Universitätsprofessoren befürchten "Rückschritt"

Redaktion, 08. Mai 2008 15:03

Der Professorenverband lehnt eine einheitliche Hochschullehrer-Kurie ab

Wien - Der Universitätsprofessoren-Verband (UPV) befürchtet durch die geplante Novelle zum Universitätsgesetz (UG) 2002 einen Rückschritt in Richtung altes Organisationsgesetz (UOG) 1975. Vor allem die, auch von der SPÖ geforderte, einheitliche Hochschullehrer-Kurie ist dem UPV ein Dorn im Auge. Dass berufene und damit höchstqualifizierte Professoren die Mehrheit im Senat inne hätten, sei eine "Kernbestimmung des UG", die auch internationalen Gepflogenheiten entspreche, heißt es in einer Aussendung des UPV.

Im Zuge der geplanten UG-Novelle gebe es "massive Gruppeninteressen", die sich für einen Rückschritt in Richtung altes UOG 1975 einsetzen. Im UG 2002 sei festgelegt, dass die höchstqualifizierte Gruppe in allen entscheidenden Gremien und dem höchsten Kollegialorgan, dem Senat, die entscheidende Mehrheit besitzen solle. Damit gemeint sind die berufenen Professoren, die sich in einem internationalen Bewerbungsverfahren mit oft mehr als 50 Konkurrenten auf höchstem Niveau qualifizieren mussten.

Dass diese "Kernbestimmung des UG im Interesse einer einzelnen Gruppe, die sich nie einem Bewerbungsverfahren mit internationaler Konkurrenz stellen musste", rückgängig gemacht werden könnte, irritiert die Uni-Professoren. "In keiner anderen öffentlichen Institution oder Universität und schon gar nicht in Unternehmen gibt es derartige Diskussionen, in der die mehrheitliche Mitwirkung der höchstqualifizierten Gruppe in Frage gestellt wird", heißt es in der Aussendung.

Am Verhältnis zwischen den drei höchsten Organen der Universität (Senat, Universitätsrat und Rektorat) wollen die Professoren nichts Wesentliches geändert sehen - aber nur wenn die Mehrheitsverhältnisse im Senat beibehalten werden, "um das durch das UG 2002 geschaffene ausbalancierte Gleichgewicht nicht einseitig zu beeinflussen". (APA)

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19 Postings
Gert Bachmann
 
27.05.2008 22:11
Totengräer

Der UPV betätigt sich wieder einmal als Totengräber der freien Universitäten im Humbold`schen Sinne. Lieber Macht im Schrebergarten als gleiche Karten in einer Fakulty, das ist die Geisteshaltung dieser wahrhaft rückschrittlichen und rückständigen "Ordentlichen". interessant auch dieses skizoid wahrnehmungsverweigernde Weltbild, immer von den amerikanischen Spitzenuniversitäten zu schwärmen, deren partizipatorische Fakulty aber abzulehnen....
Unter den muffigen Talaren wird der Universitätsstandort Östereich begraben.

pueblo unido
18.05.2008 16:01
hilfe. bitte.

kann mir jemand ein onlineforum empfehlen, in dem ich mich schlau machen kann bezüglich professuren an österr. unis? ich bin schon länger im ausland und würde gerne nach österreich, hab aber wenig ahnung ob zb habil zwingend notwendig ist, was die anforderungen in .at an eine professur sind etc... danke...

e p4
30.05.2008 09:00
informieren

habil ist kein zwingendes ernennungserforderniss (wenn ich mich nicht irre nicht einmal ein doktorat). die berufungskommission hat bei bewerbern/innen die in einen dreiervorschlag aufgenommen werden zu bescheinigen das deren/dessen leistung einer habil gleichzuhalten sind. die venia docendi wird mit der berufung quasi automatisch erteilt.
wegen professuren kann ich nur die homepages der einzelnen unis empfehlen auch wenn die ankündigungen oft gut versteckt sind

pike bishop
12.05.2008 18:43
Ständeuni

Die Gruppe der deutschen und seit einigen Jahren auch wieder österreichischen Universtitätsprofessoren definiert sich nach den Kriterien des Ancien Regime.: völlig undemokratisch, korrupt, Freunderlwirtschaft etc. Das auszuführen bräuchte zu viel Platz. Das Problem liegt schon daran, das jede Kritik am Stand dem Stand selbst vorgelegt (schliesslich vereinigt er ja die klügsten der Klugen) und dann, wie nicht anders zu erwarten, abgeschmettert wird. Die Politiker lassen sich von denselben Typen beraten. Das kann nur eine Revolution beheben, aber Revolutionen gibt es nicht (mehr; oder doch?)

Prado
12.05.2008 16:33
unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren

gilt noch immer zum Demokratieverständnis des UPV

urbanfish
09.05.2008 15:51
Rückschritt - wohin zurück?

Rückschnitt zu einem überholten System? Hat es eine gemeinsame Kurie der HochschullehrerInnen an der österreichischen Universitäten je gegeben?

Oder ist mit Rückschritt vielleicht der internationale Universitätsstandard gemeint?

Wenn also von einem Rückschritt gesprochen wird dann wäre interessant zu wissen wohin zurück?

robert kock
09.05.2008 11:43

Die Diktatoren befürchten einen Rückschritt in demokratische Verhältnisse! Eine akademische Einrichtung ist nicht nur ein Wirtschaftsbetrieb!

robert kock
09.05.2008 08:40

Einige der "Höchstqualifizierten" kamen aber ohne Ausschreibung auf ihren Posten oder die Ausschreibung war eine Farce.

