Neu im Theater: Geblendet von sich selbst

24. April 2008, 16:58
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"Lichtscheu" im Burgtheater-Kasino

Ein Forscher-Ehepaar bekommt ein Kind, das unter einer seltenen Krankheit leidet. Sie hat ihren Job in der "Firma" aufgegeben, er sitzt in einer Ethikkommission, die gegen die "Firma" arbeitet. Denn die "Firma" strebt mit üblen Gentechnik-Einsätzen ein gefährliches Machtmonopol an.

Der 27-jährige Stephan Lack präsentierte einen Entwurf von Lichtscheu bereits bei den Werkstatttagen des Burgtheaters vergangenen Herbst, das fertige Stück hatte Mittwoch im Burg-Kasino in der Reihe Spieltriebe Premiere. Lack hat im letzten halben Jahr seine Entwürfe offenkundig sehr produktiv in Form gebracht: Zwar wusste auch Barbara Nowotny (Regie) gelegentliche Tempoprobleme nicht zu lösen, doch beschreibt Lack sehr durchdacht und spannend die Suche nach einer Positionierung. Eine schwierige Sache, so schnell hat man sich an eine Haltung gewöhnt, deren Authentizität nur zu bald nicht mehr gewährleistet ist.

Magda Unis verstößt, hinter dessen Rücken, gegen genau jene Ethik-Gesetze, die Jan so verbissen verteidigt – das Paar (Alexandra Henkel, Christian Nickel: Beide sind auf der leuchtend weißen Bühne tendenziell überfordert) erkennt sich selbst nicht mehr. Auch der Schauspieler wegen bleiben die Auseinandersetzungen des Paares im Unfertigen stecken. Darstellerisch entschädigt Daniel Jesch, der als Vertreter der "Firma" ein kafkaeskes Verhör unternimmt. Jungautor Stephan Lack ließ jedenfalls einen Potenzial-Funken aufblitzen. (ih, DER STANDARD/Printausgabe, 25.04.2008)

>> Burgtheater-Kasino, nächste Vorstellungen: 25. 4., 17. und 30. 5. 20.00
  • Wenn die Gene von zwei Personen getrennt in Ordnung sind, warum sind sie es dann zusammen nicht?
    foto: georg soulek

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