Roter Ärger über Annäherung der Grünen an Schwarz

von Redaktion  |  25. April 2008, 16:43
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    Kalina: "Die Grünen haben sich von einer alternativen Partei zu einer konservativen Partei entwickelt."

Kalina über Van der Bellens Liebäugeln mit der ÖVP: "Das ist die völlige Aufgabe ihrer bisherigen Linie"

Wien - "Die Grünen haben sich von einer alternativen Partei zu einer konservativen Partei entwickelt", ärgert sich Josef Kalina, Bundesgeschäftsführer der SPÖ. Was Kalina so aufregt, sind die Aussagen von Grünen-Chef Alexander Van der Bellen, der in der Zeitschrift Datum ausgeführt hatte, dass er für seine Partei derzeit mehr Übereinstimmung in Sachfragen mit der ÖVP sehe. Kalina: "Das heißt, dass die Grünen für einen Status quo in der Bildungspolitik sind, dass sie in der Steuerpolitik eine Senkung des Spitzensteuersatzes unterstützen, dass sie eine Gesellschaftspolitik der 60er-Jahre gutheißen, dass sie Handlanger der Agrarlobby sind und dass sie für die Studiengebühren sind. Das ist die völlige Aufgabe ihrer bisherigen Linie."

Der rote Bundesgeschäftsführer weist im Gespräch mit dem STANDARD darauf hin, dass die Grünen in Österreich nur mit der ÖVP in eine gemeinsame Regierung gegangen seien: In Oberösterreich, Bregenz und zuletzt in Graz. "Was ist dort passiert?", fragt Kalina, "die Aufgabe jeglicher Grundsätze. Die Grünen sind für den Preis des Mitregierens völlig willenlos mitgegangen." Als unwichtiges, aber typisches Beispiel nennt Kalina die Unterstützung der Grünen für das Handy- Verbot in öffentlichen Verkehrsmitteln in Graz: "Das ist die Denkart einer konservativen Bevormundung."

Kalina habe zwar keine Angst, dass der SPÖ ein potenzieller Koalitionspartner abhanden kommen könnte, er sieht im Parlament aber "eine Mehrheit jenseits der ÖVP schwinden". Die SPÖ erlebe derzeit selbst, wie schwer die Beharrungskraft der ÖVP zu überwinden sei, obwohl man ein gleich starker Partner sei. "Mit den Grünen als Juniorpartner geht dann gar nichts mehr", warnt Kalina vor einer Koalition aus ÖVP und Grünen. Und lässt sich gleich auch über die ÖVP aus: "Das ist die Kraft, die jede soziale Erneuerung verhindert." Die ÖVP betreibe eine Politik " nach hinten".

Da kommen gleich wieder oppositionelle Töne bei Kalina auf. Er erinnert daran, dass die ÖVP seit 1986 durchgehend in der Regierung sei und sagt: "Die ÖVP gehört endlich auf das Trockendock geschickt." Sie betreibe eine systematische Instrumentalisierung der Macht. Kalina: "Ein gutes Wahlergebnis wäre eines, bei dem man nicht der ÖVP ausgeliefert ist."

Van der Bellen hatte seine Vorliebe für die ÖVP mit dem Umstand begründet, dass "die großen Bremsklötze" mittlerweile weggefallen wären. "Die Eurofighter sind nicht mehr abzubestellen. Das Thema ist tot." Auch die Studiengebühren seien für die Grünen kein Tabu mehr, heißt es aus dem Bundesparteivorstand. (Michael Völker/DER STANDARD, Printausgabe, 25.4.2008)

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F. T.
27.04.2008 11:39
Dass die Grünen mit der ÖVP am liebsten eine Koalition bilden würden, ist ja logisch

