Reisepässe mit Fingerabdrücken: Vor Missbrauch nicht sicher

23. April 2008, 19:23
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Computerexperte knackte mit handels­üblichem Lesegerät binnen weniger Minuten Chip einer ahnungslosen Passinhaberin

Die Briten haben schon Erfahrung mit biometrischen Reisepässen – keine guten, wie Experten betonen. Die elektronischen Chips, auf denen künftig auch Fingerabdrücke gespeichert sind, seien gegen Missbrauch kaum sicher - Von Sebastian Borger aus London

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Wenn Adam Laurie von einer Reise zurückkehrt, erspart ihm sein biometrischer Pass neuerdings jeden Kontakt mit Grenzbeamten. "Meine Iris wird überprüft, mein Pass wird maschinell gelesen und schon öffnet sich die Tür", berichtet der Computerexperte und Direktor der IT-Firma Bunker Secure Hosting in Sandwich (Grafschaft Kent). Im Zeitalter länger werdender Warteschlangen vor Sicherheitsüberprüfungen gewiss ein Fortschritt?

Peinliche Pannen

Da ist sich Laurie nicht so sicher. "Ich halte nichts davon, dass wir unsere Sicherheit gänzlich Maschinen anvertrauen und den Faktor Mensch verbannen. Maschinen kann man leicht überlisten." Wie leicht, das haben in Großbritannien immer wieder Experten demonstriert, nicht zuletzt Laurie selbst. Seit das Innenministerium im Frühjahr 2006 biometrische Pässe einführte, kam es immer wieder zu peinlichen Pannen.

Code durch Postsendung geknackt

Laurie konnte mit einem handelsüblichen Lesegerät binnen weniger Minuten den RFID-Chip einer ahnungslosen Passinhaberin knacken; durch den verschlossenen Briefumschlag hindurch, in dem die Behörde das Dokument per Post verschickt hatte. "Ein korrupter Postbote oder Hotelrezeptionist könnte Betrügern die Pässe reihenweise zum Kopieren überlassen", befürchtet der Experte.

Technik ist nicht verlässlich

Das Innenministerium beharrt auf der Sicherheit des Reisedokuments. Natürlich könnten Chips kloniert werden, heißt es. "Das bedeutet aber nicht, dass dadurch eine Fälschung möglich wird." Von 2010 an sollen britische Pässe deshalb auch Fingerabdrücke enthalten, was Datenexperten wie Laurie für ein erhebliches zusätzliches Risiko halten: "Ich kann dazu nicht raten. Die Technik ist nicht verlässlich."

Neue Pässe kommen

Dennoch will die EU ihren Mitgliedsstaaten Reisepässe vorschreiben, die auf einem Chip Personaldaten und Fingerabdrücke gespeichert haben. In Österreich wird es diese Reisedokumente frühestens im nächsten Jahr geben.

Innenministerium will von Sicherheitslücken nichts wissen

Die EU-Kommission wie auch das österreichische Innenministerium wollen von Sicherheitslücken nichts wissen. Jene, die in Großbritannien aufgetreten sind, seien längst behoben. Die EU erhofft sich von der Einführung der Fingerabdruckpflicht eine raschere Identifizierung von Terroristen. (Sebastian Borger aus London/ DER STANDARD Printausgabe 24. April 2008)

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    Auf einem Chip unter dem Deckblatt des Passes sollen Fingerabdrücke gespeichert werden, Experten halten das für unsicher.

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