Ljubljana

6. Juni 2003, 15:55
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Wer Ljubljana Anfang der Neunzigerjahre im ersten Aufbruch zu westlichen Ufern erlebte, findet sich heute in einer selbstbewussten, dynamischen Metropole eleganten Zuschnitts wieder.

Erster Tag

Es hat seinen besonderen Reiz, in Ljubljana einzutreffen, wenn das Laternenlicht in die Dämmerung dringt, sich die Stadt mit jungen Menschen füllt und die Betriebsamkeit des Tages in der des beginnenden Feierabends versinkt. Wir wollen keine Minute dieser Stimmung verlieren, versorgen rasch unser Gepäck und lassen uns treiben vom Sog der abendlichen Stadt. Am Presernov trg, dem Kommunikationszentrum zwischen alter und neuer Stadt belagert die Jugend die Stufen der Franziskanerkirche. Blumenverkäuferinnen bieten ihre Sträuße unter den Laternen auf den Tromostovje an, den berühmten drei Brücken des Joze Pleznic, Ljubljanas bekanntestem Architekten. Er prägte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Stadt des Jugendstils mit seiner eigenständigen Architektur jenseits aller Stilkategorien.

Über der Brücke in den engen Gassen der Altstadt hat sich rund um Mestni trg und Stari trg das Vergnügungs- und Shoppingviertel der Jugend etabliert. Ein enges Beisl neben dem anderen, Kunstgalerien, Kartenbüros und flippige Boutiquen mit trendigen Labels.

Zurück in der neuen Stadt, jenem Teil, der nach dem Erdbeben Ende des 19. Jahrhunderts großteils im prächtigen Jugendstil wieder aufgebaut wurde, landeten wir in einem kleinen Restaurant, in dem wir bei einem ausgezeichnet zubereiteten Abendessen den Tag genussvoll ausklingen ließen. Es gehört zum Grand Hotel Union, der traditionsreichen Herberge im Zentrum der Stadt. Hier logierten Kaiser Franz Josef in Zeiten der Monarchie, die Italienische und Deutsche Kommandantur im 2. Weltkrieg und im Vorjahr US-Präsident Bill Clinton. Das vor zwei Jahren renovierte Vier-Sterne-Haus war auch für uns sympathische Unterkunft zu angemessenen Preisen ohne Nobel-Getue.

Zweiter Tag

Für die Shoppingmeile rund um Copova ulica, Slovenska cesta und Miklosiceva cesta blieb uns glücklicherweise nicht viel Zeit, denn wir trafen Jana, eine Deutschlehrerin an der Musikakademie. Eineinhalb Stunden hatte sie für uns reserviert. Fünf sind daraus geworden. Sie führte uns in die moderne Freilichtbühne im alten Kreuzritterkloster Krizanke und das Kulturzentrum Kud, Fixpunkt der Avantgarde. Wir schlenderten an den Ufern der Ljubljanica, staunten über Krakovo, eine Bauernsiedlung mitten in der Stadt, deren Felder bewusst erhalten bleiben, weil noch heute der tägliche Markt am Vodnikov trg von hier beliefert wird.

Mit Jana dürfen wir auch in den Studiersaal der Nationalbibliothek und sie klärt uns auch über die Steinfigur an der Fassade auf, deren ausgestreckte Hand den Studenten nach ausgiebigem Studium den Weg zu den Schanigärten weist. Auch wir folgen diesem Wegweiser und landen bei gutem Kristancic, dem ausgezeichneten Wein aus Brda, Kraski Prsut, dem luftgetrockneten Schinken aus dem Karst, geraspeltem Fohlenfleisch, Wildschweinsalami und der Erkenntnis, dass 48 Stunden viel zu kurz für Ljubljana sind.

Informationen & Details

Anreise: Flug ab Wien täglich mit AUA/Tyrolean, 3x wöchentlich mit Adria Airways. Bahn ab Wien/Südbahnhof 2x täglich
Auskunft: Slovenisches Tourismusbüro Wien,
Tel: 01/7154010
Tourist Information Center Ljubljana, Tel: +386/61/ 3061215,
E-Mail: pcl.tic-lj@ljubljana.si
Sehr umfassende Information bietet die Homepage www.ljubljana.si
Reiseführer: Wer umfassende historische und geographische Spezialinformationen sucht, holt sich diese am besten in dem kleinen Geschäft Zemljepisni Muzej Slovenije, das zum Geographischen Institut der Universität Ljubljana gehört. Für Kulturinteressierte: Ljubljana hat sich seit Jahren als Treffpunkt der internationalen künstlerischen Avantgarde gemausert. Das komplette Kulturprogramm findet man unter der angeführten Homepage.
Essen und Trinken: Beim Vormittagsbummel die Fühler ausstrecken und für den Abend reservieren. Die Restaurants sind durchwegs sehr klein, die guten sind schnell besetzt.

Ganz persönlich

Allerorts zeigt sich eine aufstrebende Entwicklung, ohne dass die Stadt das Flair der Unberührtheit verloren hat. Vielleicht, weil durch den fehlenden Besucherstrom auch die seltsamste Blüten treibenden Begleiterscheinungen fehlen. Rund 80 Prozent der Gäste sind Geschäftsreisende, die die Hotels vorwiegend an Wochentagen belegen. Auch die internationalen Kulturevents, die seit dem Austritt aus dem jugoslawischen Staatenbund regelmäßig stattfinden, sind vor allem an ein an zeitgenössischer Kunst interessiertes Publikum gerichtet. Die Geschäfte verlocken zu leichtfertiger Geldvernichtung mit kleinen aber feinen Sortiments von Gucci, Prada & Co und interessanten jungen slowenischen Designern. Vieles ist renoviert, alles blitzsauber. Automaten für Handschuh und Sackerl bewahren vor dem zweifelhaften "Tritt ins Glück". (Anita Fritsche)

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