Auch die ständigen Verschlechterungen der Arbeitnehmer- und Pensionistenrechte, die der ÖVP nie genug sein können, sind auch super.
Alle Einrichtungen und Regelungen gegen Preistreibereien wurden von der ÖVP gemeinsam mit dem BZÖ hinweggefegt. Wobei ÖVP u. BZÖ zwar Zurückhaltung von öffentlichen Stellen verlangen (obwohl Bundesgebühren unter ÖPV-BZÖ zwischen 50 u. 100% erhöht wurden), aber mit keinem Pieps auch Zurückhaltung bei den privaten Profiteuren und Absahnern einfordern(!). Die sind ja ihre Lieblinge.
Und dass die ÖVP die letzte Partei ist, der man den Umweltschutz, Transitverkehr, Tierschutz, Verbraucherschutz, Schutz vor Verbreitung der Atomkraftwerke und des NATO-Einflusses anvertrauen sollte, darf auch erwähnt werden.

F. T.
27.04.2008 11:42
Zusatz

Auch die Asylgesetze und die Vorschriften für das Ausspionieren der Bevölkerung, die von der ÖVP ausgehen, sind ja super.

thranduil -
26.04.2008 15:52
was soll die aufregung?

der mann macht nur seinen job und nützt die verquere politische logik in österreich zur mobilisierung aus: wenn du keine övp-dominanz willst, musst du rot wählen, auch wenn die als de facto juniorpartner in der regierung sitzen.
in diesem fall ist sein argument gar nicht mal schlecht: die fakten sprechen für den schwarz-grünen trend. gegen den pröll kommen die grünen (warum auch immer) im bürgerlichen kernsegment nicht an.

Robert Hinterlehner
25.04.2008 20:56
Der Wunsch-Koalitionspartner der SPÖ ist in Wirklichkeit eh die FPÖ!

Mulder
26.04.2008 13:15
na und?

mir ist rotblau mittlerweile auch lieber als rot-trockengrün

wish
26.04.2008 11:56
als jahrelanger spö wähler ist mir die fpö mittlerweile beim A. lieber

als die övp beim Gesicht

Intellectually Ltd.
26.04.2008 16:17
Sie verfügen über eine hochsubtile politische Differenzierungsfähigkeit.

Ich gratuliere Ihnen dazu; und zu dem Satz. Der kann was!

Sergeij Kalaschnikow
26.04.2008 00:19
..leider ja !

leider für die FPÖ !!

little tiny farts 
25.04.2008 22:42

fast bekäme ich lust, Ihnen beizustimmen...aber nur fast

quereinsteiger1
25.04.2008 16:57
Die Grünen waren doch schon immer eine

bürgerliche Partei mit ein paar sogenannten Linken als Aufputz.
Wenn man ehrlich ist-und das sollte man auch als Wohlgesinnter sein- dann hat sie seit ihrer Gründung keinen Erfolg.
Auch der Gründungsmythos verdankt seine Existenz auf der einen Seite der Kronenzeitung und auf der anderen Seite Fehlern der der Sozialdemokraten.
Seither ist eine Menge Wasser die Donau hinunter geflossen, die Welt hat sich grundlegend verändert. Klimawandel, Hunger in der dritten Welt, Konsumzuwachs in Schwellenländern. Und steigende Armut verlangen zumindest eine Antwort, wenn auch keine rasche Lösung.
Wo sind da die Antworten ?

An der Steuerfrage wird man die Gesinnung der Grünen insbesondere des Finanzpolitikers? VdB und seines Anhangs erkennen können....

Walter Wolf
25.04.2008 16:14

jetzt hat der VDB doch dem Gusi den Sandkasten-Turm zerstört, böser Bub! Da muss der Onkel Kali schimpfi-schimpfi!

locken
25.04.2008 16:10
Kein Wunder

Bei den Ministern der Spö FAYMANN,DARABOSCH die unsere Steuergelder für Abfertigungen und Umfärbeaktionen verschwenden !!

Walter Wolf
25.04.2008 15:36

könnte der kalina nicht einfach hand in hand mit dem didi kühbauer in frühpension gehen? österreich wäre doppelt geholfen.

