Bewegungen, die uns widerspiegeln

29. April 2008, 09:25
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"Tanz die Toleranz" brachte mehr als 130 Jugendliche und Erwachsene unterschiedlicher Herkunft auf eine Bühne

Wien - Welches Medium schafft es, Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Kultur einander fast nebenbei näherzubringen? Es ist der Tanz; eine Sprache, die über soziale und kulturelle Barrieren hinweg verbindet.

Am 25. und 26. April tanzten 130 Jugendliche aus verschiedenen Schulen in Wien gemeinsam mit Menschen aus Sozialeinrichtungen im Gasometer in Wien- Simmering. Der Auftritt war Teil des Projekts "Tanz die Toleranz - quertanzen", das von der Caritas Wien, Kulturkontakt Austria und der Initiative "Entscheidend bist DU!" durchgeführt wird.

"Tanz die Toleranz" wurde 2007 mit der Eröffnung der Wiener Festwochen zum ersten Mal ins Leben gerufen - damals stellten 225 Kinder und Jugendliche ihren gemeinsam durchlebten Trainingsprozess und ihre persönliche Entwicklung auf der Bühne am Wiener Rathausplatz dar.

"Menschen mit wenig Möglichkeiten auf die Bühne zu bringen" ist im positiven Sinne herausfordernd, erzählt die ausgebildete Tanzpädagogin und assistierende Choreografin Lisa Lengheimer (28). "Ich glaube, dass viel beim Publikum angekommen ist, immerhin wurde mit einer starken Überzeugung und Intensität trainiert und getanzt", erzählt sie.

Betreut wurde das Projekt vom britischen Choreografen Royston Maldoom, der durch seinen vielfach ausgezeichneten Kinofilm "Rhythm is it!" bei einem breiteren Publikum bekannt wurde.

Zwei Monate lang trainierten die Schüler unter Anleitung von lokalen Choreografen zur teils von Bernhard Fleischmann komponierten Musik. Daraus entstanden vier einzelne Stücke, die bei der Vorführung zusammengefügt und ineinander verschmolzen worden sind.

Die Vorstellung beginnt mit der ersten Gruppe, die quer über die Bühne läuft und endet mit 130 Personen, die durch die gemeinsame Arbeit Erfahrungen und neue Freundschaften gesammelt haben.

"Wir wurden von unserer Deutschlehrerin auf das Projekt angesprochen. Die Idee, eine Nachricht durch das Tanzen zu vermitteln, fanden wir gut, aber das Tanzen selbst war anfangs anstrengend. Es wurde viel von uns abverlangt", erzählen die 13-jährigen Schülerinnen Michelle und Marina.

Feinde zu Freunden machen

Nichtsdestotrotz würden sie wieder an solch einem Projekt teilnehmen wollen, betonen sie, denn immerhin könne sich das Resultat sehen lassen, nicht nur von künstlerischer Perspektive aus.

"Bei uns hat sich definitiv viel geändert: Vor dem Projekt haben wir so gut wie nie miteinander gesprochen, wir waren eigentlich verfeindet", erzählt Andrea. "Durch die Zusammenarbeit und die vielen Gespräche, die sich durch das Training ergeben haben, sind wir Freunde geworden", erzählen ihre Freundinnen Adreana, Cheda und Fadik, Schülerinnen der Kooperativen Mittelschule Koppstraße Wien.

Das Projekt wird weiterhin fortgesetzt, in der "brunnen.passage" am Brunnenmarkt, "saturdance" und auch mit der "Tanz die Toleranz - Sommerwerkstatt". Es sollen weiterhin Impulse gesetzt werden, mit denen Vorurteile abgebaut und Querverbindung über gesellschaftliche Grenzen hinweg erstellt werden können.

Denn, wie Royston Maldoom selbst betont: "Es geht darum, uns selbst auf der Bühne zu sehen, uns als Gesellschaft." (Isabel Syrek/DER STANDARD, Printausgabe, 29. April 2008)

  • "Erhebende" Momente als Ergebnis eines Prozesses, bei dem Jugendliche u. a. mit Starchoreograf Royston Maldoom lernten, sich durch Bewegung Ausdruck zu verleihen.
    foto: der standard/newald

    "Erhebende" Momente als Ergebnis eines Prozesses, bei dem Jugendliche u. a. mit Starchoreograf Royston Maldoom lernten, sich durch Bewegung Ausdruck zu verleihen.

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    foto: der standard/newald
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