Potemkin spielen im Prater

2. Mai 2008, 17:00
  • Die Statue soll ein Prater-Original aus versunkenen Zeiten ("Calafati") darstellen, rundherum ist alles History-Fake.
    foto: gerhard wasserbauer

    Die Statue soll ein Prater-Original aus versunkenen Zeiten ("Calafati") darstellen, rundherum ist alles History-Fake.

  • Das "Stadtgasthaus Eisvogel" bietet sanft modernisierte Wiener Küche zu stolzen Preisen.
    foto: gerhard wasserbauer

    Das "Stadtgasthaus Eisvogel" bietet sanft modernisierte Wiener Küche zu stolzen Preisen.

"Stadtgasthaus Eisvogel" nennt sich das Nobelwirtshaus auf der neu hingeklotzten Platz-Kulisse beim Riesenrad - Zumindest das Essen hat dort Qualität

Von außen unterscheidet sich das neue Restaurant vor dem Wiener Riesenrad kaum von den anderen Gebäuden, die dem Haupteingang zum Wurstelprater die Form eines Platzes geben sollen: Ein betonierter Zweckbau mit angepappten Kunststoff-Balustraden, mit einer aus allen Fugen geratenen Balkonterrasse, aufgemaltem Stuckdekor und blinden Fenstern.

Diese in der Art des Outlet-Dorfes Parndorf grell auf alt geschminkte Kulisse soll offenbar Wien darstellen. Das gelingt in etwa so glaubwürdig, wie die Nachäffung von Las Vegas durch die Automatenhöllen im Prater. Aber egal: Schließlich besteht der Charme des Wurstelpraters daraus, dass er eine Plastikversion der Welt abbildet, in die man sich gern zum Gruseln verirrt, bei der man aber auch froh ist, schnell wieder draußen zu sein.

Vielleicht nennt sich das neue Lokal ja deshalb "Stadtgasthaus" - weil es nicht bloß als Schießbudenkulisse wahrgenommen werden möchte. "Eisvogel" hieß angeblich ein schon vor Jahrhunderten verblichenes Prater-Wirtshaus. Innen geht es betont dezent zu. Gedeckte Beige- und Brauntöne und ein paar aufgeblasene, alte Prater-Fotos verströmen das anonyme Flair eines Hotel-Restaurants. Wer mit einem grauen Anzug reinkommt, sollte sich schleunigst die (hellblaue) Krawatte lockern - sonst würde er auf den ersten Blick für einen der zahlreich umherirrenden Kellner gehalten.

Gastronomische Qualität

Patron ist Herbert Schmid, der über Jahrzehnte den Käsewagen im Wiener Steirereck betreute und bei seinem Abgang viele Mitarbeiter so für das neue Projekt begeistert haben soll, dass sie gleich mitgingen. Damit ist klar, dass hier tatsächlich gastronomische Qualität geboten wird. Wer derlei ausgerechnet in der Trash-Atmosphäre des Praters sucht, wo man sich bislang eher an Stelze, Salzgurke und Schaumrolle labte, bleibt abzuwarten.

Das Speisenkonzept scheint deutlich an jene Idee einer sanft modernisierten Wiener Küche angelehnt, die ein früherer, noch prominenterer Steirereck-Abgänger für das Restaurant im MAK ersann: Helmut Österreicher. Im Eisvogel wird allerdings aufwändiger gekocht. Es gibt Gulasch, Beuschl und Paprikahendl - aber auch Flusskrebse oder Gänseleber.

Die Haxerlsuppe mit Kren und Majoran schmeckt jedenfalls wie das Steirereck-Original und damit ziemlich unvorstellbar gut - mit einer Haxlterrine als Einlage, die selbst Schlabber-Abstinenzler goutieren sollten. Sehr gut auch der mit geschmolzenen Schalotten und Spinat gefüllte Paprika in der Kombination mit gebratenem Sardinenfilet.

Das lauwarme Mayonnaiseei entpuppt sich als wachsweiches Ei in einem Mantel aus Erdäpfelpüree, umhüllt von geräucherter Lachsforelle und umkränzt von fein abgeschmeckter Mayo - ja! Spargelsalat mit Bries und Bröselstrudel fällt dagegen ab, die penetrante Orangenschalen-Vinaigrette ruiniert die zarten Aromen von Spargel und Bries - dabei ist beides perfekt gegart. Auch den Kümmelbraten würde man um 14,50 Euro mit Kruspel- statt Gummi-Schwarte erwarten - dafür ist das Saftl fantastisch und die Fleischqualität auch. Toller Käse vom Wagen und sehr bemerkenswerte Weinkarte. Fazit: Alles Fake - bis auf das Essen! (Severin Corti/Der Standard/rondo/02/05/2008)

Stadtgasthaus Eisvogel
Riesenradpl. 5
1020 Wien
Tel.: 01/908 11 16-3100
Mo-So 11.30-22.30
VS € 4,20-12,50 HS € 13,50-22,50

Fotos:
Gerhard Wasserbauer
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Kümmelbraten um 14,50 Euro mit Kruspel..

genau das, was man nach ein paar runden goCart braucht.

