Sparpaket wird "Nagelprobe" für ORF-Führung

29. April 2008, 19:42
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Der Robert-Hochner- Preis geht an Gabi Waldner aus dem "gallischen Dorf" ORF-Radio - Waldner im STANDARD-Interview

Der Robert-Hochner-Preis geht an Gabi Waldner aus dem "gallischen Dorf" ORF-Radio. Von ihrer Dankrede sollen wir "besser nichts erwarten". Eher von ihrem Interview mit Hansi Hinterseer.

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STANDARD: "Brandheiße Aktualität, Sorgfalt und sprachliche Brillianz, ihre Interviewtechnik setzt Maßstäbe und sie entlockt damit Aussagen, welche in jedem Fall erhellen, lässt ausreden, jedoch niemals ausweichen. Ihre entwaffnenden Mittel sind Höflichkeit, Beharrlichkeit und der richtige, nie laut werdende Ton, immer glänzend vorbereitet. Verschafft sich mit uneitlem Stil Autorität." Hat Sie die Jury gut getroffen?

Waldner: Das mögen bitte andere beurteilen.

STANDARD: Wie würden Sie sich und Ihre Arbeit beschreiben?

Waldner: Ich versuche einfach, anständige journalistische Arbeit zu machen. So unbefangen, unaufgeregt und sachlich wie halt möglich.

STANDARD: Wer war bisher Ihr unangenehmster Interviewpartner? Peter Westenthaler im Sommergespräch vor zwei Jahren?

Waldner: Ja, klar. Aber für ihn war es vermutlich noch unangenehmer. Er hat Wochen davor, bei seiner Rückkehr in die Politik, einen auf geläuterter, gemäßigter Freigeist gemacht. Das hat er nach der Stunde mit mir wohl selbst nicht mehr geglaubt.

STANDARD: Wen würden Sie gerne (worüber) interviewen - und wen auf keinen Fall?

Waldner: Ach, da gibt's viele... Cicero fasziniert mich als historischer Strippenzieher, der so gar nicht teflonartige Willy Brandt oder sein Nachfolger, der nüchterne Helmut Schmidt! Aber ich würde auch gern mal mit so Gesamtkunstwerken wie Madonna oder Hansi Hinterseer reden, mit Udo Jürgens habe ich schon, und das war extrem lustig!

STANDARD: Was bedeutet ihnen Robert Hochner - und was der nach ihm benannte Preis?

Waldner: Dieser Preis ist die wirklich ganz große Ehre, ich freu' mich irrsinnig! Ich habe Robert Hochner persönlich leider nicht gekannt, aber er war einfach prägend und stilbildend für viele Journalisten im ORF. Sicher auch für mich.

STANDARD: Sie haben sich aus dem Fernsehen verabschiedet, weil ihnen dort "zu fremdbestimmt" gearbeitet würde. Meinen Sie Interventionen von außen, etwa aus der Politik?

Waldner: Nein. Ich meinte, dass ich, wenn ich eine politische Talksendung moderiere, selbstverständlich auch gern bei Thema und Gästen mitreden würde.

STANDARD: Hat sich nach dem Führungswechsel, gemäß Armin Wolfs Dankrede für den Hochner-Preis vor zwei Jahren, nach dem Führungswechsel im ORF das alte "Gleichgewicht des Schreckens" der großen Parteien dort wieder eingestellt?

Waldner: Armins Befund hat sich ja damals auf das Fernsehen bezogen. Wie es sich mittlerweile dort arbeitet, müssen Sie die KollegInnen fragen. Bei uns im Hörfunk läuft's ja immer schon ein bisschen wie im gallischen Dorf bei Asterix - meistens vergisst uns Rom, aber wenn wir dann attackiert werden, pudeln wir uns mächtig auf.

STANDARD: Vor zwei Jahren rechnete Armin Wolf in seiner Dankrede für den Hochner-Preis mit der Führung der ORF-Information ab und bereitete so das Klima für den Führungswechsel im ORF. Was dürfen wir uns denn von Ihrer Dankrede erwarten?

Waldner: Besser nichts, ich habe noch nie eine Rede gehalten.

STANDARD: Wie würden Sie die Auswirkungen des Führungswechsels auf die ORF-Information insgesamt heute beurteilen?

Waldner: Das sage ich Ihnen, wenn ich weiß, wie viele und welche Posten quer durch alle Infobereiche des ORF - Fernsehen, Hörfunk, Landesstudios - gestrichen oder nicht nachbesetzt werden. Das wird die Nagelprobe.

STANDARD: Bei mir hat sich vor wenigen Wochen ein SP-Mann beklagt, dass in die Morgenjournale der vergangenen Monate zehnmal mehr ÖVP-Politiker als solche der SPÖ zum Interview geladen wurden. Teilen Sie den Eindruck - und wenn ja, woher rührt das?

Waldner: Nein, den teile ich nicht! Ein ÖVPler erzählt Ihnen bestimmt das Gegenteil. Das nennt man dann selektive Wahrnehmung, die ist in Politik und Medien weit verbreitet.

  • Gabi Waldner.
    foto: standard/cremer

    Gabi Waldner.

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