"Ich sehe mich als Dienstleister"

Redaktion, 15. Mai 2008, 13:57
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    foto: apa/epa/demarthon

    An dieser Stelle betritt der Schwarzmarkt die Bühne.

Werner S. verkauft Kar­ten, auch für die EURO, auf dem Schwarz­markt. Daniel Meuren sprach mit dem ansonsten in einem redlichen Beruf tätigen Akademiker über dessen Nebenjob.

Standard: Wie viele EURO-Karten haben Sie?

Werner S.: Bisher recht wenige. Die heiße Phase kommt jetzt nach der Kartenverteilung über die Verbände.

Standard: Der Durchschnittsfan aus Ihrem Heimatland Deutschland bekommt aber in der Regel kaum Karten. Wie kommen Sie an die Tickets heran?

Werner S.: Das hat mit Know-how zu tun. Ich mache das ja nicht erst seit ein paar Monaten, sondern seit einigen Jahren.

Standard: Verraten Sie uns einen Ihrer Tricks?

Werner S.: Ich habe ein Netzwerk in alle möglichen Länder aufgebaut. Bei einigen osteuropäischen Verbänden können meine Kontaktleute teils einfach auf eine Geschäftsstelle gehen und Karten kaufen.

Standard: Und die verticken Sie via Ebay weiter?

Werner S.: Nein, Internet-Auktionen sind mir zu gefährlich, weil das leicht nachzuverfolgen ist. Schwarzhändler bevorzugen klassische Verkaufswege über Inserate.

Standard: Haben Sie jetzt schon gute Geschäfte mit EM-Karten gemacht?

Werner S.: Derzeit kaufen vor allem Geschäftsleute und Marketingagenturen, beispielsweise für Teilnehmer von zeitgleich in Spielorten stattfindenden Kongressen. Denen sind die Spielpaarungen egal. Die Fans an sich werden natürlich erst jetzt nach der Verteilung der Karten auf den Markt aufmerksam, wenn sie ihre Wunschtickets nicht erhalten haben.

Standard: Welche Fangruppe hat denn die besten Kunden?

Werner S.: Die Engländer kaufen alles und zahlen auch die höchsten Preise. Die fehlen uns jetzt natürlich. Bei der EM werden Fans aus Deutschland, Italien, Kroatien und vielleicht auch reiche Russen die Hauptkundschaft sein. Dann muss man sehen, ob die EM-Begeisterung in Österreich und in der Schweiz noch so ansteigt, dass sich die Nachfrage auch nach Spielen ohne ihre Beteiligung entscheidend erhöht.

Standard: Wie viele Schwarzhändler-Profis gibt es rund um die EM?

Werner S.: 100 bis 200.

Standard: Und was kostet eine Karte?

Werner S.: Das hängt absolut von der Begegnung ab. Für Griechenland gegen Schweden wird man im Zweifelsfall Karten unter dem Nennwert bekommen. Da wollen auf einmal die Österreicher, die sich frühzeitig Karten gesichert haben, nicht mehr hin und werfen Massen von Karten auf den Markt. Auch zu Viertel- oder Halbfinalspielen ohne Beteiligung der Gastgeber oder der attraktiven Teams wie Deutschland oder Italien kann es Schnäppchen geben.

Standard: Wie viel Geld muss man Ihrer Ansicht nach für Spiele der österreichischen Mannschaft investieren?

Werner S.: Das ist schwer vorauszusagen und hängt ganz entscheidend davon ab, wie sich die Einstellung der Menschen zum Team entwickelt. Bei der WM in Deutschland reichte die Spannweite für Tickets zu den deutschen Spielen von anfangs 500 Euro bis hin zu 2000 Euro für eine Eintrittskarte fürs Halbfinale Deutschland gegen Italien. Ich schätze mal, dass die Preise fürs Spiel Österreich gegen Deutschland aufgrund der großen Emotionen irgendwo in der Mitte landen werden.

Standard: Sie reden recht offen über Ihr Wirken. Sehen Sie Ihr Handwerk eigentlich nicht als kriminell an?

Werner S.: Keineswegs. Ich würde auch dafür Steuern zahlen, könnte ich meine Tätigkeit legal als Gewerbe anmelden. Ich sehe mich als Dienstleister und sehe nichts Unrechtes daran, andere Menschen glücklich zu machen. Es ist ja immer noch die Entscheidung eines Fans, ob ihm das Spiel einen hohen Preis wert ist. Ohne Leute wie mich müsste er definitiv draußen bleiben.

Standard: Auf welches Stadionerlebnis bei der EM freuen Sie sich eigentlich selbst am meisten?

Werner S.: Ich schaue mir die EM im Fernsehen an, gehe schon lange nicht mehr ins Stadion. Ich habe am Ende auch gar keine Karte mehr. (Daniel Meuren; DER STANDARD Printausgabe 12. Februar 2008)

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