Probe für den Ernstfall: "Sonnenblumen-Polizisten" und taktische Mängel

Redaktion, 07. Juni 2008 19:52
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    Foto: apa/ georg hochmuth

    Übung zur Trennung von Fangruppen

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    Solange die Fangruppen friedlich sind, gelingt die Trennung vor dem Stadion reibungslos

Zehn Personen konnten den Polizeikordon durchbrechen - "Wieso geht des do auf?", flucht einer der Offiziere

Mittwoch und Donnerstag übt die Wiener Polizei im großen Rahmen für die EURO. Der Umgang mit friedlichen Fans gelingt, bei Randale gibt es Lücken - Michael Möseneder

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Wien – Polizeischmähungen haben die Polizeischüler einwandfrei drauf: "Wer nicht hüpft, der ist ein Bulle", "Iiiihr haaabt diiiee Kappe schief, ihr habt die Kappe schief" oder "Blauer Zwirn, wenig Hirn" johlen und skandieren sie ihren uniformierten Kollegen entgegen. Die nehmen es recht gelassen, schließlich sind die "Weißländer" und die "Gelbländer" nur laut, aber friedlich. Was sich im Verlauf der EURO-Großübung am Mittwoch in Wien, an der 700 Beamte plus 300 angehende Polizisten als "Fans" teilnehmen, noch ändert.

Fangruppen trennen

Ziel der Übung ist vor allem die Integration der 200 Beamten aus Niederösterreich und dem Burgenland, die die Wiener Polizei im Juni verstärken sollen. Und natürlich die Organisation und interne Kommunikation. Kommunikativ ergibt sich schon bei der (noch geschlossenen) U2-Station Praterstern das erste Problem. Die beiden Fangruppen sollen in der Station getrennt werden. Da aber nicht ganz klar ist, wie viele Personen der einen Gruppe noch am Bahnsteig sind, wird die andere Gruppe gut 20 Minuten nicht nach unten gelassen und muss schließlich dicht gedrängt auf einer Stiege warten.

Polizeikordon durchbrechen

Ernst Albrecht, Kommandant der Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung (Wega), schüttelt dazu den Kopf. "In der Realität kann das problematisch werden und die wartenden Fans unruhig", gesteht er ein. Reibungslos gelingt die Trennung der Fangruppen vor dem Stadion – solange sie friedlich sind. Als es zu einem kleineren Tumult kommt und zwei Männer aus der Masse gepickt und abgeführt werden, zeigen sich erstaunliche taktische Mängel. Zehn Personen können praktisch ungehindert den Polizeikordon durchbrechen und den beiden Abgeführten hinterherlaufen. "Wieso geht des do auf?", flucht einer der Offiziere.

2000 Polizisten

Zwischen 1000 und 2000 Polizisten werden in Wien im Juni regulär nur im EURO-Dienst sein. Alle Ressourcen werden mobilisiert – die Betreuung anderer Polizeidelegationen übernimmt die Polizeimusik. Im Ernstfall, etwa bei größeren Krawallen, können 2500 Beamte eingesetzt werden, rechnet Pressesprecher Walter Hladik vor. Dazu kommen Polizisten aus den Teilnehmerländern. "Sonnenblumenpolizisten" werden jene intern genannt, die den Auftrag haben, freundlich lächelnd Fragen der Fans aus dem Heimatland in der Landessprache zu beantworten.

300 Zellenplätze sind für die EURO reserviert

Dolmetscher wird man im Polizeianhaltezentrum brauchen, wohin auch am Mittwoch die "Fest-genommenen" gebracht werden. Zahlreiche Schubhäftlinge wurden bereits verlegt, gut 300 Zellenplätze sind jetzt für die EURO reserviert. Was eng werden könnte: Bei der WM in Deutschland wurden in Dortmund an einem Tag 430 Menschen eingesperrt. Denn nicht alle Fans sind Polizeischüler. (Michael Möseneder/ DER STANDARD Printausgabe 8.5.2008)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 102
1 2 3
suboptimal
 
09.05.2008 00:31
1:0

für den Ausbildner von den "Fans"
:-D

Baehamot
08.05.2008 18:35
Üben,...

...Üben, Üben. ^^

Pot
08.05.2008 14:31
Herr Fellner!

wenns nehman 90% von de Kibara san des zu 100% Tr0ttln...

trollvottel
08.05.2008 16:45

Tja. Da gibt es Leute, die für ihr Land als Beamte arbeiten, mies bezahlt, oft schikaniert oder wegen dem Parteibüchl ausgewechselt; in einem Job, in dem man offenbar ständig nur von renitenten Besoffenen und uneinsichtigen Rasern beleidigt wird ...

... statt Dankbarkeit aber oder dem Bewusstsein, dass diese Leute den Staat zusammenhalten und vor dem Chaos bewahren, keine Spur.

Blade235
08.05.2008 12:18
Übung macht den Meister

Und man muß klein Anfangen. Und was den Realismus angeht, sie können kaum realistisch trainieren, denn dann würde es Verletzte geben und zwar auf beiden Seiten. Natürlich wäre es besser, aber wer stellt sich freiwillig als "Test-Fan" zur Verfügung, um sich Prügel zu holen ???

Oliver Eckert
08.05.2008 12:41
die polizeischüler

ham die auch flaschen und bengalische fackeln aus den hinteren reihen den Kollegen an den Kopf geworfen? Na hoffen wa mal das es ruhig bleibt!

mr. parker
08.05.2008 12:37
man kann

das schon relativ realitätsnah trainieren. nur in stressituationen verlieren die kibara eben jede disziplin.

