Harlem Rapid

Redaktion, 29. April 2008, 12:28

Eigentlich wollte ich eine Weile lang nichts mehr von Fußball hören, nichts von Hörn­chen, die Schneckerl heißen, nichts von Gurkerln und Jausengegnern ...

... nichts von Richard Lugners neuer Freundin und ihrer Fußballfrisur, die aussieht wie ein umgestülptes Vogelnest, nichts von der Zucker-EURO, Männerunterwäsche an der Latte, den anderen Werbe-Wuchteln und auch nichts von den Richtigen, die nicht die Besten sind. Wo geht das besser als in New York, wo sich der Fußball schon wegen der Zeitverschiebung nicht durchsetzt, die wichtigen europäischen Spiele um drei Uhr nachmittags beginnen.

New York, diese liebenswerte, aber irgendwie auch antiquierte Metropole, diese Stadt der Zahlen, in der alles nummeriert ist wie beim Football, wo man im Central Park abhängen kann wie Holden Caulfield (mit Ketchup im Roggen), oder in Brooklyn wie in Paul Austers Smoke (mit Chesterfield), es eine Oyster Bar mit 26 verschiedenen Austern (von Long Island bis New Brunswick) gibt, man zu Ground Zero pilgern kann oder zur John-Lennon-Ecke beim Dakota-Building, Bagels essen, sunnyside eggs over-easy, Burgers, Steaks, und man in den Fernsehern der Bars nur Baseball, Basketball und Eishockey serviert bekommt, nicht aber Fußball. So weit, so gut. Bis es mich nach Harlem in den legendären Jazz Club Lennox Lounge verschlagen hat. Nicht nur die schwarze Kellnerin hat mich da irritiert, die wissen wollte, woher ich komme, und auf mein "Austria!", ohne die Mundwinkel zu verziehen, fragte: "Mit dem Taxi?" Vor allem verblüffte mich die Jacke eines Schwarzen, eine grün-weiße Lederjacke mit der Aufschrift Rapid Wien. Sacramento!

Sollte sich der 32. Meistertitel bis nach Harlem durchgesprochen haben? Sollte man im Norden Manhattans von den Wundertaten Steffen Hofmanns wissen? Konnte es in Harlem Hütteldorfer geben? Harlem das Hütteldorf New Yorks? Kaum war die Band mit ihrer verjazzten Version von The Flintstones fertig, fasste ich mir ein Herz und fragte den Grün-Weißen, was er von Hoffer, Maierhofer halte? - Maierhoffer? Who? Soccer? What? Ach so, die Jacke, ja, die sei ein Geschenk von einem Cousin dritten Grades, und er trage sie nur, weil sie ihn an das Cover seiner Lieblingsplat-te ... Wer? Ich konnte die Antwort nicht verstehen, weil die Band schon wieder so laut spielte, dass Gesprochenes nicht mehr verstehbar war.

"Birdland" füllte nun die Lennox Lounge, was mich nicht nur wieder an die Vogelnestfrisur von Lugners neuer Freundin und die anderen Seitenblicke-Vögel erinnerte, sondern auch daran, dass dieser Klassiker des Jazz von einem Österreicher stammte. Aber ob das hier jemand wusste? Und ob Zawinul Rapidler war? (Franzobel, DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 29. April 2008)

  • Der Ball [3]

    Geboren ist der Ball in Pirmasens - am 22. Februar 1886 - In einer streng katholischen, gutbürgerlichen Familie wuchs er auf

  • Sommermärchen [12]

    Es war einmal in einem Land der grantigen Zwerge und mieselsüchtigen Riesenherzen...

  • Es wird Zeit [3]

    Es wird nun wirklich Zeit, dass sich die EURO aus ihrer Höhle traut und sich den Menschen zeigt

  • Bitte Zahlen! [13]

    Ich sage ja nicht, dass ich ruhig schlafe. Im Gegenteil mitten in der Nacht...

  • Das Blau Algeriens [2]

    Algier, Karwoche, frühsommerliche Temperaturen. Gelb blühende Mimosen, wilde Orchideen, ein strahlend blauer Himmel und...

  • Fußballfrühling [86]

    In den niederträchtigen niederländischen Medien hieß man Österreich ei­ne C-Klasse-Mannschaft und das schwächste Team der EURO...

