Rebellen, Blauhelme und Naturalien

    28. April 2008, 18:55
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    Indische und pakistanische Soldaten sollen Waffen an Rebellen verkauft haben, berichtet die BBC - Im Gegenzug sollen sie dafür Gold und Elfenbein erhalten haben

    Der Angriff auf das Dorf Bogoro im Osten Kongos war so brutal, dass nur diejenigen überlebten, die rechtzeitig fliehen konnten. "Hunderte wurden getötet und terrorisiert, Frauen wurden als Sexsklaven missbraucht und das Dorf bis auf die Grundmauern niedergebrannt", heißt es in einer Stellungnahme des internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag zu dem Überfall am 24. Februar 2003, hinter dem neben einer weiteren Rebellengruppe die "Front der Nationalisten und Integrationisten" (FNI) steckte.

    Wenn ein Exklusivbericht der britischen BBC zutrifft, dann hatten zumindest Teile der FNI die unwahrscheinlichsten Unterstützer. UN-Blauhelme, die in dem von mehr als fünf Jahren Bürgerkrieg verwüsteten Ost-Kongo eigentlich für Frieden sorgen sollten, sollen die FNI gegen Gold aufgerüstet haben. Die Vorwürfe, dass Soldaten im Auftrag der UNO sich in der bis heute weitgehend unkontrollierten Region bereichert haben sollen, sind nicht neu. Immer wieder gibt es Berichte über den Schmuggel mit Gold, Waffen, Drogen und Elfenbein. "Die Untersuchung hat keine Beweise für Waffenschmuggel erbracht", erklärte 2007 der für die UN-Friedenseinsätze zuständige UN-Untergeneralsekretär Jean-Marie Guehenno. Doch in Mongbwalu, einem Dorf nahe der ugandischen Grenze, wollen britische Reporter nach 18 Monaten Recherche neue Beweise dafür gefunden haben, dass pakistanische Blauhelmsoldaten Waffen an die FNI weitergaben. "Sie haben uns Waffen gegeben", bestätigt etwa der FNI-General Mateso Ninga, der in Kongos Hauptstadt Kinshasa im Gefängnis sitzt. "Sie haben uns gesagt, wir sollen ihnen damit helfen, die Gegend zu sichern."

    In der Gegend befanden sich auch von der FNI kontrollierte Goldminen. Aus denen wurden die Blauhelme dem Vernehmen nach bezahlt, berichten auch Bewohner. Schwere Vorwürfe erhebt der Bericht auch gegen indische Blauhelmsoldaten: Sie sollen Gold und Drogen von Hutu-Extremisten gekauft haben, die für den Genozid in Ruanda verantwortlich gemacht werden.

    Vorwürfe zurückgewiesen

    Der UN-Sonderbeauftragte im Kongo, Alan Doss weist die Aussagen Ningas zurück und verweist auf die interne UN-Untersuchung, die den Blauhelmen eine weiße Weste bescheinigt. Doch nachdem der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan Vergewaltigungen, Übergriffe auf Minderjährige und Menschenhandel im Rahmen von UN-Missionen zugeben musste, ziehen selbst UN-Mitarbeiter in New York die internen Untersuchungen in Zweifel. Die Vorwürfe, die UN hätten vorliegende Beweise übersehen, wiegen schwer. In Sachen Kongo seien weitreichende Vorwürfe, so die BBC, aus politischen Gründen unter Verschluss gehalten worden: Pakistan und Indien stellen das Gros aller Soldaten bei Blauhelm-Einsätzen weltweit, beide Länder will man nicht vergrätzen. Ein interner UN-Bericht aus dem Juli 2007, der den Goldhandel in Mongbwalu bestätigen soll, wurde nie veröffentlicht. (Marc Engelhardt aus Goma/Nairobi/ DER STANDARD Printausgabe, 29.4.2008)

    • Soldaten der Vereinten Nationen auf dem Kivu-See im Westen des Kongo: Die UN-Mission Monuc wurde am 30. November 1999 durch die Resolution 1279 des UN-Sicherheitsrates ins Leben gerufen.
      foto: epa

      Soldaten der Vereinten Nationen auf dem Kivu-See im Westen des Kongo: Die UN-Mission Monuc wurde am 30. November 1999 durch die Resolution 1279 des UN-Sicherheitsrates ins Leben gerufen.

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