"Mehr Geld ins Klassenzimmer"

28. April 2008, 09:41
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Bildungsministerin Claudia Schmied fordert im STANDARD-Interview die neue Matura auch für berufsbildende Schulen

Bildungsministerin Claudia Schmied will die neue Matura auch für berufsbildende Schulen. Für Lehrer und Kindergartenpädagogen fordert sie bessere Gehälter. Mit ihr sprach Andrea Heigl.

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STANDARD: Frau Ministerin, wenn Sie an Ihre Matura zurückdenken: Hätten Sie die standardisierte Reifeprüfung geschafft oder haben Sie sich irgendwo durchlaviert?

Schmied (lacht): Die neue Matura baut auf den Bildungsstandards auf. Es braucht ja noch vier Jahre, bis sie das erste Mal stattfindet - mit der Vorbereitung hätte ich da keine Schwierigkeiten gehabt.

STANDARD: Bei der standardisierten Reifeprüfung wurde bis jetzt nur über AHS gesprochen. Wird es die neue Matura auch für berufsbildende Schulen geben?

Schmied: Wir planen das auch bei den anderen Schultypen. Um die Qualität zu sichern, braucht es viel Vorlaufzeit, daher fangen wir einmal mit der AHS an. Das Projekt Bildungsstandards, das mit der Matura neu eng zusammenhängt, wird seit 2001 vorbereitet. Etwa 200 Schulen testen sie.

STANDARD: Und wann wird das alles in ein Gesetz gegossen?

Schmied: Noch vor dem Sommer. 2009 werden die Grundlagen in Deutsch, Englisch und Mathematik in der achten Schulstufe getestet, 2010 dann in der 4. Schulstufe. Die erste Überprüfung der 8. Schulstufe gibt es 2012.

STANDARD: Was sollen die Bildungsstandards im Endausbau sein? Eine Art österreichische Pisa-Studie?

Schmied: Ja, so kann man sich das vorstellen. Der Lehrer bekommt Rückmeldungen und sieht: Wie sind meine Schüler im Vergleich, wie greifen meine Unterrichtsmethoden, wie ist es mir gelungen, die Grundkompetenzen zu vermitteln. Die Ergebnisse sollen als positives Feedback gesehen werden. Auch die Lehrer müssen das mittragen.

STANDARD: Nehmen das die Lehrer auch so auf? Meistens sind sie von Ihren Ideen ja nicht so begeistert.

Schmied: In den Pilotschulen werden auch die Lehrer befragt, und da sind 70 bis 75 Prozent sehr angetan. Die große Aufgabe liegt darin, möglichst alle Lehrer auf diese Entwicklungsreise mitzunehmen.

STANDARD: ÖVP-Bildungssprecher Fritz Neugebauer spricht von einer bloßen "Ankündigungsflut".

Schmied: Das hat er nach einem sehr konstruktiven Unterrichtsausschuss gesagt, und er weiß, dass ich nichts ankündige, was ich nicht auch umsetze. Bereits jetzt haben wir viel verwirklicht, und bis zum Sommer haben wir einen sehr straffen Zeitplan. Ich möchte bis zum Sommer die Bildungsstandards, die Matura neu, die Berufsmatura, die Senkung der Klassenschülerzahl, die Sprachförderung und noch einiges mehr dem Parlament vorlegen. Die großen Themen wie Verfassungs- und Verwaltungsreform und die gemeinsame Lehrerausbildung brauchen noch entsprechende Vorbereitung.

STANDARD: Was sagen Sie zum Ethikunterricht, den die ÖVP will?

Schmied: Wir müssen das Thema Ethikunterricht grundsätzlich diskutieren, auch im Sinne von Wertevermittlung, Demokratieverständnis, interkultureller Dialog und so weiter. Wir müssen auch die große Frage erörtern, wer Ethik unterrichten soll. Das kann man nicht ho ruck entscheiden. Nachdem das Thema Ethikunterricht in keinem Arbeitsprogramm verankert ist, ist das bei mir nicht so weit oben auf der Prioritätenliste.

STANDARD: Wissenschaftsminister Hahn hat vergangene Woche gesagt, bis 2010 soll die Regierung zumindest wissen, was sie will, was die gemeinsame Lehrerausbildung betrifft. Was stellen Sie sich denn vor?

Schmied: Ich habe noch kein vorgezeichnetes Bild, aber es ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um sich darüber Gedanken zu machen. Zum einen sind die Pädagogischen Hochschulen im Aufbau, andererseits müssen sich die Universitäten im Zuge des Bologna-Prozesses über ihren Studienaufbau Gedanken machen. Minister Johannes Hahn und ich werden gemeinsam eine Expertengruppe einrichten. Fest steht: Wir müssen die Lehrerausbildung für alle auf universitäres Niveau heben.

STANDARD: Braucht man dann die Pädagogischen Hochschulen noch?

Schmied: Natürlich, aber in welcher Institution das durchgeführt wird, steht für mich nicht im Vordergrund. Wichtig ist, dass der Bildungsweg keine Sackgasse wird. Lehrer wünschen sich Karriereperspektiven, wollen sich weiterentwickeln und Zusatzqualifikationen erwerben. Auch das sollte die Ausbildung sicherstellen.

STANDARD: Soll es finanzielle Anreize für engagierte Lehrer geben?

Schmied: Wir müssen attraktiver werden bei den Einstiegsgehältern und uns die Gehaltsverläufe anschauen. Auffällig sind auch die niedrigen Gehälter von Kindergartenpädagogen oder Volksschullehrern, obwohl wir wissen, dass die ersten Jahre ganz prägend für die Kinder sind. Ich persönlich bin eine Verfechterin von guten Grundgehältern, ich halte nicht so viel davon, Sonderleistungen separat zu entlohnen. Wir brauchen an den Schulen außerdem mittleres Management. Ich bin für ein hohes Maß an Verantwortung am Schulstandort, mit dem großen Ziel: mehr Geld ins Klassenzimmer. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.4.2008)

  • "Wir müssen attraktiver werden", sagt Bildungsministerin Claudia Schmied. "Auffällig" sind für sie die niedrigen Gehälter von Kindergartenpädagogen und Volksschullehrern.
    foto: der standard/cremer

    "Wir müssen attraktiver werden", sagt Bildungsministerin Claudia Schmied. "Auffällig" sind für sie die niedrigen Gehälter von Kindergartenpädagogen und Volksschullehrern.

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