Der Startschuss für den Hürdenlauf zum Traumziel

24. April 2008, 11:11
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Rund 30 österreichische Fußballer haben die Chance, bei der EURO zu kicken - Hickersberger nennt am Donnerstag die Namen - 23 schaffen den Sprung ins Aufgebot, elf in das Team

Wien - Ab sofort muss Teamchef Josef Hickersberger streng bis gnadenlos sein. 44 Tage vor der EURO nominiert er einen ziemlich großen Kader und teilt diesen der Öffentlichkeit mit. Das Aufgebot dürfte zumindest 30 Personen umfassen, sicher ist, dass ihm zum Beispiel Andreas Ivanschitz, Martin Stranzl oder Jürgen Macho angehören. Hickersberger hat bereits angekündigt, zwei Neulinge, die meisterlichen Rapidler Stefan Maierhofer und Ümit Kormaz, einzuberufen. Nahezu sämtliche die Nation belastenden Fragen werden am Donnerstag beantwortet sein. Darf Wigan-Legionär Paul Scharner, dem das österreichische Team zu niveaulos gewesen ist, mitmachen? Schließlich hat er sich entschuldigt. Bekommt Routinier Ivica Vastic kurz vor dem Ruhestand doch noch eine Chance? In beiden Fällen gilt "eher nein".

Es wird Härtefälle, also Frustrierte bis Schockierte geben. Thomas Prager, der in den Niederlanden für Heerenveen praktisch nie gearbeitet hat, könnte es treffen. Oder Austrias Stürmer Sanel Kuljic, der sein Formtief seit Monaten verteidigt. Zumal die Konkurrenz im Angriff zahlenmäßig groß ist. Roland Linz, Erwin Hoffer, Roman Kienast, Martin Harnik, Marc Janko und Maierhofer wollen ja auch zur EURO, das ihr gutes Recht.

Der Groß-Kader ist nur die erste Stufe eines Ausleseverfahrens, schließlich bleiben nur 23 Kicker übrig. Am 28. Mai muss der UEFA das endgültige Personal mitgeteilt werden. Eine Hürde könnten bereits die sportmedizinischen Tests am 28. und 29. April bei Leistungsdiagnostiker Hans Holdhaus in der Südstadt darstellen, an denen nur die in der T-Mobile Bundesliga Beschäftigten teilnehmen. Teamarzt Ernst Schopp: "Wenn die Untersuchungen ergeben, dass es unmöglich ist, den Spieler X in einen körperlichen Topzustand zu bringen, fällt er aus." Die Legionäre werden übrigens auch nicht das Trainingslager in Sardinien mitmachen (deshalb der große Kader, man will ja in Italien gegeneinander Fußball spielen), sie tauchen erst am 19. Mai auf, steigen in Lindabrunn in die Vorbereitung ein.

Kampf und Geist

Hickersberger weiß, dass auch ihm komplizierte Wochen bevorstehen. Einerseits gilt es, den Zusammenhalt zu fördern, den Teamgeist zu stärken. Andererseits soll und muss es einen internen Konkurrenzkampf um die 23 freien Plätze geben. Dem Teamchef graut vor einigen Gesprächen, die er führen wird müssen. "Es ist hart, Spielern mitzuteilen, dass sie den Sprung zur EURO nicht geschafft haben. Ich muss dann Träume platzen lassen. In manchen Fällen wird es mir schwer fallen, meine Entscheidung vernünftig zu begründen. Aber ich scheue mich nicht." (Christian Hackl, DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 24. April 2008)

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    Josef Hickersberger deckt am Donnerstag seine EURO-Karten auf.

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