Zustimmung zu embryonaler Stammzellforschung steigt

Redaktion, 26. Mai 2008 14:26

Österreich bleibt bei internationaler Befragung Schlusslicht hinsichtlich der Akzeptanz

Bilbao/Wien - Österreicher wissen im internationalen Vergleich wenig über die Forschung an embryonalen Stammzellen (ES) und lehnen diesen Wissenschaftszweig heftig ab - die Akzeptanz steigt aber langsam. Das geht aus einer groß angelegten, nun veröffentlichten Umfrage der BBVA Foundation - eine Stiftung der spanischen Bank BBVA mit Hauptsitz in Bilbao - hervor. Die Studie zeigt über einen Fünfjahresvergleich, dass die Zustimmung zur embryonalen Stammzellforschung in vielen Industriestaaten steigt. Dies gilt auch für Österreich, das aber dennoch unter den untersuchten europäischen Ländern Schlusslicht bei der Akzeptanz ist.

Die BBVA Foundation hat die Studie "Einstellungen zur Biotechnologie" nach 2003 heuer zum zweiten Mal durchgezogen und veröffentlicht. 1.500 persönliche Interviews in jedem der zwölf untersuchten europäischen Länder - Tschechien, Deutschland, Dänemark, Spanien, Frankreich, Irland, Italien, Niederlande, Polen, Großbritannien, Schweden und Österreich - sowie in den USA, in Japan und in Israel durchgeführt.

Herkunft der Embryonen

Zur Herstellung von embryonalen Stammzelllinien werden Embryonen geopfert, das ist einer der Hauptangriffspunkte der Kritiker. Dabei ist es den Befragten generell nicht egal, woher die Embryonen stammen. Auf breitere Zustimmung stößt die Verwendung von Embryonen, die bei der Befruchtung außerhalb des Mutterleibes (IVF) ohnehin anfallen und ansonsten vernichtet werden. Die Herstellung von Embryonen extra für die Erzeugung von ES wird dagegen eher abgelehnt.

Zustimmung/Ablehnung zur Forschung

Im Vergleich zu 2003 ist demnach die Zustimmung für die Forschung an ES in fast allen Ländern gestiegen. Abgefragt wurden Zustimmung/Ablehnung jeweils auf einer Skala von eins (totale Ablehnung) bis zehn (volle Zustimmung). So sprachen sich Niederländer (höchste Zustimmung) 2003 durchschnittlich mit der Bewertung 5,7 für die Verwendung von IVF-Embryonen zur Forschung aus, 2008 war die durchschnittliche Bewertung 6,3.

Ähnlich hohe Zahlen ermittelten die Studienautoren in Spanien (2003: 5,6 2008: 6,1), Großbritannien und Italien (jeweils 5,5 bzw. 5,9). Es folgen Deutschland (5,1 bzw. 5,2) und Polen (4,9 bzw. 5,5) sowie - abgeschlagen an letzter Stelle - Österreich mit der durchschnittlichen Bewertung von 3,6 im Jahr 2003 und 4,3 im Jahr 2008. Ein Sonderstellung nimmt Frankreich ein, hier gibt es zwar eine vergleichsweise hohe Zustimmung zur Forschung an ES, allerdings lag der Wert 2008 mit 5,8 unter dem von 2003 mit 6,1.

Definitionsfrage

In einem anderen Kapitel der Studie wurde gefragt, ob ein "einige Tage alter Embryo" - dem letztendlich die Stammzellen entnommen werden - eher als vollwertiger Mensch oder eher als Zellhaufen betrachtet wird. Auch hier schlagen sich die Österreicher im internationalen Vergleich am deutlichsten auf die Seite des Embryonenschutzes. 52,8 Prozent sehen den Embryo als Menschen mit allen Schutzrechten, 14 Prozent eher als Zellklumpen.

Eine ähnliche Bewertung ermittelten die Forscher in Deutschland (51,3 Prozent vollwertiger Mensch/15,4 Prozent Zellklumpen), dann folgen mit abnehmender Zustimmung für den Embryo als ganzen Menschen Irland (44,9/20,1), Polen (43,6/20,8), Niederlande (38,3/24,2), Tschechien (38,3/25,9), Spanien (35,2/26,6), Frankreich (43,4/27,1), Italien (38/28,3) und Großbritannien (42,4/32,4). In Dänemark (38,6/38) und Schweden (35,2/35,9) halten sich die beiden Lager in etwa die Waage. In Japan steht die Einschätzung bei 47/8,8 Prozent, in den USA bei 49,2/24,8 sowie in Israel bei 41,7/19,8.

Wissenslücken

Die ablehnende Haltung der Österreicher zur embryonalen Stammzellenforschung geht laut Studie einher mit den größten Wissenslücken. So gaben nur 41,8 Prozent der Befragten an, in der letzten Zeit Infos zum Thema ES erhalten zu haben. Das ist europaweit der niedrigste Wert. In Schweden konnten sich 86,4 Prozent kürzlich über das Thema informieren. Schlechter als die Österreicher sind noch die Japaner (33,4 Prozent) und die Israelis (39,2) informiert. (APA)

Angelika70
21.05.2008 12:13

Man spricht bei allen diesen Zellhaufen nur von Zygoten oder vielleicht Blastozyten, niemals aber vom Embryo.

Dieses Faktum könnte diese ganze Diskussion entemotionalisieren.

X Y
22.05.2008 10:53
Ja, könnte es

Es ist aber doch eine Definitionsfrage. Dass niemand im Blastozytenstadium von einem Embryo spricht, ist leider nicht wahr.
Ich gebe Ihnen aber insofern Recht, als es bei einem Epruvettenzellhaufen wenig sinnvoll ist, von einem menschlichen Indivuum zu sprechen.
Diejenigen, die diesen Zellhaufen menschliche Würde zusprechen, haben in der Regel keine Probleme mit deren Massenvernichtung während der in vitro Fertilisierung.
Es geht halt wie so oft um Machtausübung durch die Kontrolle des Verhaltens und der Moralvorstellungen anderer. Logische Widersprüche der eigenen Moralvorstellungen sind da weniger wichtig, sich selbst möchte man ja schließlich nicht kontrollieren.

Von hinterm Mond
 
17.05.2008 11:21

Wozu ausgerechnet embryonale Stammzellen, wenn es so viele andere Arten von Stammzellen gibt, die ohne ethische Zweifel gewonnen werden können?

Worin liegt der Sinn, sich ausgerechnet so stark auf embryonale Stammzellen zu konzentrieren?

aitology
18.05.2008 17:49

Weil nur embryonale Stammzellen totipotent sind, sprich in alle anderen Zelltypen ausdifferenzieren können.

Carl Gustav Jung
 
17.05.2008 00:06

Schade.

um was gets hir
15.05.2008 18:52
Wider Östereich !!!

na danke

Bill S. Preston
16.05.2008 22:22

Bei der Anzahl der Akademiker sind wir an n-1 Stelle von n Teilnehmern - weltweit. Aber ich weiß - das ist die Statistik

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