Oder auch: Klimaanlagen gegen das Klima
Klimaanlagen im Auto sind aus zwei Gründen schlecht für die CO2-Bilanz. Erstens erhöhen sie den Spritverbrauch spürbar und damit auch den CO2-Ausstoß des Autos. Zweitens zirkuliert in Klimaanlagen ein Kältemittel, das 1300-mal klimaschädlicher ist als CO2, nämlich das sogenannte R134a. Wenn da im Laufe der Zeit nur geringe Mengen entweichen, ist das schon schlimm. Doch es gibt eine Lösung: Auch CO2 ist schon lange als Kältemittel bekannt, und das kann man im Auto auch einsetzen, und zwar ohne nennenswerte Nachteile, sogar mit dem kleinen Vorteil, dass die Klimaanlage ihre Kühlwirkung rascher entfaltet.
Deutscher Vorsprung
Allerdings müssen die Klimaanlagen dafür vollkommen neu konstruiert werden. Es genügt nicht, einfach das R134a gegen R744 auszutauschen. Haken an der Geschichte: Das Know-how für CO2-Klimaanlagen ist fest in Händen deutscher Automotive-Entwickler. Der Verband deutscher Automobilhersteller hat deshalb auch beschlossen, ab 2011 nur mehr das umweltfreundlichste Kältemittel R744 einzusetzen.
Der Rest der Welt lässt diese Chance zum Klimaschutz verstreichen. Die EU-Richtlinie sieht nämlich vor, auch Kältemittel bis Klimafaktor 150 zu erlauben, also 150-mal klimaschädlicher als CO2. Dabei kann man eine konventionelle Klimaanlage weiterbetreiben, muss nur das R134a gegen etwas harmlosere fluorierte Treibhausgase austauschen, die aber den Nachteil haben, dass sie brennbar sind und zu einem geringeren Anlagenwirkungsgrad führen.
Warum nicht kompliziert, wenn's auch einfach ginge?
Würde die EU das in fast jeder Hinsicht eindeutig bessere CO2-Kältemittel vorschreiben, würden andere EU-Staaten dies als Bevorzugung der deutschen Autoindustrie sehen. Deutsche Klimaanlagenhersteller müssen also jetzt zweigleisig entwickeln: einerseits, um den Markt mit klassischem Kältemittel zu bedienen, andererseits, um die neue umweltfreundliche Technologie voranzutreiben. (rs)