Missbrauchsfall in Niederösterreich: Grundsätzliches Versagen

Es drängen sich Fragen nach der gesamten Verfassung einer reichen, selbstzufriedenen Gesellschaft auf

Der Fall ist so grauenerregend, dass es der Verstand kaum fassen kann: Eine Frau soll von ihrem eigenen Vater 24 Jahre lang in den Keller des eigenen Hauses gesperrt, missbraucht und gequält worden sein. Sie hat insgesamt sieben Kinder des mutmaßlichen Täters zur Welt gebracht, die zum Teil ebenfalls mit ihr eingesperrt wurden. Vielleicht wäre noch lange Zeit nichts von all dem aufgeflogen, wenn nicht eines der Kinder lebensgefährlich erkrankt wäre - und die Behörden am Ende doch noch, nach einem ominösen "Tipp" aus der Bevölkerung, eingegriffen hätten.

Dass sich ausländische Medien auf den Fall stürzen und die auf der Hand liegenden Parallelen zum Martyrium der Natascha Kampusch aufgreifen, ist logisch. Die Frage "Wie konnte das passieren?" schwingt in allen Berichten mit. Tatsächlich drängen sich bei diesem monströsen Kriminalfall Fragen nach der gesamten Verfassung einer reichen, selbstzufriedenen Gesellschaft auf, in der ein Vierteljahrhundert lang nicht bemerkt worden sein soll, was in unmittelbarer Nachbarschaft abgegangen ist.

Wie ist es möglich, dass niemand je etwas gehört oder gesehen hat, wie kann es sein, dass niemand Fragen stellte? Was sagt es über Nachbarn aus, was über weitschichtigere Verwandte, Bekannte und nicht zuletzt auch über jene Menschen, die rein behördlich mit der Familie zu tun hatten, dass es dem Tatverdächtigen gelingen konnte, alle zu "täuschen"?

Es wird nicht möglich sein, nach diesem Fall zur Tagesordnung überzugehen. Eine ganzes Land muss sich fragen, was da eigentlich grundsätzlich falsch läuft. (Petra Stuiber, DER STANDARD - Printausgabe, 28. April 2008)

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wie wahr

"Eine ganzes Land muss sich fragen, was da eigentlich grundsätzlich falsch läuft"

aber was tut dieses land ?

1. innerhalb von 48 (!) stunden wird von den behörden festgestellt, dass außer dem täter mit 1000%iger sicherheit niemand mtiverantwortlich ist - insbesondere nicht die behörden selbst

2. im staatsfernsehen wird alles mögliche getan, um diesen akt von selbstgerechtigkeit zu untermauern. über fragen wie in dem artikel oben wird nicht einmal nachgedacht.

3. auf einige österreichkritische berichte der ausländischen boulevardpresse (!) ruft der bundeskanzler zum schulterschluss auf und spielt die hierzulande so bewährte "jetzt-erst-recht"-karte

armes land der ignoranten und verdränger !

Imageschaden

bin zur Zeit im Ausland und kann nur bestätigen dass unser Image mehr als ramponiert ist. Allein schon das Fehlen eines kompetenten Pressesprechers bei Pressekonferenzen. Wir stehen da wie ein Haufen Amateure, schwer bemueht einen geraden deutschen Satz zu formulieren. Aber hat es Österreich je interessiert was der Rest der Welt ueber uns denkt?

Also ich möchte nicht in einem Staat leben, der in der Lage wäre, so etwas zu verhindern. Dagegen wäre Chine eine blühende Demokratie.

Ja, das sehe ich auch so.

Dress-Code im Fernsehen-wie komme ich rüber?

Oberst Franz Polzer vom Landeskriminalamt erscheint am runden Tisch in feinster Feiertagsuniform und wirkt dabei wie ein vergessener Nazi. Seitenscheitel, Hitlerbärtchen, ein Graus. Die ganze Auslandspresse ist auf uns gerichtet und Österreichs oberste Kriminalisten präsentieren sich wie die ewig gestrigen.

Hitlers NÖ-Sippschaft kann noch soo oft ihre Namen ändern...

...die visagegebundenen Erbmerkmale kriegt nicht einmal der beste Chirurg weg...

