"Szene Wien genauso eine Metal-Bude wie das Planet Music"

Redaktion, 30. Mai 2008 15:50

Betreiberwechsel sorgt für turbulente Pressekonferenz und Diskussionen über "abgehalfterte Heavy-Metal-Gruppen", den "Unterbau" und die Quote

Wien - Turbulente Pressekonferenz zum organisatorischen Umbau der "Szene Wien": Am Freitag hatte der jetzige Betreiber, die Wiener Stadthalle, zu einem Gespräch geladen, um die Übergabe der Location an "Muff" Sopper, den Chef des "Planet Music", zu erläutern. Die Folge waren allerdings heftige Rededuelle mit den jetzigen Verantwortlichen, die nicht auf dem Podium vertreten waren. Die Diskussion drehte sich um befürchteten Quotendruck, Angst vor "abgehalfterten Heavy-Metal-Gruppen" in der "Szene Wien" und angebliche Redeverbote für gemobbte Mitarbeiter. Der 50-jährige Sopper zeigte sich von der Emotionalität überrascht und betroffen: "Ich lüge nie."

Sein "Planet Music", seit 1999 unter dem Namen aktiv, müsse einem Wohnbau weichen und sei bisher "ein offenes Haus für jede Art von Musik" gewesen. Das bleibe auch bei seinem Konzept für die "Szene Wien" so. Dort seien bereits vor seiner Übernahme, die für Mitte des Jahres geplant ist, sieben Veranstaltungen aus dem Metal-Bereich gebucht gewesen: "Also ist die Szene Wien genauso eine Metal-Bude wie das Planet Music."

Konzept und Quote

Er habe mit dem bestehenden Team der bisherigen Leiterin Gina Salis-Soglio weiterarbeiten wollen - wie schon bei der Gasometer-Halle, die Sopper bereits übernommen hat. Dort sollen die großen Veranstaltungen stattfinden, die "Randgruppen" und der kleinere "Unterbau" sei jedoch übergeblieben. Diese sollten nun in der "Szene Wien" Platz finden. Seine Ideen reichen von einer Walpurgisnacht-Reihe bis hin zu einem Dialekt-Festival. Ein Ziel sei: Mehr Frauen auf die Bühne.

Die Auslastung des "Planet Music" habe in den vergangenen Jahren zwischen 75 und 83 Prozent gelegen, so Sopper. Auf dieses Niveau wolle man auch die "Szene Wien" heben, erläuterte Stadthallen-Geschäftsführer Peter Gruber seine Beweggründe: "Die Szene Wien hat eine Auslastung von 44 Prozent." Überdies sei diese seit vier Jahren rückläufig.

Dabei werde die Stadthalle in Hinkunft zwar keinen Einfluss mehr auf die Szene haben, aber mit Soppers "Planet Music & Media GmbH" einen Vertrag abschließen, mit dem der Kulturauftrag gesichert werden solle. Sollte dieser Vertrag wider Erwarten nicht erfüllt werden, falle die "Szene Wien" wieder an die Stadthalle zurück. Die Szene-Wien-Mitarbeiter seien Mitarbeiter der Wiener Stadthalle und würden von der neuen GmbH übernommen. Wer das nicht wolle, bleibe Mitarbeiter der Stadthalle.

Grüne "entsetzt"

Wiens Grüne Kultursprecherin Marie Ringler zeigte sich "entsetzt über den Stil und die Art und Weise der Ablöse." Bisher sei ein Intendanten-Wechsel noch selten so heftig diskutiert worden wie in diesem Fall. Eine große Szene habe zu Recht Angst um ihre Heimstatt, die immer die Handschrift besessen habe, einen Ort für Musik zu bieten, die sonst in Wien keinen Platz habe, so Ringler. Nun werde "Muff" Sopper dafür belohnt, dass er durch seine Beteiligung am 1.-Mai- und dem Donauinselfest immer die "SPÖ-Drecksarbeit" gemacht habe.

Der Grüne Gemeinderat Marco Schreuder kritisierte zudem, dass Sopper den Reggae-Sänger Sizzla in seinem jetzigen Etablissement auftreten lasse. Dieser sei immer wieder durch seine homophoben Äußerungen aufgefallen und rufe in Jamaika mit seinem Liedern zu Gewalt und Mord an Lesben und Schwulen auf. Es sei unerträglich, dass die Wiener Kulturpolitik nun Sopper mit der Leitung der "Szene Wien" belohne, der gleichzeitig solche Künstler bei sich auftreten lasse.

