Höhere Maut gut verdaut

25. April 2008, 20:03
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Nach dem ÖBB-Chaos wollte der Autobahnbauer Asfinag möglichst wenig Aufmerksamkeit und stellte seine durch Mauterhöhung und neue Bilanzregeln verschönerte Bilanz ins Netz

Das Ertragsproblem bleibt ihm.

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Wien - Das Chaos rund um die ÖBB-Chefablöse strahlt auf den Autobahnbauer Asfinag ab. Offensichtlich um einen öffentlichen Auftritt und Fragen zur Ertragslage zu vermeiden, hat das aus Alois Schedl und Klaus Schierhackl bestehende Management kurzfristig auf eine Bilanzpräsentation verzichtet und nur ausgewählte Zahlen publizieren.

Die klingen tatsächlich erfreulich - wie vom obersten Eigentümervertreter, Verkehrsminister Werner Faymann, gewünscht: Dank Inflationsanpassung und Lkw-Mauterhöhung legten Mauterlöse um 14 Prozent auf 1,425 Milliarden Euro zu, davon 984 Millionen Euro (plus 19,2 Prozent) kamen allein aus dem fahrleistungsabhängigen Lkw-Roadpricing.

Das mit 2646 Beschäftigten (plus 0,5 Prozent) auf 2100 Autobahnkilometern erwirtschaftete Periodenergebnis stieg von 256,2 auf 649,1 Mio. Euro, was allerdings ausschließlich auf die Umstellung auf die internationalen Bilanzierungsregeln (IFRS) zurückzuführen ist. Selbige bewirkte einen nichtcash-wirksamen Sondereffekt in Höhe von 310 Mio. Euro, wie Schierhackl via APA einräumte.

Schuldenberg erreichte Höchststand

Dass auch das Betriebsergebnis (Ebit) um 77,2 auf 1,27 Mrd. Euro angestiegen ist, sollte freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch der Schuldenberg historischen Höchststand erreicht hat: Er erhöhte sich (inkl. Ertragssteuerschulden und kurzfristige Rückstellungen) um 3,66 Prozent auf 11,932 Milliarden Euro. Davon 8,859 Mrd. Euro sind "langfristige finanzielle Schulden", die in 25 Jahren abgetragen werden könnten, wie Schierhackl versicherte. Wären da nicht Ideenreichtum und Finanzierungsbedarf der notorisch in Geldnot befindlichen Bundesländer, die sich ihre Bundesstraßen vom Bund zu Autobahnen und Schnellstraßen ausbauen lassen und so die Asfinag weiter auf die Schuldenstraße treiben.

Was Schulden in dieser Dimension bewirken, zeigt sich in dem nach Aufsichtsratssitzung und Hauptversammlung am Donnerstag im Internet veröffentlichten umfangreichen Jahresabschluss: Das Finanzergebnis ist mit 408 Mio. Euro um 9,5 Prozent tiefer in die roten Zahlen gerutscht, und der Zinsaufwand stieg auf 535,3 Mio. Euro. Nachhaltig negativ, wenngleich etwas verbessert ist aufgrund der gravierenden Ertragsprobleme - die Asfinag gibt deutlich mehr Geld aus, als sie einnimmt - auch der Cashflow: Jener aus der Investitionstätigkeit verbesserte sich von minus 799 auf minus 591 Mio. Euro, der Cash-flow vor Finanzierungstätigkeit um 161 auf minus 208 Mio. Euro.

Ermöglicht wird die von der Asfinag positiv kommentierte Bilanz freilich durch einen tiefen Griff in die Bilanztrickkiste. Der geht so: Die Republik hat das bis 2047 befristete Fruchtgenussrecht der Asfinag auf endlos verlängert und ihr Kündigungsrecht sistiert. Das bringt zwei Vorteile: Weil sich das Fruchtgenussrecht nicht abnützt, muss die Asfinag keine Anlagen abschreiben. Und weil die Asfinag ihren Vertrag mit dem Bund theoretisch halbjährlich kündigen kann, bleiben ihre Rückstellungen für die Instandhaltung des Autobahnnetzes überschaubar. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26./27.4.2008)

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