Blade235
08.05.2008 12:40
Disziplin

Weil man solche Streßsituationen eben nicht nachstellen kann.

mr. parker
08.05.2008 13:09
Harte Ausbildung ist Stress

Als Rekrut beim BH wird dir als Feindarsteller auch nix geschenkt, abenso hart wehrt man sich dann auch. Das wird schrittweise gesteigert. Wenn man diszipliniert ist sinkt das Verletzungsrisiko. Wenn man allerdings denkt: "Wurscht, im Ernstfall hau ich dem Demonstrant halt den Knüppel am Schädel" dann sind Verletzungen und Eskalation vorprogrammiert.

trollvottel
08.05.2008 14:56

Naja: Wer als Demonstrant so blöd ist, in der Nähe von Steine- und Flaschenwerfern zu stehen, will Prügel. Oder?

Dienstag
08.05.2008 17:15

na ja, zufällige Passanten, die halt auch mal ein bisserl Demo mitmachen wollen, wissen nicht, ob der neben ihnen mit Steinchen bewaffnet ist. Oder hat der Passant dann auch Prügel verdient, weil die TN an Demos per se böse ist?

mr. parker
08.05.2008 15:52
CRC

Da gehts nicht darum was der Demonstrant will. Wenn der Demonstrant glaubt er muss sich vor den Kibara stelln und ihm auf die Schuhe brunzen dann darf der trotzdem nix tun ausser in Reihe und Glied stehn. Für Extremfälle gibt es in profesionellen Einheiten Spezialtrupps die die Randalieren ziemlich schnell einkassieren.

Für eine "Schlacht" is die Polizei soweiso net da. Deeskalation bedeutet Prävention und notfalls Abwehr aber sicher net Rache a la "Battle of Seattle".

trollvottel
08.05.2008 16:48

Ach, ich kenn das nur aus Erlebnisberichten von Bekannten vom 1. Mai in Berlin ... ich bin viel früher abgehauen, weil ich wegen einer Hüftverletzung nicht schnell laufen kann.

Folgende Situation: Touristenpärchen guckt Straßenschlacht in einer kleinen Menschenmenge. Plötzlich fliegen Bierflaschen aus dieser Menschenmenge auf die Polizei ... Polizei lässt sich das nicht gefallen und kommt angerannt, und prügelt eben alles aus dem Weg (auch wenns in Babyhaltung am Boden liegt.)
[Die beiden Touristen waren grün und blau am nächsten Tag, aber IMO selbst schuld]

mr. parker
08.05.2008 17:34
Super

das is genau die Art von Leviathan auf die ein Volk verzichten kann.

Ganz ehrlich, meinens des ernst das die Bullen wegen ein paar Bierflaschen das recht am auf am Boden liegende Touristen einzuprügeln?

Wenn die Polizei bei der EM so vorgeht dann brauch sie sich nicht wundern wenn der ganze erste Bezirk in Schutt und Asche liegt. Action for reaction.

yomellamo
08.05.2008 20:41

.. wenns action von den demonstranten gibt, dann kommt die reaction von der polizei... das ist richtig. und das ist auch gut so.

mr. parker
08.05.2008 23:36
falsch

Als "Ordnungsmacht" des Staates sollte die Polizei Disziplin beweisen und Deeskalieren. Die Hau-Drauf Knüppelgarde war gestern. Es gibt auch bei den Bullen Konfliktmanagment. Davon werden aber vom Rachegedanken besessene Ewiggestrige nix verstehen. Leider gibts bei der Kibbarei genug solche Koffer. Diese geben auch ein prima Ziel ab.

derPolizist
09.05.2008 21:15
also, sie sind wirklich...

ein großartiger Theoretiker.... alles beim BH gelernt? Schade, dass sie das nie in der Praxis umsetzen können...

Charles Duchemin
08.05.2008 13:16
Oida Fuchs - a Pipifax-Rekrut bei unserem Micky Maus Heer,

der glaubt duch die harte Schule des Lebens gegangen zu sein.
Gehts bitte noch peinlicher?

Kaiser Franz Joseph
08.05.2008 11:50
irgendwie...

tuns ma schon leid die gummiwurstrambos.
diese fangruppierungen, wääähhh

Ferdinand Berger
08.05.2008 11:15
finde ich irgendwie lieb...

...so eine übung wo die bösen von polizeischülern gespielt werden. mit der realität hat das aber ca. soviel zu tun wie wenn ich in einen löwenkäfig gehe, wo der darin befindliche löwe unter narkose schläft und ihm das futter wegnehme und dann sage: hat ja super geklappt, dass klappt dann auch wenn er wieder wach ist...

Jene Grüne Straßenkatze
08.05.2008 11:43
Vorschläge?

Was soll man denn nehmen? Strafgefangene? Irakischen Widerstand? Orks aus Warcraft II? Star Trek Fans?

zimbo
 
09.05.2008 12:42
Tibeter !

nyabo
08.05.2008 15:07

der "neue" alte Boesewicht: die burmesische Regierung!?

Richard Straus
08.05.2008 14:18

Ausländer, Psychisch Kranke, Frauen in der Menstruationsphase, Bierbauch Wiener, uvm

Edward NORTON
08.05.2008 11:54

komasaufende Kids, die sollen ja rudelweise herumlaufen;-)

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