Dietmar Bauer
09.05.2008 07:59
die lieben Profs,

die sich vermutlich mehrheitlich noch nicht mal mit den Auswirkungen des UZOG02 befasst haben, sollten vielmehr darauf bedacht sein, dass Hahn den Senat nicht obsolet macht. Genau das ist bisher in der Novelle durchgesickert. Der Unirat soll den Rektor faktisch allein bestimmen. Der Unirat soll die Resourcen alleine verteilen können. Dann erübrigt sich die Frage, ob "Unqualifizierte" im Senat mehr Mitsprache erhalten.
P.S.: Viele dieser "Unqualifizierten" sind nur deshalb nicht auf eine Professur gewechselt, weil sie der Familie zuliebe keinen Ortswechsel durchführen wollten. Denn damit ist eine Berufung in der Regel verbunden. Die Qualifikation ist die gleiche, alle haben Habil, die höchste in AUT erreichbare akademische Qualifikation.

Dr. Leo Marvin
09.05.2008 07:21
Es gibt viele Gründe für Berufungen

Es ist ein Märchen, dass bei Berufungen die besten der besten Wissenschaftler berücksichtigt werden. Es gibt Seilschaften, Angst vor zu guten Leuten, etc. In vielen Fällen spielt Qualität in Forschung und Lehre nur eine untergeordnete Rolle.

Strange Attractor
08.05.2008 22:28
Kann die höchstqualifizierte Gruppe

das auch mit Zahlen belegen?

Mich wuerde z.B. die Anzahl der Publikationen/Drittmittel/Zitate pro Kopf an den einzelnen Fakultaeten der oesterreichischen Unis interessieren. Und zwar fuer Profs und a.Profs. Ich fuerchte dass da die höchstqualifizierte Gruppe auf einigen Fakultaeten ziemlich alt aussehen wuerde...

Weltklasse Professor
 
08.05.2008 23:50
Viele sind ohne Berufungsverfahren Prof geworden!!

Viele der "Höchstqualifizierten" sind "alte Außerordentliche Univ.Professoren". In den 90er Jahren durften Sie das "A.O." ablegen und sie wurden mit dem Amtstitel "Universitätsprofessor" geschmückt. Diese Damen und Herren wurden in den 70er und 80er Jahren durch Umwandlung ihrer Assistentenstelle, also OHNE Berufungsverfahren, zu Professoren. Schon vergessen??

Erst seit einigen Jahren werden nur mehr "Univ.Profs" und keine "O.Univ.Profs" mehr berufen, sodass eine Unterscheidung zwischen Professoren mit und ohne Berufungsverfahren nicht mehr so leicht fällt wie früher.

potz
11.05.2008 01:16

hihi und wer hat das entschieden? richtig die profs aus den 70ern und 80ern ... ein schelm wer böses dabei denkt ;-)

Blickfang
09.05.2008 00:03
Stimmt...

... und genau das Gleiche soll jetzt wieder passieren?

Dr. Leo Marvin
09.05.2008 08:29
das ist nicht korrekt

nach den neuen ansichten, sollen die assistentInnen nicht zu professoren werden (und z.b. gleich bezahlt werden). sie sollen nur einer gemeinsamen kurie angehören und damit - nicht mehr nur die arbeit machen dürfen - sondern auch wieder mitreden können.

Laandaks
08.05.2008 19:38
Ja, was es alles in Unternehmen nicht gibt…

Da gibt’s auch keine unbefristeten Professuren, äh, Direkturen…

Da gibt’s auch keine Freisemester und nicht die Möglichkeit, seine Zweitverpflichtungen terminlich so zu legen, daß man die Erstverpflichtungen absagen kann…

Da hat man auch nicht den ganzen Februar und Juli, August und September Quasi-Dienstfreistellung.

Da fängt der Oktober auch am 1. und nicht erst am 13. an… (Oktober kann auch durch März ersetzt werden.)

Zudem: Ein Wissenschaftsbetrieb ist kein Unternehmen, sondern eine Bildungseinrichtung, die in demokratischen Staaten durchaus nach demokratischen Grundregeln geführt werden kann.

Hubert Ungeist
09.05.2008 11:08
Keine so große Einrichtung

kann letztendlich demokratisch geführt werden - die Entscheidungswegen würden zuviel lang dauern.

An der Uni hat der Betriebsrat etwa praktisch ein Mitspracherecht wenn ein Tisch verstellt wird. - im Gegenzug kümmern sich Vizerektoren darum welche Mitarbeiter mit welchen Mitarbeitern im Zimmer sitz.

Laandaks
09.05.2008 18:12
Naja, da wird aber übersehen,

daß das UOG 1975, das mehr als ein Vierteljahrhundert in Wirksamkeit war, sehr wohl gezeigt hat, daß Unis demokratisch(er) geführt werden können.

Übrigens, nicht unpikant: Die meisten der jetzt zeternden Professoren sind im Zeitalter der Drittelparität berufen worden... (Auch wenn die Berufungskommissionen semiparitätisch waren und eine Majorität von Habilitierten hatten.)

Die Habilitation ist übrigens nicht etwas, was alle berufenen Professoren aufweisen können, die sich da "gegen internationale Konkurrenz" durchgesetzt haben. (Aber dazu gibt's weiter oben genügend Einträge.)

e p4
13.05.2008 10:47

natürlich weisen alle berufenen die venia docendi auf, weil sie die mit der berufung verliehen bekommen. ist auch schlüssig da ihnen die berufungskommission (bei nichthabilitierten gereihten) ja bescheinigen MUSS das ihre leistungen einer Habil zumindest - was auch immer das zumindest in diesem zusammenhang besagen soll - gleichzuhalten sind. und nicht vergessen auch in uog75 berufungskommissionen hatten die habilitierten die absolute mehrheit.
und die aussage mit "gegen 50 mitbewerberInnen durchgesetzt" qualifiziert sich von selbst.

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