Noch mehr Glücksspiel für den Wurstelprater

23. April 2008, 21:33
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Automatenhersteller Novomatic baut weiteres Mega-Kasino - Grüne verärgert: Stadt investiert keinen Cent in Prävention und Therapie von Spielsucht

Der Automatenhersteller Novomatic will ein weiteres Kasino im Wurstelprater bauen. Doppelt so groß wie das bereits bestehende soll es werden. Konzessionen für Glücksspielautomaten im Prater gibt es noch genug.

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Wien – Das kleine Glücksspiel ist in Wien sowohl für die Betreiber als auch für die Stadt ein erfreuliches Geschäft. 3000 Spielautomaten stehen in Wiener Lokalen – sehr zum Ärger vieler Bezirksvorsteher. Trotzdem sollen in den kommenden Jahren neue Automaten dazukommen. Wie am Mittwoch durch einen Kurier-Bericht bekannt wurde, will der Gumpoldskirchner Glücksspielkonzern Novomatic im Wiener Prater ein Kasino bauen, das schon 2010 eröffnet werden soll – gleich neben der großen Spielhalle mit 350 Automaten, die die Novomatic schon seit 2005 im Wiener Prater betreibt.

Wie viele von den 3000 Apparaten in der Stadt von Novomatic sind, will Konzernsprecher Hannes Reichmann "aus Wettbewerbsgründen" aber nicht verraten. Auch bezüglich des aktuellen Projektes hält er sich bedeckt.

In einem Schreiben vom 3. März 2008 lädt die MA 36 (Gewerbeangelegenheiten) unter anderem die Novomatic zu einer Verhandlung ein: "Ansuchen um Eignungsfeststellung der Parzellen 27A, 27B, 30, 31 und 33A, 33B im Wiener Volksprater für die Errichtung einer Spielhalle ‚Casino Prater‘ für 600 Unterhaltungsspiel- und Münzgewinnapparate mit einem Büffet." Laut Dokument sollte die Einladung auch an den Bezirksvorsteher des 2. Bezirks gehen, die Stadt Wien Marketing und Prater Service GmbH und an das Büro von Stadträtin Grete Laska (SP), die für den Prater zuständig ist.

Bewilligungen ausgeschöpft

Bei Gerhard Kubik (SP), Bezirksvorsteher der Leopoldstadt, sind laut seinen Angaben keine Unterlagen eingelangt. Aus dem Büro von Vizebürgermeisterin Laska heißt es: "Für derartige Projekte gibt es ein Einreichungsprozedere bei der Praterverwaltung." Zum konkreten Projekt gebt es aber keine Einreichung, sagt Wien Marketing-Geschäftsführer Georg Wurz. Ein Plan, den die Stadt Wien aber verfolge, sei, das Glücksspiel an den Rand des Vergnügungsparks zu bringen, sagt Laskas Sprecherin Eva Gaßner. "Bestehende Bewilligungen für Glücksspiel im Wurstelprater sind noch nicht ausgeschöpft."

Kein Geld für Prävention und Therapie von Spielsucht

Christian Gernot, Direktor des Admiral Casinos Prater sagt: "Derzeit läuft die Eignungsfeststellung für die Spielstätte. Um Konzessionen geht es hier noch gar nicht." Dass 600 Automaten aufgestellt werden sollen, will er nicht bestätigen. Grünen-Politiker David Ellensohn ärgert, dass die Stadt Wien noch mehr Stätten für das kleine Glücksspiel genehmigen will. "Studien belegen, dass die Zahl von Spielsüchtigen steigt. Bis dato hat die Stadt keinen Cent in Prävention und Therapie von Spielsucht investiert." Die FP befürwortet das geplante Kasino: Dadurch könne man die Jugendschutzbestimmungen besser überprüfen als in einem Straßenlokal, sagt Gemeinderat David Lasar. (Marijana Miljkoviæ, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.4.2008)

  • Gleich gegenüber vom Prater-Casino der Novomatic soll eine weitere Spielhölle entstehen. Die Novomatic, die um eine Bewilligung des Projekts angesucht hat, hält sich bezüglich Details aber noch bedeckt
    foto: standard/heribert corn

    Gleich gegenüber vom Prater-Casino der Novomatic soll eine weitere Spielhölle entstehen. Die Novomatic, die um eine Bewilligung des Projekts angesucht hat, hält sich bezüglich Details aber noch bedeckt

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