
Egal, ob nun den Baum rauf oder runter: kleine Primaten (hier: ein Schlanklori) verbrauchen bei ihren Kraxeleien gleich viel Energie wie beim normalen Gehen.
Washington - Wie und warum es vor rund sechs bis acht Millionen Jahren dazu kam, dass unsere menschlichen Vorfahren (wahrscheinlich) von den Bäumen stiegen und begannen, aufrecht zu gehen, ist in der Forschung immer noch eine heftig diskutierte Frage. War es die Ausdehnung der Savannen? Oder passierte der Übergang zum Bipedalismus womöglich sogar an den Küsten im Wasser?
Noch viel weniger klar ist, wie und warum sich die Affen vor rund 65 Millionen Jahren umgekehrt in die Bäume hinaufbegaben und seit dieser Zeit dieses Biotop bevorzogen.
Nun wartet eine junge US-Forscherin mit einer möglichen Antwort auf. Jandy Hanna hat nämlich für ihre Dissertation fünf verschiedene kleine Primatenarten (die man früher einmal Halbaffen nannte) in zwei Arten von "Laufrädern" gesteckt: ein normales und ein "senkrechtes", bei dem die Affen ständig ein Endlosseil hinaufkletterten. Und dabei wurde ihr Energieverbrauch gemessen.
Wie sich dabei etwas überraschend zeigte, kostet den kleinen Affen die permanente Überwindung der Schwerkraft nicht mehr Energie als in der horizontalen Fortbewegung. Erst wenn das Gewicht der Affenarten etwas mehr als ein halbes Kilo beträgt, verändert sich dieses Verhältnis zugunsten der Fortbewegung im Flachen.
Diese Erkenntnis könnte einerseits erklären helfen, warum sich die Primatenvorfahren vor 65 Millionen Jahren in die Bäume begaben, wie Hanna & Co. im US-Journal Science (Bd. 320, S. 898) vermuten. Und andererseits natürlich auch, warum sich zumindest die kleinen unter ihnen seitdem nicht mehr nach unten begaben. (Klaus Taschwer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16. Mai 2008)
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Man darf nie vergessen, daß die heutigen Primaten evolutionär auf das Klettern optimiert worden sind. Wenn also die heutigen Primatgen toll klettern (und dafür gut in der Ebene laufen aufgegeben haben) ist das nicht die Folge davon daß Klettern damals einfach war.
Vielmehr haben sich die beiden Umstände in positiver Rückkopplung gegenseitig verstärkt. (Komplitzität).
In der Entwicklung von Arten gibt es kaum einfache Grund-Auswirkung Mechanismen. Alles beeinflußt jedes andere.
... weils ein interessanter Lebensraum war, voller energetischer Früchte, Blätter und sonstiger relativ leicht verfügbarer Nährstoffe.
Es ist IMO auch wurscht, wieviel Energie sie in der Vertikalen verbrauchen, solange die Energie die sie in diesem Lebensraum gewinnen können, die eingesetzte Energie deutlich übersteigt.
Außerdem, wer schon einmal gesehen hat wie elegant sich Affen von Ast zu Ast schwingen, wie sie jede noch so kleine Hebel- und Federungswirkung des Astwerks (und das fehlt ja alles am Boden) ausnützen, der erkennt, dass sie wahre Meister im Umwandeln der vom Baum produzierten "Vertikalenergie" in individuell nutzbare Bewegungsenergie sind.
Viel zu oft wird Energie nur in ihrer technisch-wirtschaftlichen Form gesehen und dabei so viel außer acht gelassen, dass die technischen und wirtschaftlichen Konzepte erst recht scheitern. Würde es mehr Leute geben, die Energie so integral verstehen wie sie, wäre auch die technische Energienutzung intelligenter, weil an die realen Bedürfnisse angepaßt. Dann käme auch kaum noch jemand auf die aberwitzige Idee ein Kohlekraftwerk als effizienter zu betrachten, als eine Photovoltaikanlage.
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