Im Büro von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny gab man sich diplomatisch: Man vertraue darauf, dass die Programmnische der Szene weiterhin abgedeckt werde. (APA)

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Bebe Rebozo
20.05.2008 23:00
BITTE UNTERSCHREIBEN!

http://www.szenebleibt.at

Mark Syl
20.05.2008 17:24
hm

interessant das vokabular: spricht man von Metal, wird aus einem Liveclub eine Bude. Man spricht von abgehalfterten Bands. Die Beteiligung am 1. Maifest oder dem Donauinselfest wird als SPÖ Drecksarbeit gewertet, völlig egal, welche Bands dort engagiert wurden. Das Wörtchen Kultur wird dann nicht mehr verwendet. Das zeigt alles. Traurig sowas ansehen zu müssen, wie hier gewertet wird. Wieviele traumhaft schöne musische Stunden man im Planet genossen hat, ist egal. Es war für die Pseudo-Alternative-Kulturschickeria minderwertige Prolomucke.

Schnabeltierfresser
20.05.2008 23:41
Der letzte Satz mag stimmen,

das werte ich mal nicht, aber wie kommen Sie um Himmels Willen darauf dass die Opium-fürs-Volk-Aktionen Donauinselfest und 1.Mai KEINE Drecksarbeit für die SPÖ wären?!?

dariostef
19.05.2008 12:30
wurden wir gehackt?

wurden wir gehackt? um ehrlich zu sein, wir wissen es nicht. am 15.5. gegen 21 uhr ist unser server abgestürzt, das script und die datenbank mit gut 1.200 unterschriften waren weg.

dariostef
15.05.2008 01:26
echtzeit2
13.05.2008 03:52
Muff Sopper, der Typ den die Arena-Leute fast auf den Tag genau vor 25 Jahren aus der Location in der Baumgasse rausgeworfen haben um statt Einfalt Vielfalt zu ermöglichen...

...hat plötzlich ein Ziel vor Augen: "Mehr Frauen auf die Bühne zu bringen".
Und Bitteschön, was und wer hat ihn das letzte Jahrzehnt darann gehindert, dass in seinem Quartier in der Brigittenau zu tun ?
Die Glaubwürdigkeit dieses "Ich lüge nie-Typen" endet bei seiner Geschäftemacherei als Wiens widerlichster Schwarz-Plakatierer; Er und seine Zocker-Typen verdrängen eben die Vielfalt an Meinungsfreiheit auf den Plakatflächen der Metropole; als Monopolist.

Brsucht Wien wirklich solche Typen im Bereich des kulturellen Leben der Stadt ?

Max Kahlenberg
11.05.2008 22:16
Dabei werde die Stadthalle in Hinkunft zwar keinen Einfluss mehr auf die Szene haben, aber mit Soppers "Planet Music & Media GmbH" einen Vertrag abschließen, mit dem der Kulturauftrag gesichert werden solle.

Das sagt ja wohl alles über die Zustände in Wi...en. Dachte immer, der Typ, sei bei der Stadt angestellt. Wohl nur Proforma...

Max Kahlenberg
11.05.2008 22:05
Zusammengefasst: Der 50-jährige "Muff" Sopper ist also der neue Boss von allem.

Eh eine arme Sau.: Mit 50 sich noch "Muff" nennen (lassen zu müssen???), nur damit man als Pseudo-Berufsjugendlicher noch beim "Bank-Astria"-Publikum durchgeht. Eigentlich ein ganz normaler Verwaltungsbeamter, der in Summe ungefähr dasselbe, "aktuelle" SPÖ-Kulturverständnis representiert, wie Gusenbauer, Laska und Konsorten. Bei denen hat "Kultur" ungefähr in den 80-er aufgehört, an Aktulität zu gewinnen. Barolo, Stones, i.e. Einfach nur noch eine abgehalfterte Retro-Partie, der die Besitzstandswahrungsnummer nochmal sehr, sehr schwer auf den Schädel fallen wird !!!

A.B. Artig
 
23.05.2008 11:16

Wenn Sie dann aber auch so objektiv und freundlich wären, mich darüber aufzuklären, wann "Kultur" bei der ÖVP aufgehört hat- wäre wirklich gespannt drauf.

Der Citoyen
 
10.05.2008 17:47
Sittenbild

Das Sittenbild der Wiener (angeblichen) "Kulturpolitik" ist eine Aneinanderreihung von Peinlichkeiten á la Mailath-Pokorny:
- Die "Szene Wien" wird einem Kommerzjobber ohne Feeling für Qualität, Musik, Kunst und Künstler/innen hingeschoben.

- Die Festwochen sind geschlagen mit dem unsäglichen Banker Scholten als Präsidenten und der Rolle des (Drauf)Zahlers von Reiseproduktionen, nunmehr bis 2013.

- Das Theater an der Wien ist 260 Tage im Jahr zugesperrt.

- Der Filmfonds verkümmert elend.

- Die "Theaterreform" ist das, was sie immer war: Eine gremiale Missgeburt zur Karriereförderung von taffen Junggermanen.

- Die Symphoniker dümpeln vor sich hin und werden krank gespart.

