Riberach oder Das doppelte Weinleben

Redaktion, 26. April 2008, 16:37
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    foto: apa/dpa/stephan jansen

    Die Riberach-Schnecke schaut ein bisschen anders aus ...

Moritz H., der auszog, um im südfranzösischen Roussillon Urlaub zu machen und als Viertelbesitzer eines Weingartens nach Hause kam

Manche kennen Moritz Herzog von den Präsentationen der Golser Pannobile-Gruppe. Mit Elan und großer Freundlichkeit präsentiert er seit etwa eineinhalb Jahren als Exportmanager die Weine der Gemeinschaft, wo auch immer in der Weinwelt die Präsentationstische auch stehen mögen, und kümmert sich um Logistik, Lieferungen und Termine jeglicher Art. Vor einigen Jahren bereits, in seiner Zeit als Sommelier in der Top-Gastronomie, entdeckte er bei einer Verkostung den eigenständigen Stil südfranzösischer Weine für sich, als er "Soula blanc" 2001 der Domaine Gauby probierte, die eines der angesehensten Weingüter der Gegend ist: Ausgereifte Aromatik, kühle, florale Stilistik trotz der südlichen Lage, vielschichtig und finessenreich - so beschreibt Herzog das, was er an diesem Weinstil schätzt.

2004 besuchte er mit einem Freund Luc Richard, einem in Wien ansässigen französischen Architekten, dessen Heimatdorf Bélesta de la Frontière bei Perpignan. Und dort trafen sie auch einen Jugendfreund Richards, Jean-Michel Mailloles, der als Traubenproduzent die örtliche Genossenschaft belieferte. Bei der Besichtigung von Malloles Weingärten, "blieb mir der Mund offen" (O-Ton Herzog). Die drei entwickelten zuerst Phantasien und dann ein konkretes Konzept, um aus den prächtigen alten Weingärten, die auf Kalk, Schiefer und Granit wachsen, mehr zu machen als anonymen Genossenschaftswein. Herzog, Mailloles und Richard taten sich zusammen und fanden Patrick Rodriguez, Önologe aus Cahors, der u.a. für Gauby arbeitete und der das Weinmachen übernahm. Die vier gründeten das Weingut "Riberach", (katalanische Bezeichnung für den Ort Bélesta) und erzeugen heute auf einer Gesamtfläche von acht Hektar etwa 28.000 Flaschen pro Jahr. Als Symbol ihres Tuns wählten sie die Schnecke, was einerseits symbolisiert, dass die Weine von Riberach Zeit hatten und ihre Zeit kriegen. Außerdem ist es in der Region Tradition, guten Freunden wohl zubereitete Schnecken vorzusetzen.

Größtes Asset von Riberach sind 100-jährige Carignan-Rebstöcke die in Stockkultur (ohne Drahtrahmen) wachsen. Dazu kommen noch Grenache und Syrah. Carignan und vor allem Grenache sind die Rebsorten der Region. Mit Riberach will man zeigen, was aus diesen Rebsorten herauszuholen ist. Carignan teilt dabei das Schicksal so mancher regionaler Rebsorten, das auch keineswegs auf Frankreich beschränkt ist: In früheren Jahren als Massenträger missbraucht, entdeckte man erst in der letzten Zeit, welche geschmacklichen Schub Ertragsbeschränkung und gute Pflege alter Stöcke bewirken können.

Erzeugt wird eine Serie von vier beeindruckenden Rotweinen, die in ihrer stilistischen Ausprägungen sehr charakteristisch für die Region sind: würzige, dichte Weine mit Mineralität, reifer Aromenfülle, die bei aller Kraft nicht fett und üppig sind. Die erste Serie stammt aus 2006 und wird derzeit auf den Markt gebracht.

"Antithèse 2006" besteht zu 100 Prozent aus Syrah und wächst auf Kalk und hauptsächlich Schiefer. Syrah sei erst in den 60-ern in die Region gekommen, erklärt Herzog, ist somit die jüngste Sorte in dem Gebiet. Antithèse duftet nach würzigem Waldboden und Kräuter und schmeckt nach Orangen und Oliven mit viel feinem Tannin. "Thèse 2006" ist eine Cuvée aus hauptsächlich Grenache, sowie etwas Syrah und Carignan, die sehr südlich vertraut und etwas an Teer und Veilchen erinnert. Grenache, der zu üppigen Fruchtaromen neigen kann, schmeckt in Thèse nach Zwetschken ist ausgewogen und strukturiert.

