Wettrennen um die ersten aktuellen Opferfotos

von Redaktion  |  30. Mai 2008, 11:35

Paparazzi auf den Bäumen, herumgeisternde Fernsehteams im Krankenhaus: Direktion ließ Türen verriegeln

"Tut uns leid, wir sind ausgebucht." Wer derzeit in Amstetten und im Umkreis von 30 Kilometern ein Zimmer in einem Hotel oder einer Pension sucht, bekommt nur dies zu hören. Hunderte von Journalisten aus der ganzen Welt - darunter Fernsehteams aus Australien, Japan und Amerika - haben sich gleich für mehrere Wochen in Unterkünften eingemietet. Keine Neuigkeit in dem Aufsehen erregendsten Kriminalfall der Zweiten Republik Österreichs will versäumt werden. Deutsche Tageszeitungen haben gleich 15 bis 20 Redakteure für den Inzestfall nach Niederösterreich geschickt.

Nach mehreren, stundenlangen Pressekonferenzen ist seitens der Ermittler vorerst einmal alles gesagt. Die Wartezeit auf neue Details ist jetzt zum Wettrennen nach aktuellen Fotos von den Opfern geworden. Daran können auch die Bitten der behandelnden Ärzte, den Kindern Ruhe zu gönnen, nichts ändern. Im Klinikum Mostviertel Amstetten, in dem die kranke 19- Jährige behandelt wird, wurden inzwischen alle Seiten- und Nebeneingänge dicht gemacht. Am Mittwoch wurde entschieden, die Türen zu verriegeln. Diese kann nur noch das Personal mittels Zentralschlüssel öffnen, berichtet ein Techniker. Immer wieder seien TV-Teams im Haus "herumgegeistert", um wenigstens Innenaufnahmen von jenem Spital machen zu können, in dem das Mädchen auf der (grundsätzlich abgeschlossenen) Intensivstation mit dem Tode ringt.

Foto- und Drehverbot

Das psychiatrische Landesklinikum Amstetten-Mauer, in dem die anderen Familienmitglieder des mutmaßlichen Täters Josef F. betreut werden, hat mittlerweile ein Foto- und Drehverbot erlassen. Zudem wurde ein privater Sicherheitsdienst beauftragt. Dieser sei notwendig geworden, da es zu einer Handgreiflichkeit zwischen einem Fernsehteam und einem Mitarbeiter der Klinik gekommen war, bestätigte die niederösterreichische Landeskliniken-Holding. Bei dem Versuch, die Journalisten aus dem Spital hinauszukomplimentieren, soll der Mitarbeiter getreten worden sein.

Die Polizei muss auch immer wieder Paparazzi von den Bäumen rund um das Krankenhaus holen. Dem Vernehmen nach soll ein Medium eine Million Dollar für ein aktuelles Opferfoto geboten haben. (Kerstin Scheller/DER STANDARD-Printausgabe, 2.5.2008)

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    1 2 3
    kmartens   
    04.05.2008 10:37
    Die Klinik hat selbst schuld!

    Warum mußte der sich wichtigtuerisch auf einer Pressekonferenz und in den Medien äußern? Warum mußten Außenfotos von seiner Klinik veröffentlicht werden? Kann doch jeder 1+1 zusammen zählen. Das hätte denen doch klar sein müssen, die Geister die ich rief.... und nun sollen sie mal sehen wie sie damit fertig werden. Vorschlag: mietet irgendwo ein Bauernhaus auf einer Alm und bringt die Opfer still und heimlich weg von der Klinik und bitte nicht den Aufenthaltsort verraten. Und falls immer noch Paparrazzi in den Bäumen hängen: Wasserschläuche einsetzen, soll sehr gesund sein für die teure Ausrüstung.

