Schlupfloch hinter Stahlbeton

29. April 2008, 17:49
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Die Räume weisen eine maximale Höhe von 1,70 Metern auf - Wie Wohnzimmer eingerichtet - mit Videos und Grafik

Die Sicherheitsdirektion Niederösterreich veröffentlichte am Montag Bilder des "Verlieses" in Amstetten sowie des Verdächtigen Josef F. (73) und verband damit folgendes Fahndungsersuchen: "Wer hat Josef F. bei möglichen verdächtigen Handlungen beobachtet? Hinweise bitte an den Journaldienst des Landeskriminalamtes Niederösterreich unter der Telefonnummer 059133/30 33 33."

Zweck der Bitte um Mithilfe ist, dass die Polizei den Fall so ausführlich wie möglich für die Justizbehörden aufbereiten muss. Ein Geständnis allein - laut Polizei hat der Verdächtige bereits einige Vorwürfe bestätigt - ist vor Gericht kein ausreichender Beweis.

Zum Verlies hieß es in der Polizeimitteilung, "dass die zirka 60 Quadratmeter großen Kellerräumlichkeiten über einen kleinen Einstieg, der sich hinter einem Regal befand, erreichbar sind. Versperrt ist der Eingang mit einer massiven Stahlbetontüre mit Elektromotor, welche mit einer Fernbedienung mit Zahlencode zu öffnen ist. Über einen zirka fünf Meter langen Gang und ein Schlupfloch gelangt man in ein Zimmer mit einer Kochmöglichkeit sowie einer Toiletten- und Duschanlage. Es bestehen auch zwei Schlafräume mit je zwei Betten. Die Raumhöhen betragen etwa 170 cm. Die Räumlichkeiten sind gepflegt. In den Räumen befanden sich unter anderem ein Fernseher mit Video sowie ein Radiogerät."

Die Parallelen zum Kellerverließ in Strasshof, in dem Natascha Kampusch gefangen gehalten worden war, sind unübersehbar. Aber auch international gibt es Vergleichsfälle: Im Jahr 2000 wurden zwei Mädchen, 17 und 14 Jahre alt, im russischen Ort Skopin von Wiktor Mochow entführt und dreieinhalb Jahre in einem Verlies eingesperrt und immer wieder vergewaltigt. Sie konnten 2004 gerettet werden. Im November 1990 wurde in Sanjo in Japan eine Zehnjährige entführt und neun Jahre und zwei Monate in einer Wohnung festgehalten. Der geisteskranke Täter malträtierte sein Opfer unter anderem mit Elektroschocks. Die Mutter des Mannes gab schließlich den entscheidenden Hinweis. (DER STANDARD Printausgabe, 29.04.2008)

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