Raus aus der Nasszelle

23. April 2008, 11:58
15 Postings

Badezimmer glänzten bisher nur selten durch Aufenthaltsqualität. Wer die teuersten Quadrat­meter seiner Wohnung verändern will, sollte dabei allerdings keine Kompromisse eingehen

Dreieinhalb Zimmer, Küche, Bad. Nicht nur in Wohnungsanzeigen steht der Waschraum üblicherweise am Ende, auch beim obligatorischen Hausrundgang werden die Gäste in der Regel verschämt am Badezimmer vorbeigeschleust. In den Gemeindebauten des Roten Wien behalf man sich bis in die Fünfzigerjahre überhaupt nur mit Brausenischen oder ging stattdessen ins öffentliche Tröpferlbad um die Ecke.

Noch heute haben rund neunzig Prozent der Wiener Badezimmer eine Größe von vier bis sechs Quadratmetern. Auf diese Weise mogelte sich die Nasszelle nicht nur im Sprachgebrauch bis ins 21. Jahrhundert. Angesichts dieser Umstände ist es geradezu verwunderlich, dass vor nicht einmal 100 Jahren auf Badezimmer eine eigene Luxussteuer erhoben wurde.

Refugien und Oasen

Zum vornehmen Baden möchte man nun zurückfinden. Glaubt man Herstellern und Badprofis, dürfte der Sanitärbereich zukünftig das Erste sein, was man seinen Besuchern präsentieren wird - wenngleich mit anderen Begriffen geschmückt. Die Rede ist von Refugien und Wellness-Oasen, und auch inhaltlich dienen Thermen und hoteleigene Spa-Bereiche längst als gestalterische Orientierung. Inzwischen lassen sich die meisten Ausstattungselemente für den Heimgebrauch ordern: Dampfbad, Whirlpool, Massagedüsen, Regenbrausen, ja sogar Armaturen mit beleuchtetem Wasserstrahl.

Der sterile Kachel-Look von einst weicht dabei zunehmend edlen Materialien und ausgesuchtem Design. "Wir bewegen uns weg vom Produkt und hin zur Software", sagt Melanie Prüsch, Pressesprecherin des Armaturenherstellers Dornbracht. Mit Farbnebeln, Düften und Klängen werde über die Brausen der aktuellen Generation ein Stück Natur ins Haus geholt. Über dem Haupt des Duschenden prasselt ein tropischer Regenschauer herab. "Die Komplexität der Badeinrichtung steht den Anforderungen an einen Wohnraum in nichts mehr nach", erklärt Stefanie Burkert vom Keramikhersteller Duravit.

Am besten alles rausreißen

Damit der Traum vom neuen Bad ohne Hürden gedeihen kann, sollte man sich beim Umbau bestehender Badezimmer auf keinen Fall vom Ist-Zustand beeinflussen lassen. "Bei Umplanungen nehmen wir keine Rücksicht auf bestehende Anschlüsse", sagt Arnold Pastl vom Architekturbüro archiguards. Nur selten ließen sich die alten Leitungen mit den Bauherrenwünschen vereinen.

Der gleichen Meinung ist Christian Lugar, Geschäftsführer der gleichnamigen Installationsfirma: "Zuallererst muss man den Raum gedanklich leerräumen", erklärt der Badprofi. Das Verlegen neuer Leitungen sei in jedem Fall eine sinnvolle Investition - und zwar nicht nur bei betagten Installationen. "Die gesamten Kosten für Installations- und Baumeisterarbeiten fallen weit günstiger aus als die Sanitärmöbel und Armaturen", so Lugar. Sparen sollte man daher am richtigen Ende.

Die Umsetzung in die Praxis sollte man einem Profi überlassen. Ganz gleich, ob Feuchtigkeitsabdichtungen mit Hochzug, Dichtbänder und wasserfeste Rohrdurchführungen - Selbstbauambitionen steht der Installateur aus Erfahrung stets skeptisch gegenüber. Und das aus gutem Grund: "Nicht selten müssen wir auf Baustellen einspringen, auf denen nicht fachgerecht begonnen wurde", so Lugar. Neben der Gefährdung von Leib und Leben setzt man dabei auch die Garantieansprüche auf alle verbauten Geräte aufs Spiel.

Beleuchtung ist wichtig

Wer für seine Badewanne eine neue Umgebung sucht, etwa mitten im Schlafzimmer, sollte die Hauptleitung nicht aus den Augen verlieren. Mit Kalt- und Warmwasserleitungen spazieren zu fahren sei weniger problematisch als die Entfernung zum Abfluss. "Sonst muss wegen des notwendigen Gefälles alles auf einen Sockel", so Lugar. Zu den teueren Gerätschaften gehören allerdings nicht nur Keramikware und Armaturen, sondern auch die richtige Beleuchtung. "Gerade bei kleinen, fensterlosen Bädern arbeiten wir viel mit Lichtspielen und Farbwechselsystemen", sagt Pastl. Je nach Tageszeit und Verfassung könne der Nutzer seine neue Umgebung kreieren.

Bis das alte Bad im neuen Glanz erstrahlt, muss man durchschnittlich mit zehn Arbeitstagen rechnen. Die Kosten für eine Komplettsanierung aus einer Hand liegen zwischen 12.000 und 20.000 Euro. Nach oben sind wie so oft keine Grenzen gesetzt: Whirlpool, aufwändige Erlebnisduschen und Luxusfeatures sind in diesem Preis noch nicht berücksichtigt. (Christoph Warnke, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19./20.4.2008)

  • Wer nicht nur Geld, sondern auch genügend Raum zur Verfügung hat, kann das Bad zu einem Zimmer mit Aufenthaltsqualität ausbauen.
    foto: standard/cremer

    Wer nicht nur Geld, sondern auch genügend Raum zur Verfügung hat, kann das Bad zu einem Zimmer mit Aufenthaltsqualität ausbauen.

Share if you care.