- Die Vereinigten Bühnen, ach lassen wir das, WIEN IST ANDERS!

Sandra Rose1
10.05.2008 12:05
Gedanken zum Thema

Schön, dass der Artikel soeben von der Rubrik "Musik" in die Rubrik "Kulturpolitik" verschoben wurde:-)
Als Musiker & und -in diesem Zusammenhang- v.a. Veranstalter würde ich mich sehr über das ein oder andere ermunternde und gern auch kritische feedback zu meinem Thema bezogenen Blogeintrag zu freuen.
Um dies nicht fälschlicher Weise als Eigenwerbung betrachtet zu wissen, anbei den codierten Schlüssel zum Gedanken:
wehwehweh.sandras-salon.com slash blog.php

Ein sonniges Pfingstwochenende und viel gute Musik, egal aus welcher Ecke, wünscht uns allen

Sandra Rose

Gert Weihsmann
 
10.05.2008 08:15
Programmentwurf "Zum seligen Szeneplaneten" Juni 2010

1.-5. Juni: Dauersaufen der südburgenländischen Pendler.
6. Juni: The Animals (Fremdveranstaltung des Tierheimhospizes)
7. Juni: Blind Petition (Eintritt € 49,99 im Vvk)
8. Juni: AVANTGARDE-Linie "SAME TIME": The Liars und die Zillertaller Trachtenkapelle GLEICHZEITIG.
10. Juni: The Alice Cooper Cover Band.
13. - 15. Juni: Vorausscheidung zur Luftgitarren-Weltmeisterschaft.
17. Juni: Eric Burdon (alone with his alkbottle) FREIWILLIGE SPENDEN.
22. Juni: Notte italiana: I Pooh.
25. Juni: Carcass. Naabtal Death. Idiotenpolka. 3 Bands zum Preis von 4.
30. Juni: Hoffentlich pleite.

Barbar Karlich
15.05.2008 19:50
...vielleicht doch eher das Napalm Quintett

Carcass in diesem Kontext wäre ein Sakrileg

Penelope Jones1
17.05.2008 09:53
tolles programm!

tolles programm und ausgezeichneter kommentar zur sache.

Max Kahlenberg
11.05.2008 22:07
Brilliant !!!

_wish_
10.05.2008 19:57
bei Carcass wäre ich dabei

muss mir den Termin gleich vormerken...
;-)

polytropos
10.05.2008 11:09
grossartig!

Gert Weihsmann
 
10.05.2008 08:01
Gute und schlechte Nachricht.

1. Die gute: Der komische Radauplanet im Plattenbaunirwana sperrt zu.
2. Die schlechte: Die Szene wird jetzt zu einem Tatort für jede Art von Musik. Außer für gute.

Mark Syl
20.05.2008 16:28
hm

das ist doch lächerlich...eben genau gute musik gabs im planet zuhauf. gerade dort. die pseudo-kulturschickeria sieht jetzt den untergang des abendlandes, nur weil einer kommt, der was tun wird und der soviel gemacht hat für eine großartige metalszene in Österreich. Weiter so, damit die anspruchsvollste, vielschichtigste und künstlerisch wertvolle musik, sprich metal in all seinen wunderschönen differenzierungen auch weiterhin die kulturell interessierten menschen glücklich machen kann....

Enoch Root
15.05.2008 18:04

Eine Location wie das Planet Music zu verlieren ist für Wien sicher keine gute Nachricht. Ich möchte nur nicht auch noch die Szene verlieren...

Der Unbekannte
10.05.2008 00:03
Tan

die Rotn wieder umfärbn ? So schauts aus. Und das Suff Mobber mittn drin. Schod um die Szene, jetzt wird's nur mehr Pandabären Musik mit graußlichn Visagn gebn. Noch a Grund mehr neame wöhn z'gen. San jo e ois die Gleichn Büroleichn. Vielleich strafft'n (S)Mobber no a Gösn, deis wirds daun gwesn sein mit'n Bösn.

Akuma
10.05.2008 09:16

pudl di do ned auf, fuer leut wia di hobns jo den musikantnstodl erfunden.

_wish_
09.05.2008 19:59
was spricht den gegen eine Metal-Bude?

auch in der Szene soll doch gute Musik sein...
ich weiß Geschmäcker sind verschieden, Gott sei dank

Mr. Mo
10.05.2008 08:10
an sich nix

aber wenn Du das Programm der letzten Jahre im Planet und in der Szene vergleichts kommt einem ob des geringen Niveaus im Planet das Grausen

Edain
21.05.2008 23:35

Nur interessehalber - warum kommt einem beim Programm im Planet das Grausen? Ich habe dort zahlreiche, großartige Bands live gesehen (siehe mein Beitrag auf der nächsten Seite) - waren Sie immer dann dort, wenn geschlossen war?

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