Luxusproblem

Redaktion, 26. Mai 2008, 20:56

Manchmal drückt die Sprache etwas aus, das es gar nicht gibt. In der Autobiografie des bekannten Fußballkommentators...

... Marcel Reif heißt es: "Da erkannte ich, was geschieht." Auch "es passierte, was passiert ist" geht sich in der Zeitenfolge nicht ganz aus, denn wie will passieren, was bereits passiert ist? Nicht viel anders verhält es sich beim Wort Charakterschwein. Was soll das sein? Ein Schwein mit Charakter? Jemand, der beim Charakter Schwein gehabt hat? Oder ein charakterloses Schwein? Wenn ich mich recht erinnere, heißt so etwas Oxymoron und zählt zu den Luxusproblemen unserer Existenz.

Auch das Wort Luxusproblem ist genau genommen ein Oxymoron. Wie kann ein Problem Luxus sein? Das geht nur umgekehrt. Einer aber, zumindest sagt man so, hat ein Luxusproblem. Josef Hickersberger nämlich, der sich bald für einen Tormann entscheiden muss. Alexander Manninger hat gegen Deutschland danebengegriffen, brilliert aber in der Serie A mit Siena. Helge Payer hat gegen Holland nicht immer glücklich ausgesehen, ist aber Meister geworden und kann auf eine kontinuierliche Spielpraxis verweisen. Oder Jürgen Macho, der zwar die meiste Sicherheit ausstrahlt, aber zu Gehirnerschütterungen neigt und in Griechenland Höhen und Tiefen erlebt. Alle drei sind hervorragende Torhüter, aber allen dreien traut man auch Fehler zu, wie sie österreichischen Torstehern immer wieder unterlaufen sind. Friedl Koncilia etwa hat einst gegen die selige DDR den Ball einmal zu oft aufspringen lassen, was zu einem Freistoß samt Tor führte. Pepi Schicklgruber ist gegen Parma mit dem Ball ins eigene Tor gehüpft, Franz Wohlfahrt war in Lettland (oder war es Weißrussland?) indisponiert. Und dann war der Sonnenstich von Kurt Schmied 1954 in Lausanne. Hickersberger hat dasselbe Problem wie Klinsmann vor zwei Jahren - es ist vielleicht der einzige Luxus, den er mit seiner Mannschaft hat.

So viel zur Sicherheit im Nationalteam. Gar kein Luxusproblem ist die Sicherheit der Fans, von der man in letzter Zeit kaum etwas hört. Immer wenn ein Thema totgeschwiegen wird, kann man sicher sein, dass es anderswo intensiv diskutiert wird. Denn dass keine Terrorgefahr mehr besteht und die EURO kein Angriffsziel mehr ist, nur weil niemand davon spricht, wird niemand glauben. Und absolute Sicherheit kann es nicht geben, nirgendwo. Natürlich darf man sich von dieser Angst nicht das große Fest verderben lassen (dafür wird der Regen da sein), aber es ist kein Luxus, an dieses Problem zu denken, damit nicht passiert, was schon passiert ist - und wem etwas. Charakterschweine gibt es schließlich überall. (Franzobel; DER STANDARD Printausgabe 13.05.2008)

  • Der Ball [3]

    Geboren ist der Ball in Pirmasens - am 22. Februar 1886 - In einer streng katholischen, gutbürgerlichen Familie wuchs er auf

  • Sommermärchen [12]

    Es war einmal in einem Land der grantigen Zwerge und mieselsüchtigen Riesenherzen...

  • Es wird Zeit [3]

    Es wird nun wirklich Zeit, dass sich die EURO aus ihrer Höhle traut und sich den Menschen zeigt

  • Bitte Zahlen! [13]

    Ich sage ja nicht, dass ich ruhig schlafe. Im Gegenteil mitten in der Nacht...

  • Das Blau Algeriens [2]

    Algier, Karwoche, frühsommerliche Temperaturen. Gelb blühende Mimosen, wilde Orchideen, ein strahlend blauer Himmel und...

  • Fußballfrühling [86]

    In den niederträchtigen niederländischen Medien hieß man Österreich ei­ne C-Klasse-Mannschaft und das schwächste Team der EURO...

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  • Luxusproblem [18]

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  • Zum Niederknien [12]

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  • Wuzl und Wuzlerin [23]

    Meine Tante Karin trinkt nicht nur, sie ist auch Kettenraucherin. Früher hat sie Rothändle...

  • Fremdschämen [30]

    Tiere haben sich im Laufe der Evolution enorm entwickelt. Fledermäuse...

  • Hurenwurst [36]

    Einmal habe ich einem fremden Autofahrer beim Radwechsel geholfen. Zum Dank...

  • Oba Córdoba Oba [43]

    In meiner Erinnerung war jener 21. Juni 1978, an dem es zur Transsubstantiation...

  • Der Stimmenimitator [23]

    Zumindest in Filmen werden ausdauernd Leichen und Bewusstlose im Kofferraum eines Autos transportiert. Ich erinnere nur...

  • Torstangenbewässerer [70]

    In Österreich etwa hat in den letzten 20 Jahren eine beispiellose Verdeutschung...

  • Pflanzerei [1]

    Warum weinen Menschen? Woher kommt die vermehrte Augenflüssigkeit bei Traurigkeit? Weil...

  • Über die Ungerechtigkeit [1]

    Im Zentrum von Buenos Aires gibt es ein unscheinbares Parkstück...

