Galerie Feichtner: Verführerisch schmelzende Farbe

28. April 2008, 11:52
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Bianca Regl fokussiert Details, die sie malerisch ausformuliert, und belässt anderes grafisch und skizzenhaft

Meist krallt sich der Blick in einem einzigen Detail unseres Gegenübers fest, haftet sich an Augen, fixiert Hände, klebt an Lippen. Nur kurz wird das Ganze erfasst, der Körper, der Raum und ihr Verhältnis, um nach Bruchteilen von Sekunden doch immer wieder zurückzukehren, dorthin, wo sich der Blick neuerlich festsaugt – so lange, bis der nächste kleine Sehausflug ihn sich abwenden lässt.

Ähnlich verhält es sich mit den Bildern von Bianca Regl. Auch sie fokussiert Details, die sie malerisch ausformuliert, und belässt anderes grafisch und skizzenhaft. Manches, so wie der Raum, bleibt von ihr gänzlich unbeachtet.

In ihren jüngsten Arbeiten hat die 1980 in Linz Geborene ihr Spiel mit Andeutung und Ausmodellierung sogar noch weiter geführt, fokussiert noch stärker das Detail, ignoriert das Drumherum und setzt ihr Motiv damit noch viel schwebender vor den monochromen, nacht-, wasser- oder preußischblauen Farbflächen in Szene.

Besonders nachdrücklich betreibt dies die ehemalige Schmalix-Schülerin in der aktuellen Dessert-Serie, die in mehreren Einzelbildern die Geschichte einer Kirsch-Süßspeise und ihres Verzehrs erzält. Die rote Frucht, die als Motiv bereits 2006 von Regl (Barbecue) bearbeitet wurde, packt aber diesmal – passend zum Ausstellungstitel Rausch – all ihre Verführungskünste aus. Regl spielt mit der Sinnlichkeit der Kirsche, als würde sie die Kühlschrankszene aus 9 1/2 Wochen memorieren, packt das pralle Obst zwischen die kirschroten vollen Lippen eines Frauenmundes und lässt die Farbe rinnen, ja regelrecht von den Mundwinkeln hinuntertropfen. Inhaltlich könnte die sexy Szene aber auch kippen, der üppige Genuss in Übersättigung oder gar Ekel münden.

Rinnende Farbe als sinnliches, erotisches Moment, kommt auch in den neuen Wasserbildern zum Tragen. Regl wiederholt hier in radikalerer Form die Adam-Serie von 2006. Die Haare des Badenden sind nass, statt Wassertropfen läuft aber dunkle Farbe über Hals und Schultern. Und obwohl weder Wasser noch Raum auf der Leinwand sichtbar sind, gibt Regl deren Charakter preis, fängt ihn auf der Oberfläche, der Haut ein, als Farbveränderung oder Lichtreflex: ein wilder Impressionismus im realistischen Kleid. (kafe, DER STANDARD/Printausgabe, 24.04.2008)

  • Schwerelos schwebt der Körper im Raum, den Regl mit rinnender Farbe sinnlicher inszeniert und radikaler als bisher aus dem Raumgefüge löst.
    foto: galerie feichtner

    Schwerelos schwebt der Körper im Raum, den Regl mit rinnender Farbe sinnlicher inszeniert und radikaler als bisher aus dem Raumgefüge löst.

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