Immergrüner Tunnelblick

Redaktion, 9. Mai 2008, 16:55
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    foto: standadrd/aumüller

    Der Blick auf eine stimmige Ortskulisse ist Teil des Design-Konzepts im "Estalagem da Ponta do Sol".

Löcher im Berg – Ruhe im Dorf: Ponta do Sol auf Madeira

Einmal mehr wird auch an dieser Stelle nicht restlos aufgeklärt werden, ob Madeira eine Pensionisten-Insel ist oder nicht. Eines ließ sich klären: Es ist eine Tunnel-Insel. Die Frage, wo Portugals Außenposten intakte Dörfer am Meer platziert, ohne den Zugang in die Bergwelt aus den Augen zu verlieren, ist auch beantwortet.

Ponta do Sol im Süden der Insel verfügt über alle wesentlichen Merkmale dörflicher Authentizität: vier Straßentunnel für ein paar Hundert Einwohner gehören auf jeden Fall dazu. Und Madeiras Passion, sich wirklich überall wie ein Schweizer Käse, aber mit EU-Geldern, durchlöchern zu lassen, gereicht hier allen zum Vorteil. Denn wie sagt schon ein altes vom Überfluss geprägtes Sprichwort auf Madeira: "Trau’ teuren Tunneln und Du wirst die Kirchenglocken im Dorf hören."

Ponta do Sol ist somit tatsächlich eine der wenigen Siedlungen entlang der Küste ohne Durchgangsstraße. Ruhe in Verbindung mit den propagierten meisten Sonnenstunden der Insel lässt hier eine besondere Artenvielfalt aufblühen: Die Pensionisten kommen sowieso, aber die zeitgenössische Urbarmachung sieht auch vor, dass sich Hamburger Werbeagenten ebenso her verirren wie Zürcher Bankiers. Man findet auf einer höchst modern umbauten, spektakulären Felsklippe über dem Atlantik zueinander.

2001 wurde dort um eine kleine Quinta das gruppiert, was man wohl ein "Design-Hotel" nennen muss. Zur gleichnamigen, renommierten Hotelgruppe mit 170 Häusern weltweit gehört das "Estalagem da Ponta do Sol" jedenfalls, aber es bleibt ein interessanter Kompromiss: Das strapazierte Label gebührt vor allem der spektakulären Erschließung durch zwei sehr gewagte Aufzüge, ganz bestimmt der Verschmelzung der Anlage mit der Klippe, aber weniger der Innenarchitektur. Und für den günstigen Zimmerpreis (ab 90 Euro für das Doppelzimmer) muss man der Belegschaft offensichtlich auch zugestehen, dass sie oft entspannter ist als ihre Gäste.

Aber genaugenommen bleibt selbst so eine zeitgeistige Ruheoase auf Madeira immer nur Ausgangspunkt für Müllers Gelüste. Dass selbst ein Design-Hotel in dieser Lage nämlich immer auch Wander-Hotel sein wird, ist mehreren Komponenten zuzuschreiben: Die schönsten Levada-Wanderungen Madeiras beginnen vor der Haustür oder sind zumindest schnell erreichbar. Die Bewässerungskanäle am Encumeada-Pass etwa führen in schwindelerregender Höhe durch schnell wechselnde Landschaften – und natürlich durch Tunnel. Die wilde Hochebene der Paul da Serra thront bereits direkt hinter Ponta do Sol auf 1500 Metern über dem Meer und Madeiras höchste Erhebung, der Pico Ruivo, der für sehr wenig Spaziergang unglaublich viel Aussicht bietet, ist noch immer relativ nahe.

Für den Fall, dass man hier auf den Mietwagen verzichtet, bietet das Hotel zumeist kostenlose Shuttle-Verbindungen an; das beginnt bei der Abholung vom Flughafen, in die Hauptstadt Funchal kommt man regelmäßig, aber vor allem die Wanderbusse verkehren täglich als Zubringer oder mit geführten Touren.

Auf vier Tunnel kommen in Ponta do Sol übrigens zwei nette Wirtshäuser. Und selbst wenn sich das eine an die selbe Klippe gepappt hat wie das Hotel darüber – die Preise liegen deutlich darunter. Viel ist die Kost, gut auch, nur wenn der Wind auf der Terrasse weht, kann es schon sein, dass der Degenfisch mit Banane auch mal mit verblasener Möwe serviert wird. (Sascha Aumüller/DER STANDARD, Printausgabe, 3./4.5.2008)

Jeannot81
 
00
13.5.2008, 10:56
Ponta do Sol...

...ist wirklich ein sehr malerischer Ort, durch die relativ geschützte Südlage bietet der Ort auch einen relativ brauchbaren flachen Strand, wenngleich natürlich ohne Sand (dafür muss man aber nur eine Viertelstunde weiterfahren und sich zum künstlichen Strand von Calheta begeben, der natürlich bei weitem nicht so schön ist).
Aber wers noch schöner will, geht gleich ein wenig weiter Richtung Südwesten nach Jardim do Mar, da müssen Autos am Ortseingang abgestellt werden und das Dorf ist von malerischen engen Gassen durchzogen.
Insgesamt find ich den rauheren Norden Madeiras aber doch noch ein wenig anziehender, denn Strandurlaub macht man auf dieser wunderschönen Insel eh nicht ;)

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