Sie koennen ernsthaft die moralischen Qualitaeten eines Menschen an seiner Frisur erkennen?
Das sind ja gewaltige menschliche Fortschritte gegenueber dem vorherigen Jahrhundert. Dort erkannte man den Wert eines Menschen daran, ob er eine Judennase hatte.

und alle werden zur tagesordnung übergehen.

ich nicht, Schätzchen.

Warum nicht? Auch was im Keller?

Dieser Zusammenhang zwischen einer sich aufl. gesellschaft und diesen

delikten ist schlichtweg schwachsinn.

1. begann das schrecken für die arme frau vor 24 jahreen also im jahr 1983

also ist damalige gesellschaft schuld.

2. diese verbrechen so schwer sie sin (prikobil, und jetzt) haben wirklich gar ncihts "modernes" an sich.

männehttp://derstandard.at/AdServer/... 1370473344
http://derstandard.at/AdServer/... 370473344r hatlen frauen in kellern gefangen ein drama das es sicher schon 20000 jahre gibt.


nicths ergibt sich hier aus übeln der moderne.

viel schlimmer wäre ein land

in dem jeder seinen nachbarn verdächtigt ein gefährlicher perversling zu sein und akribisch über jede auffälligkeit buch führt.

Natürlich ist Buch zu führen,

und zwar über alle Sexualverbrecher, so lange sie hier inkarniert sind.

Hhhmmm. Also über alle Männer?

Was nützt das schönste Buch...

...über die Sexualtäter, solange sie dort noch nicht enthalten sind? Die "wachsen" nämlich nach, und sind meistens nicht die bösen, unbekannten Menschenfresser, sondern häufig aus der eigenen Familie oder Freunde derselben. Womit wir wieder bei der Verantwortung der Gesellschaft wären. Hinsehen statt wegsehen, Fragen stellen, wenn etwas nicht plausibel erscheint, im Zweifelsfall Behörden einschalten hat nichts mit "Blockwartmentalität" zu tun, der allem und jedem hinterherschnüffelt. Bei uns in Deutschland häufen sich Fälle von Kindesverwahrlosung, -misshandlung, Verhungern und Mord. Da können wir uns auch nicht auf den Standpunkt zurückziehen, dass es so etwas schon immer gegeben hat.

Das denke ich auch. Es gibt nichts Schlimmeres als extrem neugierige Nachbarn zu haben, die alles beobachten und herum schnüffeln. Und zum Glück denken die meisten Menschen nicht so schlecht und negativ, dass sie bei einem seltsamen Verhalten sofort zu den Behörden rennen, was wäre das sonst für eine widerliche Existenz und Welt? Der gute Glaube sollte unter solchen "außerordentlichen" Ereignissen nicht leiden...

der Staat hat nicht versagt!

Meiner Meinung nach werden hier auch dem "Sozialstaat" die Grenzen der Zuständigkeit aufgezeigt. Nicht ein ganzes Land, sondern in erster Linie all jene Familien, die psychisch zu ähnlich kranken Verhaltensweisen tendieren, müssen sich diese Frage stellen, "was da grundsätzlich falsch läuft". So unbestritten tragisch der Fall ist, ich finde es lächerlich und auch falsch, hier dem "Staat" auch nur irgend eine Form von Verantwortung zu übertragen, und wenn, dann kann das nur bedeuten, dass die Verantwortlichen selbst (Familie, Nachbarn, etc.) die Eigenverantwortung abgegeben haben! Es ist eine Illusion zu glauben, dass man derartige psychische Auswüchse mit "vorbeugenden Maßnahmen" des Staates ausmerzen kann.

...was zu beweisen wäre!

Ich stimme zu, in erster Linie sind Angehörige, Freunde und Nachbarn gefordert. So ist mir schleierhaft, dass die Ehefrau nicht einmal eine Ahnung gehabt haben will, was ihr Mann in dem Keller treibt. Das fängt mit dem Bau an und endet nicht bei den Einkäufen für die Eingesperrten und klingt eher nach Realitätsverweigerung. Zu den Behörden: Was soll der Grund für das zweimalige Ausreißen der Tochter gewesen sein? Opa (Papa!) findet zufällig abgelegte Babys vor der Tür, die Tochter ist angeblich bei einer Sekte (welche?), was für eine abenteuerliche Geschichte! Ich staune, was nach den bekannt gewordenen Ermittlungsfehlern im Fall Kampusch für ein "Gottvertrauen" in die Behörden besteht...