    Oisa i find des (ned) supa
    03.05.2008 11:55
    Konnte man die armen Menschen nicht heimlich still und leise

    irgendwohin bringen? Es muss doch heutzutage möglich sein, den Aufenthaltsort von Opfern geheim halten zu können.

    maddox23
    03.05.2008 11:13

    erinnert mich irgendwie an diesen kinofilm letztens, wo der täter seine opfer live vor der webcam umgebracht hat, und je mehr leute live zusahen, desto schneller starben die opfer...

    ein abbild unserer kranken sensationslüsternen gesellschaft

    Voronwe
    02.05.2008 18:16

    Da muss ich ja gleich an den Artikel in der Times denke, wo man sich so dermaßen über die rigiden Einschnitte in die Pressefreiheit brüskierte. Nach dem Motto "Klar dass dann solche Fälle vorkommen".
    Von der Belästigung durch Paparazzi ist da natürlich nie die Rede, von Sensationslust sowieso nicht.

    klaus81
    02.05.2008 17:28
    Wirklich schlimm ist

    doch nur dass es offenbar einen Markt für diese Photos gibt (wie für vieles andere Abscheuliches auch), denn ansonsten würde doch kaum jemand 1Mio$ dafür zahlen. Und bei denjenigen, die dieses Geld auf Kosten der Opfer annehmen - und seiens nur die paar 1000€ für alte Schulfotos in Amstetten -, um daraufhin gemütlich in Urlaub zu fahren oder sich einen iPod zu kaufen, bei denen hoffe ich auf eine gerechte Strafe nach dem Tod, da der Tatbestand des moralisch verwerflichen Handles ja leider (gottseidank) nicht strafbar ist. Aber irgendwann kommt alles zurück.

    Johannsdottir
    03.05.2008 08:06
    ;-) nix für ungut...

    ... aber du sitzt vorm PC, liest diesen (und wie ich dir jetzt mal unterstelle) und weitere Artikel von dem Fall, informierst dich, siehst dir auch die Fotos an (Schulfotos und so), d. h. DU bist der Markt...

    nomore
    02.05.2008 17:07
    spiritistische Gefahr:

    !...ein Medium eine Million Dollar für ein aktuelles Opferfoto geboten haben..."

    Call me 'X' 
    02.05.2008 16:16
    ausgebucht

    Aber bestimmt nicht zu regulaeren Preisen!! Was kostet das Essen in Gasthaeusern jetzt? Schoen langsam scheint es, das ALLE da mitnaschen wollen.

    fetznpupperl  
    02.05.2008 20:09

    daran find ich nix schlimm - das nennt sich einfach "angebot und nachfrage". da wären die wirten und hotels ja schön blöd, das ist immerhin das geschäft ihres lebens! denn der ruf amstettens als sehenswerte tourismus-metropole ist bislang wohl ein ungehörter. und in 5 monaten, wenn der medien-hype abgeklungen ist, ist amstetten wieder einfach nur eine abfahrt an der a1... ;o)

    Nr.3645
    02.05.2008 15:46
    drakonische strafen zum schutz!!

    natürlich ein heikles thema, denn pressefreiheit ist ein wichtiges gut welches man nicht einschränken sollte.
    allerdings kann die presse ja nach wie vor berichten worüber sie will solange es bilderlose artikel sind.

    deshalb würde ich es in solchen fällen begrüßen wenn ein verbot besteht die opfer ohne deren einverständnis abzubilden.

    wenn eine zeitung dicht machen müsste dann gäbe es solche auswüchse nicht.

    mxcod
    02.05.2008 14:14

    Also ich würde es begrüßen wenn man einem Kamerateam in der Klinik die Kamera zerlegt...
    Kein Verständnis für diese "Journalisten"

    Besonders hervorgetan hat sich aber die Justizministerin (Mediengesetz schützt ausreichend) - Wozu haben wir sie eigentlich wenn eh' alles ausreichend ist....)
    Das Gesetz wird auch sicher irgendeinen Fotograf aus irgendwo interessieren. Das man derart realitätsfremd sein kann....

    zabia
    02.05.2008 20:57
    Unsere Justizministerin haben wir anscheinend

    damit sie den (anderen Parteien angehörenden) Richtern den Ermessensrahmen erinnert, oder ihnen das Gesetz ausdeutscht.
    Offenbar hat sich noch nicht überall in der Judikatur durchgesprochen, was schon Gesetz ist in Österreich.

