Krisen überwinden, in einem Ort des Lachens

29. April 2008, 09:45
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Das Zirkusprojekt "Circolibre" organisiert Austausche von Jugendlichen aus dem Nahen Osten und Deutschland

Berlin - "Unsere Idee war nicht, nur nach Israel und in die palästinensischen Gebiete fahren, sondern wir wollten auch globaler werden." Anne Timm, ist ein Mitglied des Zirkusprojekts "Circolibre", das seit 2004 jährlich mehrere Fachkräfte- und Jugendaustauschprogramme, derzeit im Nahen Osten und Deutschland, durchführt.

Circolibre ist eine eigenständige Gruppe des Trägervereins "Grenzkultur", die sich vom Kinderzirkus Cabuwazi, dem eigentlichen Träger, abgenabelt hat. "Circolibre ist ein Kind von Cabuwazi, das gerade erwachsen wird und auszieht", beschreibt der gegenwärtige Vereinsvorsitzende von Cabuwazi, Fabian Gröger, die Situation, aber auch die Entstehung des Vereins.

Denn gegründet wurde Circolibre von Jugendlichen, die als Kinder bei Cabuwazi trainiert hatten oder mittlerweile selbst Trainer sind. Ihr Ziel war es, internationale Kontakte zu knüpfen und in Gebieten, wo Kinder und Jugendliche es deutlich schwerer als andere haben, zu helfen.

Mit den Methoden der Zirkuspädagogik wollten sie ein bisschen mehr Freude in das Leben dieser Kinder bringen und ihnen neue Perspektiven eröffnen.

Die Zusammenarbeit mit den Zirkussen aus den (Krisen-)Regionen findet bewusst unabhängig vom politisch-kulturellen Kontext statt, in dem die Kinder leben. Für gewöhnlich dauern die Reisen zehn bis vierzehn Tage. Doch je länger das Projekt betrieben wird, umso zeitaufwändiger wird es.

Die vom Alter her sehr unterschiedlichen Gruppenmitglieder treffen sich einmal wöchentlich in Berlin und beraten über bevorstehende Projekte.

Zirkuscamps im Sommer

Für 2008 ist einiges in Planung, wie zum Beispiel ein integratives Projekt in Dschenin (Westjordanland) im Herbst, bei dem es zwei Wochen lang um Zirkustheater und Maskenspiel gehen soll.

"Südafrika ist eine andere Alternative, die uns sehr zusagt, da bereits einige Personen aus unserer Gruppe dort waren und Kontakte zu einer Zirkusgruppe bestehen", erklärt Timm, dass der Fokus auf den Nahen Osten kein Prinzip ist.

Momentan arbeiten die Organisatoren von Circolibre auch an der Idee eines Sommercamps, bei dem israelische auf palästinensische Jugendliche treffen würden. Das wäre das erste Mal, denn bisher gab es noch keine Versuche, Israelis in palästinensische Gebiete zu schicken oder umgekehrt, da zu große Ängste bestanden.

"In ihrem eigenen Land würden sie vielleicht Probleme bekommen. Möglicherweise werden sie als Kollaborateure dargestellt", erklärt Timm diese Ängste.

Das Projekt finanziert sich hauptsächlich durch Spenden, die finanziellen Mittel sind begrenzt. Aber nicht nur deshalb meidet die Gruppe Hotels und Jugendherbergen. So würde "die Persönlichkeit" verlorengehen, einquartiert werden die Besucher deshalb in den Familien der Projektpartner oder in einer billigen Mietwohnung. Es werde viel Wert darauf gelegt, Land und Leute selbst zu sehen und kennenzulernen.

"Man kann erkennen, dass alles in diesen Regionen nicht wirklich so ist, wie es in den Nachrichten dargestellt wird. Das sind ganz normale Menschen, wie du und ich, mit ganz normalen Ängsten und Träumen", erklärt Timm.

Zu Anfang gebe es unter den jungen Leuten zwar meist noch Hemmungen, aufeinander zuzugehen, doch diese legen sich normalerweise schnell. Oft entstehen diese Hemmungen "nur durch die Konflikte, die die Politiker miteinander haben und die dann über die Öffentlichkeit ausgetragen werden", erzählt Gröger. (Bath-Sahaw Baranow/DER STANDARD, Printausgabe, 29. April 2008)

  • "Circolibre" hatte schon im Jahr 2004 Auftritte in Jerusalem (siehe Bild). Durch Zirkuspädagogik sollen neue Perspektiven eröffnet werden.
    foto: der standard/quiquek

    "Circolibre" hatte schon im Jahr 2004 Auftritte in Jerusalem (siehe Bild). Durch Zirkuspädagogik sollen neue Perspektiven eröffnet werden.

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