Bei "Synthèse 2006" aus etwa 50 Prozent Carignan, Syrah (35 %) und Grenache aus 15 bis 60 Jahre alten Anlagen ist man in punkto Struktur, Konzentration einen Schritt weitergegangen. Der Wein riecht und schmeckt nach Rosen und dunklen Beeren, hat eine komplexe, feine Würzigkeit. Er ist extra ausgewogen, sehr spielerisch veranlagt und fühlt sich im Mund seidig an mit leichter mineralischer Adstringenz. Für Antithèse wurden verhältnismäßig junge Rebstöcke von etwa 20 bis 25 Jahren verarbeitet. (Ein Alter, für das sich übrigens manche hierzulande überlegen, die Bezeichnung "Alte Reben" zu verwenden.), in Thèse und Synthèse ist das Rebstockalter breiter gestreut von 15 bis etwa 80 Jahre. Das Highlight in der intelligent aufgebauten Weinserie ist der nach Rosen und Himbeeren duftende, feinwürzige "Hypothèse 2006" aus 100-jährigen Carignan-Rebstöcken, mit aufgrund seiner Jugendlichkeit noch präsentem Tannin. Hypothèse hat beste Anlagen für ein langes Leben und wird mit seiner komplexen Aromen und würzigem Auftreten hoffentlich viele für Region begeistern. Frankreich hat nämlich deutlich mehr zu bieten als die sattsam und preislich völlig abgehobenen Weine aus Bordeaux und Burgund. (Luzia Schrampf)

Preise:
Antithèse (Syrah) 15 €
Thèse (Grenache, Syrah, Carignan) 17,50 €
Synthèse (Carignan, Syrah, Grenache) 11 €
Hypothèse (Carignan) 31 €

Bezugsquellen:
(alle drei Wien)
Gawein Bruckner Weinhandel
www.gawein.at
Del Fabro
www.delfabro.at
Riberach Weinhandels OG
www.riberach.com
Michael Holzermayr2
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28.4.2008, 17:17
Wo Schrampf recht hat, hat sie recht:

Bordeaux: Chateau La Tour de By 2006: Euro 8,90 en primeur, 89 Parker-Punkte
Südwest-Frankreich: Domaine Terres Georges Racine 100% Carignan Euro 5,40 ab Hof
Quintessence 100% Syrah Euro 4,90 ab Hof,
beide 3 Sterne Guide Hachette
Domaine Lerys Chateau Lerys, Carignan très vieilles vignes et Syrah Euro 7,50 ab Hof
Fitou Prestige Carignan, Grenache, Syrah Euro 3,80 ab Hof, 2 Sterne Guide Hachette

jumpingjack flash
00
29.4.2008, 00:34

wow - vielleicht kauf ich doch wieder französischen wein.

mikromalist
 
00
29.4.2008, 17:08
Sooo teuer?

jumpingjack flash
00
30.4.2008, 00:15

ich find die preise ok. - viel billiger wirds nimmer gehen. die preise sind ja tlw. nur künstlich - heisst ja nicht wenn ein wein das zehnfache kostet dass der zehnmal besser ist - siehe den Chateau La Tour de By.
wenn sich wer sozial abheben will findet er allerdings genug möcglichkeiten wein um ein vielfaches zu trinken - s. auch den falstaffartikel über das franz. hotel v. r. gabriel.

Florian Holzer
00
30.4.2008, 12:07

alle preise sind einerseits künstlich, andererseits "natürlich", weil sie sich aus angebot und nachfrage errechnen. preissteigerungen und qualitätssteigerungen verlaufen niemals linear. das heißt, für ein bisschen mehr qualität muss man enorm viel kohle ablegen. ist wie beim mountainbike: wenn du das gewicht einmal auf 8,5 kilo herunten hast, wird jedes gramm weniger extrem teuer, nicht zu vergleichen mit dem vergleichsweise geringen preis einer gwichtsreduktion von 13,5 auf 12,5 kilo.

para_celsus
10
Tendiert dann die Qualitätssteigerung verschwindend gegen Null,

dann sind die Preissteigerungen von ganz besonderer Exorbitanz!

jumpingjack flash
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ja, das liegt in der natur der holzerschen these (bzw. in der exponentialkurve)

uni versalis
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für spiegeltrinker vielleicht.

wirken ja auch alle, die weine.
aber was soll man sich von einem € 1,79 / Liter Trinker, der Tetra Pack Ware von Qualitätswein nicht unterschieden kann, auch anderes erwarten?

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