42-Jährige 24 Jahre lang im Keller eingesperrt und schwerst missbraucht - Sieben Kinder geboren
Wien - Ein unfassbarer Fall von jahrelangem sexuellen Missbrauch ist am Sonntag bekannt geworden. Die 42-jährige Elisabeth F. soll seit ihrem 18. Lebensjahr von ihrem Vater in einem Verlies in einem Haus in Amstetten in Niederösterreich gefangen gehalten und missbraucht worden sein. Elisabeth F. soll in ihrem Kerker sieben Babys geboren haben, von denen eines starb. Drei der Kinder mussten ebenfalls in Gefangenschaft leben, die übrigen mussten getrennt von der Mutter aufwachsen.
Die Polizei verdächtigt den 73-jährigen Vater von Elisabeth, Josef F., die Kinder inzestuös gezeugt zu haben. Dieser begann am Montag über seine Taten zu reden. "Er ist im Wesentlichen geständig, schwächt aber in Details ab", berichtete Chefinspektor Leopold Etz vom Landeskriminalamt Niederösterreich.
Zustand 19-jähriger Tochter kritisch, aber stabil
Aufgeflogen ist der Fall, nachdem eine vermutlich 19-jährige Tochter, die im Keller eingesperrt gewesen ist, plötzlich schwer erkrankt ist und ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Primarius Albert Reiter hat ihren Zustand am Montag als "kritisch, aber stabil" bezeichnet. Die junge Frau hatte aufgrund von Krampfanfällen unter Sauerstoffmangel gelitten, so der Mediziner. Sie war bewusstlos aufgefunden und am 19. April ins Landesklinikum Mostviertel Amstetten eingeliefert worden.
Ebenfalls in ärztlicher Behandlung sind sieben weitere Personen aus dem Haus in Amstetten. Elisabeth F., fünf Kinder und ihre Mutter befinden sich in der Sonderkrankenanstalt Landesklinikum Mostviertel Amstetten-Mauer. Auch ihr Zustand wurde von Primarius Berthold Kepplinger als "durchaus stabil" bezeichnet. Die Mutter und zwei ihrer ebenfalls gefangen gehaltener Kinder seien "blass, aber von durchaus normalem Ernährungszustand". Alle sieben Patienten seien den Umständen entsprechend traumatisiert und geschockt. Die Patienten erhalten laut Kepplinger stützende Psychotherapie. Außerdem seien Traumatherapeuten für Kinder und Erwachsene zugegen. Wie lange die Behandlungen dauern würden, sei vorerst nicht absehbar.
Verlies mit elektronischer Sperre gesichert
Das Verlies von Elisabeth F. und ihren Kindern wurde Sonntagabend von der Polizei geöffnet. Wie Oberst Franz Polzer von der Kriminalabteilung Niederösterreich sagte, sei der Zugang hinter einem Regal in einem Werk- bzw. Arbeitsraum entdeckt worden. Gesichert war er mit einer elektronischen Sperre, die sich nur mit einem Code öffnen ließ. Der 73-jährige Verdächtige verriet den Code schließlich der Polizei, womit er erstmals sein Schweigen brach. Zuvor habe der frühere Elektrotechniker nur in einer Randbemerkung gemeint, dass ihm seine Familie leidtäte. Danach habe er allerdings wieder seine Ruhe haben wollen.
Ein schmaler, etwa 1,70 Meter hoher Gang führte in das Verlies, so Polzer. Diese habe mehrere Räume und sei "häuslich eingerichtet" gewesen. Gefunden wurden sanitäre Einrichtungen, Schlafstätten, ein Fernseher und eine Kochnische. Außerdem seien Bilder und Poster an den Wänden gehangen. In zwei Räumen gab es Schlafgelegenheiten, zudem war eine Dusche montiert. Offenbar seien die fensterlosen geheimen Räumlichkeiten nach und nach erweitert worden, so Polzer. Laut dem Amstettener Bezirkshauptmann Hans-Heinz Lenze verfügte der Keller sogar über eine Gummizelle.
Keller "tabu"
Sowohl die Ehefrau als auch die Kinder in der Wohnung gaben an, nichts von den Vorgängen mitbekommen zu haben. "Nach derzeitigem Stand hat die Gattin des Beschuldigten keinen Kontakt zu der 42-jährigen Frau und den anderen Kindern gehabt", so Heinz Lenze, Bezirkshauptmann von Amstetten. Der Keller habe allerdings auch als "tabu" gegolten. Elisabeth F. gab ebenfalls an, dass ihre Mutter nicht Bescheid gewusst habe.
Medizinische Versorgung gab es laut Polizei für die Gefangenen nicht. Kleidung und Nahrung wurde ihnen ausschließlich von dem Verdächtigen gebracht. Sprechen lehrte die Kinder offenbar Elisabeth F. selbst.
Drei Kinder bei guter Gesundheit
Die drei Kinder, die in den Wohnräumen lebten, sind laut Polizei "bestens erzogen" und bei guter Gesundheit. Laut Exekutive dürfte der 73-Jährige den Behörden vorgegaukelt haben, dass seine vermisste Tochter diese bei ihm vor der Tür weggelegt hat. Auf diesem Weg konnte er sie adoptieren bzw. als privaten Pflegefälle aufnehmen.
Mit elf Jahren zum ersten Mal missbraucht
Das Martyrium der psychisch und physisch schwer gezeichneten Elisabeth F. begann laut Polizei bereits mit elf Jahren, als der heute 73-Jährige sie zum ersten Mal missbraucht haben soll. Im Alter von 18 Jahren habe Josef F. am 28. August 1984 seine Tochter in den Keller gelockt, betäubt und sie mit Handschellen gefesselt in einen Raum eingesperrt. Gleichzeitig hat er sie bei der Polizei als vermisst gemeldet. "Zuvor hat sie normal bei der Familie gelebt", so ein Sprecher der Sicherheitsdirektion Niederösterreich.
Die 24-jährige Gefangenschaft war für Elisabeth F. ein ständiger Alptraum. Ihrer Aussage zufolge ist sie "laufend von ihrem Vater missbraucht worden". Aus den Übergriffen entstammen laut Polizei sieben Kinder, von denen eines starb: Im Jahre 1996 habe sie Zwillinge zur Welt gebracht, beide hätten gelebt, jedoch mangels entsprechender Versorgung sei ein Kind einige Tage nach der Geburt verstorben. Der Vater habe den toten Körper aus dem Keller entfernt und folglich verbrannt.
(red/APA)