Frauen sind anders – Männer auch

22. April 2008, 13:21
3 Postings

Herz-Kreislauf-Erkrankungen für Frauen häufiger tödlich als für Männer - Erektile Dysfunktion bei Männern oft Zeichen für koronare Herzkrankheiten

Wien – Der Unterschied zwischen Frauen und Männern beschränkt sich nicht nur auf rein äußerliche Merkmale. Auch im medizinischen Bereich kommt der genderspezifische Aspekt immer stärker zum Tragen. Bestimmte Medikamente entfalten beispielsweise bei Frauen eine andere oder verstärkte Wirkung als bei Männern und Krankheiten zeigen bei verschiedenen Geschlechtern oftmals eine unterschiedliche Symptomatik.

Geschlechtspezifische Unterschiede vernachlässigt

In wissenschaftlichen Studien wurden bis vor kurzem geschlechtsspezifische Unterschiede komplett vernachlässigt und Ergebnisse, die für Männer gültig waren, einfach auf Frauen übertragen. Die "Österreichische Gesellschaft für geschlechtsspezifische Medizin" setzt sich für eine stärker Berücksichtigung des Geschlechts in der täglichen Behandlung und Forschung ein.

Bewusstsein schaffen

Ein wichtiges Anliegen ist die Aufklärung und Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen bei Frauen: „Herz-Kreislauferkrankungen stellen in den industrialisierten Ländern die häufigste Todesursache bei Frauen dar“, erklärt Jeanette Strametz-Juranek, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie und Vorsitzende der Gesellschaft im Rahmen der 1. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für geschlechtsspezifische Medizin.

Da die Lebenserwartung immer weiter ansteigt, ist in Österreich auch mit einem deutlichen Anstieg von Herz-Kreislauferkrankungen zu rechnen. "Herzinfarkte sind häufiger tödlich für Frauen unter 60 Jahren als für Männer. 25 Prozent der Männer und 38 Prozent der Frauen sterben innerhalb des ersten Jahres nach einem Herzinfarkt." Ebenso haben die Risikofaktoren bei den Geschlechtern nicht den gleichen Stellenwert, fügte sie hinzu: "Durch Nikotin wird das Risiko eine Herz-Kreislauferkrankung zu bekommen, bei Männern um das 2,5fache, bei Frauen um das 4,5 fache gesteigert, männliche Diabetiker haben ein dreifaches Risiko, Diabetikerinnen ein achtfaches Risiko."

Erektile Dysfunktion

Michael Eisenmenger, zweiter Vorsitzende der Gesellschaft, enttabuisiert das - oftmals nur hinter vorgehaltener Hand - besprochene Männerthema "Erektile Dysfunktion". "Männer seien aufgrund ihrer Biologie benachteiligt. Mann sein alleine berge das Risiko einer geringen Lebenserwartung, so der Urologe. Das Problem in der männlichen Seite der Gendermedizin sei "die Einstellung des Mannes zu Gesundheit und Körper". Männer sollen an die Verantwortung für ihren Körper erinnert werden.

Probleme wie "erektile Dysfunktionen" dürfen zum Beispiel nicht auf die rein mechanische Funktion des Schwellkörpers reduziert werden, sondern stehen auch in Zusammenhang mit koronaren Herzkrankheiten. Eine Studie der Urologischen Abteilung des SMZ-Ost in Wien zeige, dass Männer mit einer mäßigen bis schweren erektilen Dysfunktion ein um bis zu 65 Prozent höheres Risiko haben, innerhalb der nächsten zehn Jahre einen Herzinfarkt zu erleiden. (red/APA)

Link

Programm zur Tagung

Tagung

Die 1. Jahrestagung der "Österreichische Gesellschaft für geschlechtsspezifische Medizin" findet von 25 . bis 26. April im Casino Baden statt. Am 24. April wird es dort auch einen öffentlichen "Gesundheitstag" von 9.30 bis 18 .00 Uhr geben.

  • Will Bewusstsein schaffen: 1. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für geschlechtsspezifische Medizin
    foto: diestandard.at/daniela yeoh

    Will Bewusstsein schaffen: 1. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für geschlechtsspezifische Medizin

Share if you care.