Intellectually Ltd.
25.04.2008 15:18
Kalina:"Die Grünen sind für den Preis des Mitregierens völlig willenlos mitgegangen."

Also dieser Satz aus dem Mund eines führenden SPÖ- Parteifunktionär ist der blanke Zynismus!!! Keine andere Partei hat sich selbst jemals so verraten, wie die SPÖ in dieser Koalition, und das NUR um den Preis des Regierens.
VdB hat schon recht: lieber nicht anstreifen an diese Verlierer-Truppe.

devils grandma
25.04.2008 14:34
mehr gelassenheit!

kalina sollte als alter hase aber schon wissen, dass das wohl taktische spielchen der grünen sind. schliesslich sind die ja von einer innovativen, frechen bewegung zu einer stinknormalen, noch dazu langweiligen, partei mutiert. ob diese spielchen allerdings von den potentiellen grünwählern goutiert werden wird sich erst weisen.
ich wähle sie jedenfalls nicht!

quereinsteiger1
25.04.2008 17:05
So kann man es nicht sehen, denke ich.

Wenn auch Taktik im Spiel sein sollte, die Aussage VdB
zeigt schon einen Gesinnungswandel.

Gut, die Grünen verlieren immer mehr an Bedeutung, in der Öffentlichkeit werden sie immer weniger wahrgenommen,
und das schmerzt.
Ist es denn so falsch, die Grünen beim Wort zu nehmen, auch wenn die Wortspenden keine Gründe dafür angeben, warum die ÖVP den Grünen plötzlich nahesteht.

ceiberweiber.at
25.04.2008 16:22
dennoch sind es taktische spielchen

die sich auch auf die koalition und deren stabilität auswirken, weil die ÖVP ja auch eifrig mitspielt und zudem immer wieder hackln in richtung SPÖ schleudert, während die SPÖ derzeit eher zurückhaltend ist.

jedenfalls auf den webseiten trifft das zu siehe:

www.spoe.at und im vergleich www.oevp.at

badblackguy.blogspot.com 
25.04.2008 18:22
Na dann schauen sie doch mal auf die eCards der SPÖ!

Die SPÖ hat noch immer angst vor Schüssel, ich finde
es schon lustig!

MFG

pater hirni
27.04.2008 12:49
lernen sie zwischen angst und ekel unterscheiden.

ceiberweiber.at
25.04.2008 21:58
vielleicht nicht zu unrecht

offenbar als retourkutsche für den u-ausschuss zu den skandalen im innenministerium fühlt sich die ÖVP nun in sachen eurofighter im parlament nicht an das koalitionsabkommen (einander nicht überstimmen gebunden), wie aussagen von schüssel recht deutlich machen:

http://www.volksblatt.at/index.php... uid]=14926

schwartz lunches
25.04.2008 14:27
Also wer fällt da immer wieder um?

Johann Klade
25.04.2008 17:53
VdB gibt es ganz billig !

Der Lebenstraum von Van der Bellen - Vizekanzler in einer ÖVP geführten Regierung. Er wartet nur auf den Zuruf der ÖVP. Aber die Basis hat da ein Wörtchen mitzureden. Ohne Wähler bleiben Träume Schäume!

trollvottel
25.04.2008 15:34

Was ist Politik für dich?

a) Die Suche nach Kompromissen, mit denen trotz unterschiedlicher Ansichten beide Seiten leben können?

b) Dem Gegner immer nur in die Fresse hauen, bis er hin ist?

Letzteres nennt man IMO Faschismus; Ersteres ist Alltag in der Politik

melpet
25.04.2008 15:27
alle.

österreichische politiker werden per se quasi liegend geboren, umfallen können die meisten garnicht mehr...

thranduil -
26.04.2008 15:58
blabla

umfallen gehört zum demokratischen prinzip. es ist im moment krass, ich weiß, aber wenn du keine strukturelle mehrheit in breiteren fragen deiner gesellschaftspolitik hast (klaus, später kreisky, früher vranitzky, schüssel) kannst du entweder umfallen oder putschen.

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