Auch bevor die Babys vor der Tür gefunden wurden- warum haben die Eltern bzw. die Behörden die Existenz dieser "Sekte" nicht hinterfragt? Warum wurde die Elisabeth nicht weiterhin gesucht? Ist es etwa beruhigend für eine Mutter, für die restliche Familie, wenn die abgängige Tochter schreibt "bin bei einer Teufelssekte, sucht mich nicht!"??? Denkt man da: "Na gut, da muß alles in Ordnung sein, da ist sie sicher in guten Händen"?? Und warum wurde das von den zuständigen Behörden (polizeiliche Ermittler) nicht weiter untersucht? Es ist schließlich nicht ungewöhnlich, wenn Entführer ihre Opfer zwingen, Briefe zu schreiben oder Telefonate zu führen, in dem sie ihre Famile zur Aufgabe der Suche auffordern. Hier haben die Behörden klar versagt!

Seltsames tut sich...

Wie zu lesen ist, lebte eines der vermeintlichen "Findelkinder" ohne Rechtsgrundlage bei Herrn und Frau F. Gleichzeitig bemühten sich Behördenvertreter ungefragt um den Eindruck, dass der Herr F. ja ein ganz netter gewesen sei und die Kinder ja so brav und gut erzogen wurden(gemeint ist wahrscheinlich: Sie widersprachen nie und taten immer alles, was man ihnen sagte(!)) - das wirft ein Schlaglicht auf die Aufsichtspflicht der Behörden sowie deren Rollenverständnis von Mitgliedern einer "gesunden" Familie.

und wenn das "Auswüchse" des weit verbreiteten und so gern unter den teppich gekehrten phänomens gewalt in der familie wären? dann hätte die weggesperrte vergewaltigte trotzdem einfach ein bisschen mehr 'eigenverantwortung' (und verantwortung ggn ihren kindern!) an den tag legen können - und ihren vater kurzer hand erdrosseln, erschlagen, an die wand schleudern - oder was? - sollen? gewalt ist kein kinderspiel - auch wenn es im fernsehen gern so ausschaut.

Zum letzten Satz der Frau Stuiber: wie naiv ist das!

Es sind viel schlimmere Ereignisse passiert, und das Land ist zur Tagesordnung übergangen. Was bleibt sonst bitte übrig?? Man kann doch wegen dieser sicherlich schrecklichen Sache nicht sein ganzes Leben umstellen... Und Menschen sind sehr vergesslich. Wie könnten sonst jene Politiker immer wiedergewählt werden, die ständig falsche Versprechen abgeben?!

Farm der Tiere? :-)

Fragwürdige Fragestellung: "Wie kann es sein...

..dass niemand jemals etwas bemerkt hat?Meiner Meinung nach setzt diese Fragestellung nicht am richtigen Punkt an.Alle fragen sich-wie kann es das geben,natürlich fragt man sich das. Es ist auch unglaublich. Wie kann es sein dass es niemand merkte-das bringt niemanden weiter, selbst wenn es eine Antwort gäbe.
Fragen wir uns lieber:wie kann es sein dass ein Mensch so etwas tut?Dass ein"Vater" seine Tochter einsperrt und misshandelt,vergewaltigt, Monat für Monat, Woche für Woche,Tag für Tag,ich weiß es nicht.Und dass so ein Mensch leben kann, dass er sich selbst noch erlauben kann zu atmen?Fragen wir uns lieber,was für eine Gesellschaft das ist, die solche Menschen hervorbringt,denn von denen gibt es mit Sicherheit mehr als man glaubt

die alternative zur obigen meinung wäre

wir bespitzeln uns gegenseitig wieder, nachbarn, freunde oder kollegen werden denunziert, hatten wir eigentlich schon einmal und ich meine, damals hat mit der gesellschaft etwas ganz und gar nicht gestimmt......

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