Zur Psychologie des Sparens
BMW hat mit dem Begriff Efficient Dynamics einen großen Erfolg gelandet. Fast sieht es so aus, als ob alle anderen Autohersteller etwas verschwitzt hätten. Tatsächlich ist es durchaus sinnvoll, das Auto nach seinen Energieverschwendern zu durchforsten. Diese Arbeit ist allerdings sehr zäh und ergibt nur in der Summe vieler Maßnahmen wirklich einen spürbaren Erfolg. Prozent für Prozent werden zusammengerechnet und bringen am Ende ein hübsches Ergebnis mit zweistelliger Prozentersparnis. Doch einige dieser Maßnahmen wirken eher beruhigend auf die Umweltseele, als dass sie tatsächlich signifikante Auswirkungen auf den Spritverbrauch hätten.
Sparen braucht Zeit
Zum Beispiel die Start-Stopp-Automatik. Sie ist durchaus sinnvoll vor einem Bahnübergang, wo man minutenlang steht. An einer ganz normalen Kreuzung mit roter Ampel bringt das Abstellen des Motors wenig, weil ja auch das abermalige Starten Energie verzehrt. Die längsten Rotphasen dauern rund zwei Minuten - zu wenig, um wirklich zu sparen. Einen positiven Effekt hat die Start-Stopp-Automatik aber auf jeden Fall: Es herrscht Stille im Automobil.
Die Versuche mit Motorabstellen erreichten schon 1991 ihren Höhepunkt. VW hatte einen Golf mit sogenannter Schwungnutzautomatik im Programm. Da stellte sich der Motor während der Fahrt ab, das Auto ging in den Leerlauf. Das war psychisch kaum zu ertragen, weil man das Gefühl hatte, sein Auto aus der Kontrolle zu verlieren.
Leerlauf ≠ Sparen
Heute ist das sowieso anders: Im Schiebebetrieb, also beim Zurollen auf eine Kreuzung in einem hohen Gang, hat der Wagen ohnehin null Verbrauch. Es wäre gar keine gute Idee, in dieser Situation den Gang herauszunehmen. Denn dann muss der Motor im Leerlauf betrieben werden, was bis zu einem Liter Sprit in der Stunde kostet. (rs)