  • Gewaltig [20]

    Wie sagte einst der unfassbare Helmut Qualtinger? Simmering gegen Kapfenberg, das ist Brutalität...

  • Schiedsrichters Einsamkeit [26]

    Während meiner Schülerligazeit gab es die Legende, ein Schüler hätte auf eine rote Karte dermaßen respondiert,...

  • Imageschaden [40]

    Der eigentliche Skandal um den Amstettener Keller ist nicht, dass man nun bei Sisi und Franzl nicht mehr...

  • Luxusproblem [18]

    Manchmal drückt die Sprache etwas aus, das es gar nicht gibt. In der Autobiografie des bekannten Fußballkommentators...

  • Europameister! [30]

    Auch wenn es niemand für möglich hält, wird Österreich bei der EURO...

  • Harlem Rapid [39]

  • Fußball, Porno, Pyramiden [70]

    Manchmal denke ich, dass Fußball eine Art Ersatzbefriedigung ist, die vor allem junge Menschen...

  • Matchbox [18]

    Ein Afrikaner hat unlängst gemeint, dass ihm das Leben in Mitteleuropa wie zwischen zwei elektrischen Drähten vorkommt - wehe...

  • Bärlauchparty [28]

    Ich kann mich noch gut an die Enttäuschung meiner Frau erinnern, als sie erstmals einen Vanillerostbraten serviert bekam...

  • Zum Niederknien [12]

    Es begann mit einem geschwollenen Knie. Als gelernter Hypochonder bin ich gleich zur Not­fall­medizin, Wartezeit drei Stunden...

  • Wuzl und Wuzlerin [23]

    Meine Tante Karin trinkt nicht nur, sie ist auch Kettenraucherin. Früher hat sie Rothändle...

  • Fremdschämen [30]

    Tiere haben sich im Laufe der Evolution enorm entwickelt. Fledermäuse...

  • Hurenwurst [36]

    Einmal habe ich einem fremden Autofahrer beim Radwechsel geholfen. Zum Dank...

  • Oba Córdoba Oba [43]

    In meiner Erinnerung war jener 21. Juni 1978, an dem es zur Transsubstantiation...

  • Der Stimmenimitator [23]

    Zumindest in Filmen werden ausdauernd Leichen und Bewusstlose im Kofferraum eines Autos transportiert. Ich erinnere nur...

  • Torstangenbewässerer [70]

    In Österreich etwa hat in den letzten 20 Jahren eine beispiellose Verdeutschung...

  • Pflanzerei [1]

    Warum weinen Menschen? Woher kommt die vermehrte Augenflüssigkeit bei Traurigkeit? Weil...

  • Über die Ungerechtigkeit [1]

    Im Zentrum von Buenos Aires gibt es ein unscheinbares Parkstück...

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...ich möchte gerne mit den tulpen spielen...
00

...ich habe den "literaten" fußball spielen gesehen und weiß jetzt bescheid, es wurde ihm der ball etwas schärfer seitwärts von rechts aufgerollt, der "literat" erstolperte sich etwa 5m vor dem tor den ball, versuchte den ball vollrisst zu nehmen, traf den ball jedoch seitlich an der schuhspitze, spielte einen spitz, im volksmund auch "jud" genannt, stolperte, strauchelte, letztlich traf er aus 5m entfernung das tor nicht, eine elendige kreatur.

...sorry, aber einer der selbst nicht kicken kann, kann auch nicht darüber schreiben, so lieb mir der franzobel auch sein mag, fußballspielen kann er jedoch nicht.

...ich kenne franzobels literatur, vieles mag ich, anderes weniger, doch fußballspielen kann dieser mann nicht.

cherry-kirsche1
00
23.5.2008, 11:14

deshalb ist er ja auch kein Fußballer geworden, sondern Literat! Wer sagt, dass man in dem Beruf Fußball spielen können muss? Dann müsste ja jeder Sportreporter, damit er erst einmal die "Erlaubnis" hat, über Fußball zu schreiben, selber ein toller Spieler sein, oder wie?!

Hofer Jürgen 1
 
53
30.4.2008, 12:32

Wenn er nicht diesen literarischen Stil draufhätte würd ich ja glatt sagen er ist der Heinz Prüller des Standards mit seinen unnötigen Geschichten...

