Die Chefin der Gesundheit Österreichs GmbH lobt die Wiener Psychiatrie - mit einer Ausnahme
Was die Anzahl der Ärzte an der psychiatrischen Abteilung des Otto-Wagner-Spitals (OWS) betrifft, so liege man mit 0,14 Ärzten und 0,57 diplomierten Pflegern pro Bett über dem österreichischen Schnitt (0,13 Ärzte und 0,44 Pfleger). Das sagte Michaela Moritz, Chefin der Gesundheit Österreichs GmbH, in der gemeinderätlichen Untersuchungskommission zur Wiener Psychiatrie am Mittwoch. "Wien liegt auf sehr guter Seite. Probleme können von der quantitativen Seite, von den Zahlen her, nicht begründet werden", sagt Moritz.
Generell lobt Moritz die Wiener Psychiatrie, mit einer Ausnahme: Wien sei zwar 1979 bei der Psychiatrieplanung Vorreiter gewesen. Doch eines habe man hier versäumt: Die Psychiatrie-Koordination sei noch nicht umgesetzt worden: "Ich würde das bei der Vielfalt der Angebote sehr gut finden", sagt Moritz. Zur zwangsweisen Unterbringung von Psychiatriepatienten gab Hans Joachim Salize vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim Auskunft. Es gebe keinen EU-weiten Bann bestimmter Maßnahmen, sagt der Psychiatrie-Epidemologe, der sich auf die westeuropäischen EU-15 bezog. Er listete Maßnahmen vom Netzbett - dessen Einsatz dem OWS viel Kritik eingebracht hat - über verschiedene Formen der Fixierung, das "weiche" oder "feste" Zimmer bis zur medikamentösen Sedierung auf. Die Gretchenfrage drehe sich um das Ausmaß sowie den adäquaten Einsatz der Maßnahmen, sagte er. Bis vor kurzem habe er angenommen, dass Netzbetten in Österreich nicht mehr zum Einsatz kämen.
Die Wiener Grünen und die Volkspartei hatten die U-Kommission beantragt, um vermeintliche Missstände in der Wiener Psychiatrie zu klären. Die beiden Parteien wollen auch Patienten zu Wort kommen lassen, was die SPÖ und die FPÖ ablehnen. (APA, mil/DER STANDARD-Printausgabe, 2.5.2008)