Selten klammheimlich

    25. April 2008, 17:00
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    Der Publikumsmagnet Steinwandklamm - Eine Wanderung durch den idyllischen Steinwandgraben, durch Wald und über Wiesen, ist immer noch besonders reizvoll

    Als im Jahre 1884 der Österreichische Touristenklub die Steinwandklamm durch eine Steiganlage erschloss, hieß es in der Klubzeitung: "Das touristische Publikum wird ohne erst nach Salzburg oder Tirol fahren zu müssen, in nächster Nähe von Wien eine großartige Felsenklamm durchwandern und bewundern können." Der neue Weg durch die Schlucht lockte bald Zehntausende an, sodass sogar der Vorschlag auftauchte, die Zahl der Besucher zu beschränken und sie auf alle Wochentage zu verteilen. Dabei mussten die Wanderer einen Straßenhatscher von guten 2½ Stunden von der Bahnstation Weißenbach-Neuhaus bis zum Klammeingang in Kauf nehmen.

    Clou der Klamm

    Zwar lässt sich die Steinwandklamm heute bequem mit dem Auto erreichen, eine Wanderung durch den idyllischen Steinwandgraben, durch Wald und über Wiesen, ist immer noch besonders reizvoll, zumal man den Autos nicht in die Quere kommt. Der Clou der Klamm ist aber die Durchgangshöhle "Türkenloch", in dem 1683 Menschen Zuflucht vor den Osmanen suchten. Bereits in den 1920er-Jahren entstand der luftige Decker-Steig mit einer über 20 Meter hohen, fast senkrechten Leiter, die zu den Wildschützenhöhlen führt. Diese Variante verlangt Schwindelfreiheit und Trittsicherheit, der Normalweg durch die Steinwandklamm ist harmlos, jedoch sehr abwechslungsreich. Im Türkenloch kann eine Taschenlampe gute Dienste leisten. Die Runde, die durch eine äußerst liebliche Landschaft führt, verlangt gute Kondition, denn die Entfernungen sind nicht gerade gering. Außerdem sind etliche Gegenanstiege zu bewältigen, sodass sich eine beachtliche Höhendifferenz ergibt.

    Die Route: Beim Beginn der Mautstraße in Furth an der Triesting stößt man auf die gelbe Markierung, die anfangs eben und dann in einer längeren Steigung zum Gehöft Lichtensperg führt. Es folgt der Abstieg ins Ebelthal, auf der Straße hält man sich rechts, quert bald den Bach und steigt zum Pograbauer auf. Im Sattel danach geht es links – gelb – weiter, über viel freies Gelände gelangt man zur Jausenstation Reischer beim Klammeingang. Gehzeit ab Furth 2¼ bis 2½ Stunden. Für die Durchsteigung der Steinwandklamm bis zum Gasthaus Jagasitz braucht man eine Dreiviertelstunde. Auf der roten Markierung geht es nun zum Gehöft Betsteig hinauf und weiter zur Hohenwart und zum Roten Kreuz. Gehzeit ab Jagasitz: eine Stunde. Nun hält man sich links – ebenfalls rot markiert – und steigt steil in den Sieberlgraben ab. Später gelangt man zu einer Forststraße, die nach links in die Schromenau führt. Auf der Straße geht es zurück zum Ausgangspunkt. Gehzeit ab Rotem Kreuz: 1¼ Stunden. (Bernd Orfer/DER STANDARD, Printausgabe, 26./27.4.2008)

    Gesamtgehzeit: 5¼ bis 5½ h, Höhenunterschied: rund 800 m, Jausenstation beim Klammeingang, Gasthaus Jagasitz, Gasthaus in Schromenau. Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 75 (Puchberg); Freytag & Berndt Atlas Wiener Hausberge, Maßstab 1:50.000
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      foto: österreich werbung / fankhauser
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