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00
29.4.2008, 23:22

kann mir die etwas peinliche szene im jazzclub gut vorstellen. ist ja auch gut geschrieben.

Salzburger seit 93
00
29.4.2008, 15:43

oh ein weltbürger.
ich kenn nur die standard kolummne von diesem Herrn, bis auf den positiven ausreißer beim algerientext ist das einfach schlecht. also wirklich. sowas sowas.

cycas revoluta
01
29.4.2008, 16:40
und Sie

sind seit 15 Jahren nicht aus ihrem Salzburg rausgekommen? Dass Sie von Franzobel weder Romane noch Theaterstücke kennen, spricht auch sehr für Sie.

Salzburger seit 93
00
29.4.2008, 17:05

ist sicher eine literarische lücke, zumindest ein werk zu kennen wär nicht schlecht. dann könnte man vielleicht seine artikel besser einordnen. das bisher gelesene machts mir jedoch nicht gerade schmackhaft mich da zu vertiefen. milde ausgedrückt.
zum ersten teil des postings: in salzburg war ich schon mal...

cycas revoluta
00
29.4.2008, 18:31
Empfehlen

kann ich wärmstens Das Fest der Steine oder die Wunderkammer der Exzentrik. Das ist ein Weltroman!

kinky nasty
00
29.4.2008, 22:52
böselkraut und ferdinand.

jerrycantrell
01
29.4.2008, 14:31

ich weiß ja nicht, wies dem rest der standard leser geht...aber seit ich den franzobel bei "das match" (anti)kicken gesehen hab, kann ich ihn zum thema fussball einfach noch weniger ernst nehmen!

cHL
00
29.4.2008, 13:21
is ja egal warum...

... hauptsache er hat das rapid-jacket an ;)

dacube
00
29.4.2008, 12:37
super Text, Franzobel!

Schade, dass du Bad Waltersdorf so schnell wieder verlassen hast.

Aber so isses nun mal, jede Mannschaft verträgt nur einen Künstler. Und in deinem Fall, war dieser auch noch der Trainer...

skurril austriak
02
29.4.2008, 12:05

schön geschriebene geschichte

Klaus Walter
43
29.4.2008, 11:54
summary

...Who the f..k is rabid ??

diese frage drängt sich in der ganzen welt zurecht auf !

Krawutzikaputzi
13
29.4.2008, 13:16

Der Meister Klausi, der Meister!!!

österreicher37
11
29.4.2008, 10:47
Das

ist wohl die Quadratur des nonsens.

dh83
22
29.4.2008, 03:51
Gaehn....

hoffentlich hat der Standard wenigstens nicht die Reise zahlen muessen, und gehoert der Bericht nicht eigentlich ins Panorama? So als Reisewarnung: selbst in New York koennen Ihnen Fans als Huetteldorf entgegenkommen...

Duplobaustein Lore Krainer
01
29.4.2008, 13:00
Den Text wohl nicht gelesen...

Henoch
56
29.4.2008, 00:02
Franzobel wird zum Lugner der Literatur... :-(

Und das ist leider ernst gemeint.

paula popp
13
28.4.2008, 22:40
geiler Text

Forza Rapid! Bravo Franzobel!

IcyBox
32
28.4.2008, 22:24
500

Wörter ohne Inhalt!

Räuber Hotzenplotz
00
29.4.2008, 16:37

Ich seh nur 407

Popeye57
39
28.4.2008, 22:11
Mr. Franzübel

Von mir aus soll Mr. Franzübel hinfahren, wo er will - wen interessiert´s? Und wenn er nichts von Fussball hören will, auch sein gutes Recht; aber warum kriegt dieser Mega-Langeweiler dann eine eigene EM-Kolumne??? Seine Artikel ja schon fast so peinlich wie die österreichische Innenpolitik oder RAU-TV.

Hübner
 
02
28.4.2008, 23:47

New York, diese liebenswerte, aber irgendwie auch antiquierte Metropole, eroberte ein Franzobel wie nix:
If You Make It There, You Can Make It Anywhere.
Das Leben ist nicht fair; so ist das halt.

Tante Sisis Kuchen Bello
52
28.4.2008, 19:04
STOLZ

Ich bin Rapidler und stolz drauf jedes mal ins Stadion zu gehen.

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