"Die FH soll der Uni nicht ähnlicher werden!"

25. April 2008, 17:20
109 Postings

Ex-Wissenschafts- minister Busek ist seit 2004 Rektor der FH Salzburg - Im STANDARD- Interview sprach er über die Zukunft der Hochschulen

STANDARD: Sie sagten vor 15 Jahren: „Die Fachhochschulen werden eine Alternative zur abstrakten Lehre an der WU oder der TUschaffen.“ Wurde dieses Ziel erreicht?

Busek: Ja, das ist gelungen, auch wenn es natürlich noch besser werden kann. Die FHs haben einen wesentlichen Beitrag zum Bildungsangebot geleistet und haben den Vorzug, dass das Gros der Absolventen leicht einen Posten findet, weil die Praxisorientierung sehr groß ist. Es ist sicher so, dass die FHs in jenen Sektoren bleiben sollen, wo es die entsprechende Nachfrage gibt, und gleichzeitig vermeiden müssen, Universitäten werden zu wollen. Daher bin ich dafür, dass sie angewandte Forschung betreiben, aber keine Grundlagenforschung.

STANDARD: Sie meinen, dass FH-Absolventen nicht in der Arbeitslosenstatistik landen?

Busek: Nein. Es besteht natürlich die Gefahr, dass die FHs der Mode zum Opfer fallen. Da sage ich jetzt unfreundlich: Es sollte nicht zu viele Studiengänge für Journalismus geben, denn da haben wir nicht die Posten. Das ist ein bisserl eine Modeerscheinung. Außerdem werden die FHs zum Teil leider auch verwendet, um Regionalpolitik zu machen. Der Landeshauptmann sagt, wir brauchen eine FH, und keiner hinterfragt den Bedarf.

STANDARD: Die Akkreditierung durch den FH-Rat soll aber oft lange dauern ...

Busek: In Wahrheit fürchten sie sich nur, Nein zu sagen. Standard: Durch die Bolo_gna-Reform rücken Unis und FHs zusammen. Zumindest preist es die Politik so an, und auch die FH-Interessenvertreter sehen das als Fortschritt! Busek: Das ist ein Fehler. Der Bachelor und der Master sind wichtig in der FH, der PhD bzw. das Doktoratsstudium sind aber durch Vereinbarungen mit Unis zu lösen – ich mache das auch in Salzburg so. Es ist jedoch sicher nicht unsere Aufgabe, das Doktoratsstudium zu haben. Es ist gut, wenn man Verbindungen eingeht, aber FHs sollen nicht universitätsähnlicher werden. Dieser Fehler ist in Deutschland passiert, und ich glaube, man muss daraus lernen.

STANDARD: Sie wehren sich gegen diese Entwicklung?

Busek: Genau, das habe ich auch dem Herrn Minister und den Wissenschaftssprechern klar gesagt: Es geht um die Frage der eigenständigen akademischen Qualität. Die FH hat bislang nicht die Probleme der Universitäten infolge von Massenandrang und zum Teil einer historischen Organisation. Diese Flexibilität sollten sie sich wahren, und sie sollten auch in der Lage sein, Studiengänge einzustellen. Um jeden Preis alles zu betreiben hat sicher keinen Sinn.

STANDARD: Dennoch freuen sich die Erhalter, dass die Zahl der Studiengänge steigt. Es gibt über 240, viele davon laufen berufsbegleitend ...

Busek: Das ist Sache des FH-Rats und der Fragestellungen durch die Politik. Der FH-Rat läuft Gefahr, eine einseitige Interessenvertretung der Fachhochschulen zu werden. Er sollte aber ein Kontrollorgan sein und schauen, was notwendig ist!

STANDARD: Was halten Sie von der Doppelung verschiedener Studienrichtungen, die sowohl an der Uni als auch an der FH angeboten werden?

Busek: Die Unis sollten überlegen, was sie wirklich erhalten müssen und was nicht auch an Fachhochschulen abgedeckt werden könnte. Teile des Maschinenbaus z.B. können heute an den FHs gemacht werden, hier könnte man die Universitäten entlasten. Diesen Dialog zwischen Unis und FHs gibt es aber nicht.

STANDARD: Meinen Sie beide Stufen, das Grund- und das vertiefende Masterstudium?

Busek: Das, was an der Uni-Ausbildung praxisorientiert ist: Die Bereiche sollten generell abgegeben werden.

STANDARD: Sie vertreten also die eher klassische Definition der Uni: Ihr bleibt das, was berufliche Vorbildung ist?

Busek: Richtig. Es soll eine Arbeitsteilung zwischen den beiden Systemen geben.

STANDARD: : Zwei gleichberechtigte Systeme, die nebeneinander, aber nicht in Konkurrenz zueinander bestehen würden?

Busek: Ich halte ja dieses Gegeneinander-Ausspielen für grundlegend falsch. Die FHs decken ein anderes Bedürfnis ab als die Universitäten, das sind zwei Paar Schuhe. Im Grundlagenbereich haben die Unis eine durch nichts zu ersetzende Funktion. Abtreten könnten sie eben die Dinge, die die FHs eh schon machen. (Bernhard Madlener/DER STANDARD-Printausgabe, 26./27. April 2008)

Zur Person:

Erhard Busek, geboren 1941 in Wien, ist Absolvent der Rechtswissenschaften. Ab 1964 machte er Karriere in der ÖVP, war u. a. Generalsekretär und später Nationalratsabgeordneter, 1976 bis 1989 Landesparteiobmann der Wiener ÖVP, jahrelang Vizebürgermeister und Landeshauptmann-Stellvertreter. 1991 machte ihn die ÖVP zum Bundesparteiobmann, als solcher löste ihn 1995 Wolfgang Schüssel ab. 1989 bis 1995 war Busek Wissenschafts-, später Unterrichtsminister. Das Fachhochschul-Studiengesetz entstand während dieser Zeit. Unter Franz Vranitzky war Busek 1991 bis 1995 Vizekanzler. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik übernahm er verschiedene Aufgaben. Derzeit ist Busek Vorsitzender des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa. Rektor der FH-Salzburg ist er seit Herbst 2004. Aktuelles Buch: „Eine Seele für Europa“.

  • Erhard Busek:„Was an der Universitätsausbildung praxisorientiert ist, sollte an die FH abgegeben werden.“
    foto: newald

    Erhard Busek:„Was an der Universitätsausbildung praxisorientiert ist, sollte an die FH abgegeben werden.“

Share if you care.