"Hochleistungspilze" als Milchkühe

29. April 2008, 19:36
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Ein Christian-Doppler-Labor in Bochum versucht die Produktion von Medikamenten zu verbessern

Antibiotika können entweder chemisch synthetisiert oder mithilfe von Pilzkulturen hergestellt werden, und das ist auch die gängige Herstellungsmethode.

Forscher der Ruhr-Universität in Bochum setzen genau da an und arbeiten seit einigen Jahren an der Technik zur Erzeugung von "Hochleistungspilzen". Pilze tauschen Erbinformationen üblicherweise bei der Fortpflanzung im Verlauf eines Sexualprozesses aus, dabei können neue, eventuell bessere Eigenschaften entstehen. Die Hochleistungspilze haben die Fähigkeit dazu verloren, sind also asexuell und müssen im Reagenzglas mithilfe sogenannten In-vitro-Rekombinationstechniken gentechnisch manipuliert werden.

In Bochum befindet sich europaweit das erste und weltweit das zweite Labor, das mit dieser Technik die Pilze verändert. Dank dieser Methode sind Wissenschafter in der Lage, eine Erbinformation aus dem Pilz herauszunehmen oder einzusetzen. Durch diese schrittweisen Veränderungen erzeugen die Pilze immer mehr von den gewünschten Substanzen. Früher isolierte man Pilzstämme aus dem Boden, das hatte allerdings den Nachteil, dass sie relativ wenig produzierten.

Hochleistungspilze

"Über die Jahre wurden die Pilze dann wie 'Milchkühe' zu immer höheren Leistungen getrimmt. Diese Hochleistungspilze sind allerdings sehr empfindlich, man muss sie gut behandeln, fast hätscheln, denn sie neigen zu einer hohen genetischen Instabilität, werden sozusagen 'faul', und das führt zu einer schnellen Abnahme ihrer Produktivität", erzählt Ulrich Kück, Leiter des neuen Christian-Doppler-Labors an der Ruhr-Universität in Bochum.

Durch molekularbiologische Eingriffe schaffen es die Forscher, dass die Erbinformationen stabil gehalten werden. In vitro können auch die Eigenschaften des zukünftigen Medikaments verbessert werden.

"Wir bemühen uns also, dass die Milchkuh über einen langen Zeitraum viel Milch gibt und die Produktion möglichst hoch und stabil gehalten wird", sagt Doppler-Laborleiter Kück. Die Wissenschafter in Bochum entwickeln an reinen Laborstämmen ihre Techniken, die beim Industriepartner Sandoz in Kundl bei den Hochleistungsstämmen beispielsweise für die Erzeugung von Pharmazeutika angewandt werden. (grab/DER STANDARD, Printausgabe, 30.4.2008)

  • Industriepartner Sandoz will durch die Unterstützung der Bochumer Grundlagenforscher maßgeschneiderte Medikamente entwickeln.
    foto: sandoz

    Industriepartner Sandoz will durch die Unterstützung der Bochumer Grundlagenforscher maßgeschneiderte Medikamente entwickeln.

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