Kommentar posten
18 Postings
invodaseibua
00
13.5.2008, 16:01
Wer bitte ist Franzobel?

duke box
00
13.5.2008, 16:44

die bundesländer-ausgabe von blumenau.

Herr Ärmel
00
13.5.2008, 17:12

und welchem Bundesland genau möchten Sie damit Unrecht tun?

Hofer Jürgen 1
 
00
13.5.2008, 15:03

Danke, der nächste bitte!

Captain Jack Sparrow
00
13.5.2008, 14:20

Franz Wohlfahrt war definitiv weder in Lettland noch in Weißrussland "indisponiert".

In Lettland wars Otto Konrad, und in Weißrussland ist zwar Franz Wohlfahrt auf dem Platz gestanden, hat aber den 1:0-Sieg gerettet. So what?

Sollt vielleicht auch der intellektuelle Literat mal recherchieren?

djgoodnews
 
00
13.5.2008, 16:44

das war doch nach dem schweden spiel. konsel gesperrt und der wohlfahrt hat eine riesenpartie gespielt.

Captain Jack Sparrow
00
14.5.2008, 09:04

Ja genau, das warn noch Zeiten... *g*

Klaus Walter
21
13.5.2008, 13:13

und einmal mehr: FRANZÜBEL !!

Walter Kaiser
00
13.5.2008, 13:40
Übel sind Namensspielereien ...

... und nichts, worauf man stolz sein kann.

Vielleicht ist Franzobel ja auf seinen Beitrag auch nicht stolz, ich finde ihn jedenfalls ganz amüsant. Und er verdient sich sein Geld damit - es sei ihm herzlich vergönnt - da gibts vieeeel Schlimmeres!

Herr Ärmel
01
13.5.2008, 15:45

"da gibts vieeeel Schlimmeres" ist mit Sicherheit das größte Lob, das man einem Autor machen kann;-)
Und Recht haben Sie natürlich auch!

Herr Ärmel
22
13.5.2008, 10:24
Sommerloch?

Der Franzobel hat mittlerweile offensichtlich so überhaupt keine Lust mehr, hier zu schreiben, dass der bloße Versuch, den leeren Platz zu füllen, eigentlich bereits an (Sommerloch-)Anmaßung grenzt.
Ein Satz wie "absolute Sicherheit kann es nicht geben, nirgendwo" ist, wie der ganze letzte (Sommerloch-)Absatz nur mehr peinlich.
Und das pseudointellektuelle Geschwafel vom Oxymoron auch.
Und, letztlich, auch der ewig wiederkehrende und trotzdem nicht wahr werdende Vergleich zwischen dem armen Hickersberger mit seinen Mittelklasse-Torhütern und einem Klinsmann, der zwischen dem Arsenal-Tormann, dem von Bayern München und jenem von (damals noch) Stuttgart, später Valencia wählen durfte.
Das tät' der Hicke gern müssen, mein ich.

Robert Mugabe (ÖVP)
00
15.5.2008, 19:32

Ich bin ja tief im Kern so schrecklich neugierig.

GLaubt ihr ignoriert der Franzobel dieses Heer an negativen Posts nach jedem Erguss völlig?

Schaut er nie und niemals nie hier ins Forum?

Ist er derart überheblich, dass jede Kritik für ihn nicht existent ist?

Liest er regelmäßig mit gebrochenem Herz die teils brutalen Posts und ist seitdem ein mehr als gebrochener Mann?

Bitte bitte Hr. F., lassen Sie ns nicht im düsteren Licht stehen (sonst startet mein bereits peinlichst genau vorbereiteter Rachefeldzug)

Tschüs,
Das Bo

Scio, non scio
21
13.5.2008, 12:20
ich denke er hat einen sonnestich am sommerlichen wochenende abbekommen ;)

Quintus Beckloeffel
01
12.5.2008, 21:03
Auch "es passierte, was passiert ist" geht sich nicht aus. Denn wie will passieren, was bereits passiert ist?

Und die Rolle des Plusquamperfekts (mit dem er das Perfekt angesichts der vorgebrachten Begründung zu verwechseln scheint) dürfte sich dem Dichter auch noch nicht in restloser Klarheit erschlossen haben.

stefan josef
 
00
13.5.2008, 14:08
Habe den subtilen Humor in der Einleitung auch nicht verstanden

was ist sprachlich falsch daran, einen Charakter wie ein Schwein zu haben oder am Luxus sich mit Detailfragen beschäftigen zu dürfen.

Quintus Beckloeffel
00
13.5.2008, 14:31

Vermutlich glaubt der Dichter, das Wort "Charakter" befinde sich in semantischer Opposition zum Wort "Schwein", was freilich auch im nichtzoologischen Sinn dieses Wortes falsch ist. Schließlich gibt es den guten Charakter ebenso wie den schlechten Charakter.

Wenn also das Schwein als Sinnbild für eine Person mit schlechtem Charakter genommen wird, dann wird ihm im Wort "Charakterschwein" ein wertneutraler Eigenschaftsbegriff gegenübergestellt. Daran mag man partialpleonastische Aspekte kritisieren. Von einem Oxymoron kann aber keine Rede sein.

sr...
11
12.5.2008, 20:20

Da verwechselt einer Syntax mit Semantik.

Das Lama Dalai
08
13.5.2008, 14:20

Hauptsache Italien.

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