Bezeichnend für die Sozialdemokratie Wiens

Es ist also das Fin de siècle und der Wiener Jugendstil, dem die Sozialdemokratie Wiens frönt. Bezeichnend, dass man diese Epoche wählte. Hätten das die Sozialdemokraten der 1920-iger Jahre auch so ausgewählt? Oder jene der 1960-iger?Ein Kreisky? Das biedere, morbide Wien der ausgehenden Monarchie ist offenbar in den Augen der ewig vorgestrigen Sozialdemokrat/inn/en die markanteste Periode in der Geschichte Wiens. Tja, so schaut dann die Stadt auch insgesamt aus nach 100 Jahren rosa - ein einziger brunzerlgelber Pavillon mit rosa Brillen betrachtet, die an den Stadteinfahrten an die Damen und Herren Cash-cow-Oarschloch-Touristen verteilt werden. Rülps - Mahlzeit!

Kann er nicht daheim schlabbern?

Schön langsm nervt dieses Dumm-Wort! Bin ja nur gespannt, wann er endlich "Oida" zum Lesa sagt...

Herzelichst
Ihr Lappe

fürchterlich was der herr praterplaner da um zig millionen geplant hat und dann um 32 millionen umgesetzt hat! parndorf outletcenter am riesenradvorplatz! unfassbar!

egal wie das essen dort sein möge und wenn sie haubenküche herschenken würden - dort gehe ich sicherlich nicht hin!

es ist ein vergnügungspark!!!!

wenn nicht dort plastik-kitsch wo dann?

noch was: die hätten dort hinstellen können was sie wollen, es hätten immer viele dran herumgesudert. welcome to vienna!

also mit anderen worten:
"is eh ois wurscht!"
elaborierter ansatz.

absolut nicht

aber: wen nicht kitschig wenn in einem luna park?

mir gefällt das auch nicht sonderlich - aber es ist besser als vorher. immerhin was.

Man sollte aber auch nicht vergessen,

daß eine der größten und längstlebigen Attraktionen des Wr. Praters "Venedig in Wien" war, das es etwa 30 Jahre lang gab, und das ein Vorbote des heutigen "Venetian" in Las Vegas war. Dort konnte (bzw in Nevada: kann) man auch gut italienisch essen, auch wenn rundum alles Pappmachè war, oder eben heute Plastik.

guter text..

..man würde gleichstellen, wären da nicht diese umstände, wie er geworden ist, was er ist. aber eh egal. in österreich ist ja alles egal..

sie sind..

..nicht der einzige..

was wissen denn sie

bitte erklären. oder bin ich die einzige, die bei ihren zeilen nicht mitkommt?

Vom Falter Anleihe genommen?

kalbswienerschnitzerl...

+ salat um 16,90. naja, wer's braucht!

Sprechen sie mir nach: Touristenfalle.

Manche sind darauf aus, in die Falle zu gehen.

Schon mal die Kalbsfleischpreise in letzter Zeit gesehen? Da ist 16,90 bei guter Qualität und guter Zubereitung fast schon ein Geschenk.

Aber ein ausgezeichnetes 300 g Filetsteak wollen Sie wahrscheinlich auch um 15 Eulen!?

Naja, ich sag mal so: ein Wiener Schnitzel kann auch ruhig 30 Euro kosten wenns wirklich gut ist. Es ist IMHO dumm zu glauben dass eine Hauptspeise nur weil es sich um ein Wiener Schnitzel handelt billig-billig sein muss.

wer "braucht" ein wiener schnitzel?

falsche frage, weil niemand so etwas wirklich "braucht", aber vielleicht gerne in sehr guter qualität haben möchte.
das wiener im eisvogel schmeckt idealtypisch (am freitag zu mittag). schon lange keines mehr gegessen, das so weiches, saftiges fleisch mit so perfekter (fast schon unglaublich perfekter) panier vereint.
aber gefallen tut's mir dort auch nicht. und der service ist weit weg von perfekt - aber das wird sich einspielen.

naja, ein paar dodln werden sich schon finden die für topfenpalatschinken 8,50 eur bezahlen.....

Ein würdiges Häupl-Laska Denkmal

Ein Fressbudenplatz um 32 Millionen Euro Steuergeld. Bravo.

abgrundtief hässlich, aber es ist ja eh nicht das erste mal dass wien verschandelt wird

Wien wird doch schon seit Kriegsende dauerhaft mit allen möglichen und unmöglichen Bauten verschandelt

Seit Kriegsende?

Seit es besteht!

Jaja, früher war alles schöner.

Genau... Vor allem damals als es noch Verkehr in der Kärntner Straße gab... ^^

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