    Dunkelgrau
    02.05.2008 14:04

    ...und was bringt mir das dann genau, wenn ich ein Foto von denen seh?

    Dante Alighieri
    02.05.2008 20:07

    Wetten dass die Verkaufszahlen der Zeitung in die Höhe schießen würden?

    wolfgang gaerber
    02.05.2008 13:16
    Selektive Wahrnehmung

    Bei den CIA Terror/Folter Camps in Osteuropa war das Medieninteresse deutlich geringer.....

    zabia
    02.05.2008 20:59
    Was E. F.

    erlebt hat, darf ruhig mit jahrzehntelanger Folter verglichen werden. Verschärft durch Geburt, schwerste Krankheit, Tod.
    Noch mal verschärft durch die familiären Aspekte.

    Lectrice 
    02.05.2008 21:15

    Und das gibt der Öffentlichkeit irgend ein Recht auf Fotos von den Opfern?

    Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft AG 
    02.05.2008 13:02
    Wer wirksame rechtliche Mittel gegen diese Art Journalismus fordert ist ein Faschist!

    Die Öffentlichkeit hat ein Recht auf Information!
    Es ist die Pflicht der freien Presse, über diese Dinge so umfassend wie möglich zu berichten!
    Wir ...-
    *bzzzzzzz*
    und ruhig.

    (Vorzustellen wie bei dem vom Flugzeugklo berichtenden Reporter in Die Hard 2; die Presse agiert ja hier teilweise wirklich schon wie ihre unsympathischen Karrikaturen in US-Heropolizistenfilmchen, allen voran NEWS.)

    Späthippie in völliger Verblödung 
    02.05.2008 12:43
    Paparazzi von den Bäumen klauben.

    Es darf sich nicht mehr auszahlen, Persönlichkeitsrechte in solchen Fällen zu verletzen. Rechtlich sollte man sich da schon was einfallen lassen, in der EU oder auch in größerem internationalem Rahmen. Schadenersätze in entsprechender Höhe und persönliche Formen der Haftung für die Hierarchiehöchsten oder auch die Eigentümer in TV oder Zeitung, um den Markt zu ruinieren; Schutzzonen, und anderes.

    onyxx
    02.05.2008 12:42

    photos inside horror house:

    http://tinyurl.com/5xrp7g

    flattop
    02.05.2008 12:26
    Tut leid, aber - das sind die neuen Nazis.

    beardsley 
    02.05.2008 19:57

    verstehe ich nicht ihr rotes meer. ist ja sonst in diesem medium sehr beliebt, wenn man vollkommen willkürlich alles anders denkende/agierende als nazis bezeichnet.

    oshikushi
    02.05.2008 11:57
    Was mich schokiert

    ist dass es wirklich dazu kommen muss:
    "...herumgeisternde Fernsehteams im Krankenhaus: Direktion ließ Türen verriegeln"

    Freiheit ist ein sensibles Gut. Vom Verliess in die naechste Isolation.

    Schilcherfreund
    02.05.2008 11:50
    Schon das heutige NEWS-Cover gesehen?

    Manchmal ist man wirklich versucht, hier im Forum (wenn es nicht zensuriert würde) in direkten Worten seine Meinung zu sagen und die eventuell darauffolgende Klage samt ein paar hundert Euro Strafe zur eigenen Seelenhygiene in Kauf zu nehmen.

    Call me 'X' 
    02.05.2008 16:19

    @ Schilcherfreund:

    Hab ich schon versucht, mehrmals, es kommt nichts durch hier wenn man etwas heftiger gegen die NEWS schreibt. Gehoert doch am ende ohnehin alles zusammen (Zeitungen, Zeitschriften...)

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    »Posting 1 bis 25 von 83

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