Es entgeht einem einiges, wenn man Pannobile weiß 2002 von Matthias Leitner aus Gols nicht probiert
Gleich zwei Hürden hat Pannobile weiß 2002 von Matthias Leitner zu überwinden. Da wäre einerseits die Rebsorte Weißburgunder, deren Qualitäten wegen ihrer Unaufdringlichkeit und Feinheit immer noch viel zu oft unterschätzt werden. Und da wäre auch noch das Alter: Reife Weine sind ja nicht unbedingt das, was man sich hierzulande freiwillig ins Glas geben lässt - seltenst solo, gnadenhalber vielleicht zu der einen oder der anderen Speise.
Leithners 2002-er Pannobile duftet intensiv nach reifen Melonen und exotischen Früchten. Er schmeckt sehr kompakt mit feiner Süße nach diesen Früchten, ist rund, äußerst ausgewogen und saftig. Zu den Fruchtnoten kommt ein zartes Mandelaroma und eine angenehme Säuerlichkeit, die den Wein aus dem recht guten Jahrgang 2002 äußerst frisch macht. Viel Finesse, Geschmeidigkeit und zarte Mineralität runden den Wein ab. Die parallel dazu verkostete 2007-er Probe zeigte ähnliche prächtige Ansätze (aber eben nur die Ansätze) und wirkte in ihrer jugendlichen Rauheit fast oberflächlich und derb dagegen. Genau dieses Geschmacksgefühl wird sich in Laufe der Lagerung abrunden, die Aromen wachsen zusammen und werden in zwei, drei Jahren einen Wein ergeben, der mit seiner Saftigkeit und Ausgewogenheit vielen Freude bereiten wird.
Eine andere Frage ist, ob diese Freuden auch irgendjemand erleben wird. Österreich ist allen Bemühungen und internationalen Vorbildern zum Trotz immer noch ein Land, das schwer auf Jungwein fixiert ist. Das zeigen auch die Erfolge diverser "Junker" und "Jungen ..." (aus welchem Weinbaugebiet sie auch immer kommen mögen). Dagegen ist auch im Grunde nichts zu sagen, aber der Trinkspaß, der durch säuerliche Spritzigkeit und Rauheit vermittelt wird, ist enden wollend. Dazu kommt auch der technologische Aspekt, dass man dem Ablauf der Weinwerdung (Absetzen, blank werden lassen) mittels Filtration und Co beschleunigen muss, je früher ein Wein auf den Markt kommen soll.
Die jugendliche Ruppigkeit zeigen natürlich auch Premiumweine, also Weine mit viel Substanz und Lagerpotenzial, die in früher Jugend selten ihr gesamtes Geschmacksspektrum ausspielen, weil vieles von dieser Rauheit überlagert wird. Und man lässt sich geschmacklich einiges entgehen für sein Geld, wenn beispielsweise die kürzlich präsentierten Wachauer Smaragde den Herbst nicht erleben. Gerade Burgundersorten wie eben Weißburgunder, die im "weißen" Burgenland sehr verbreitet sind, aber auch Grünem Veltliner, sofern er mit etwas Substanz und nicht auf Zisch-Frisch ausgebaut wird, wie auch Riesling oder den Thermenregions-Sorten Zierfandler und Rotgipfler steht diese ruhige Reife prächtig.
Im Speziellen bei Weißwein tun sich Händler und Sommeliers schwer, nach erfolgter Ernte noch "alte" Jahrgänge anzubieten, da die Offenheit dafür speziell bei österreichischem Publikum nicht sehr ausgeprägt ist. Erfreulicherweise gehen aber immer mehr Winzer dazu über, den Weinen im Betrieb genügend Zeit einzuräumen. Daher ist es absolut lobenswert, dass die Mitglieder der Pannobile-Gruppe jüngst beschlossen haben, Pannobile weiß gleichzeitig mit dem roten Pannobile nämlich zwei Jahre nach der Ernte auf den Markt zu bringen.
Übrigens: Von besonderer Dumpfheit zeugt die Feststellung bei Verkostungen, ob man "drauf sitzen geblieben", sollte ein Winzer es wagen, dem hochherrschaftlichen Konsumenten denselben Wein eines älteren Jahrgangs anzubieten, um zu zeigen, dass ein Wein Potenzial und Entwicklungskraft hat. Einfach probieren, man könnte positiv überrascht werden. Außerdem - wer will schon als dumpf gelten? (Luzia Schrampf)
Derzeit ab Hof zu haben:
Pannobile weiß Jahrgang 2005 bzw. 2003 um 13 € (jeweils)
Weingut Leitner
Quellengasse 33
7122 Gols
Tel. 02173/25 93
www.leitner-gols.at
Weitere Pannobile-Weine:
www.pannobile.at