im Frack oder Transen - Kostüm. Es dreht sich in eurer abgehobenen Schicht alles nur mehr um "style". Wie nicht vermögende Paare mit Kindern - (hahaha, es gibt noch Heterosexuelle mit Kindern) über die Runden kommen ist Marke "selbst schuld".

Das stört mich. Deswegen ists die gleiche Ka**e.

Nun, nein.
Der Opernball ist keine Benefizveranstaltung.
Daß es inzwischen aber schon fast personenidentische Veranstaltungen sind ist eine andere Sache.
Na, wurscht. Der Zweck heiligt die Mittel, kann man sagen. Des Getue um die Leut muß einem ja nicht sympathisch sein.

was soll ich von selbstlosen promis

halten, die sich ihre auftritte und nächtigungen (aber nur in den feinsten suiten) zahlen lassen obwohl sie sichs selbst genauso leisten könnten?

es verkommt - vielleicht noch vor jahren mal was besonderes aber jetzt is es halt wichtig dort gewesen zu sein. hab mal einen ausschnitt gesehen da wurde edi finger jun. gefragt was er sagen würde, wenn ihn eine hüsche dame antanze - "leider, bin vergeben" - "und wenn Sie ein HERR antanzt!" - "schleich di!" ha ha
hat da was nicht ganz geschnallt!

außderdem wo bleibt der große hepatitis ball? - der ball der herzkranken?

Na organisieren Sie ihn halt.

oh you bet

I will!

der tag kommt - sie werden sehen!
und der einzige grund warum das (von beginn an) nicht so ein remmi demmi sein wird weil vielen anderen krankheiten der "mythos" fehlt
und hier keine besondere verbindung zu einem thema besteht, dessen tabuisierung (scheinbar?) zerbricht und es in ist sich als pseudo-offen zu geben.

Die Interviews sind derart peinlich, dass man nach 1 Minute wieder genug hat...

die sollten so viel wie möglich...

an spendengeldern einholen...wünsche ich ihnen jedenfalls...naja und diejenigen die meinen man müsse keine werbung betreiben für ein solches unterfangen und man dürfe ja bloss nicht spass und freude zeigen...bitte bleibt einfach daheim :) und geht wenn möglich nie wieder raus .

homophobe aller länder vereinigt euch

was ist nur mit dem standard-forum passier??

didi110 "Es kostet mich viel Mühe auf die Fragen meiner Kinder dies bezüglich zu Antworten, denn das ist nicht gerade ein Thema, mit dem ich mich unbedingt auseinandersetzen möchte" "Eine Mutter."

bundesrat "Oder wären sie entzückt wenn ihre Tochter/Sohn sich ihnen offenbart: Papa ich bin schwul oder lesbisch."

die liebe der beiden zu ihren kindern muss ja enorm sein.
nur wenns "normal" sind sinds gute und liebenswerte kinder / nachkommen.

man wünscht sich mehr solch liebende und netten eltern...

"was ist nur mit dem st****rd-f***m passier[t]??"

gar nichts.

das war schon immer so.

leider.

"was ist nur mit dem standard-forum passier[t]??"

gar nichts.

das war schon immer so.

leider.

ich bedanke mich bei der comunity für die vielen roten stricherl...

das zeigt dass ich richtig liege

;o)

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