"Harry Potter"-Autorin Rowling zieht gegen Fan vor Gericht

23. April 2008, 13:43
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Website "Harry Potter Lexicon" gilt als Referenzwerk - Die darauf befindlichen Infos dürfen allerdings nicht gedruckt werden

Für den "Harry Potter"-Superfan Steven Vander Ark war der Traum eines jeden Computer-Freaks wahr geworden. Seine Website, eine Sammlung mit allen Einzelheiten zu den Personen und Kreaturen aus den Büchern von J.K. Rowling, war nicht nur bei Fans gefragt. Er wurde zu Kongressen eingeladen, gab Journalisten Interviews.

Referenzwerk

Aber nicht nur das, auch Rowling kannte ihn und seine Website und sie lobte sie sogar als Referenzwerk, das sie auch schon aufgesucht habe. Das Filmstudio Warner Bros. lud Vander Ark zum Drehort von "Harry Potter und der Orden des Phoenix" ein, er ist auch auf einer DVD im Rahmen einer Dokumentation zu sehen.

Gedruckt

All das änderte sich aber schlagartig, als der kleine Verlag RDR Books aus Muskegon im US-Staat Michigan beschloss, eine gedruckte Version des Online-Lexikons zu veröffentlichen. Dagegen klagten Rowling und auch Warner. Sie forderten, die Veröffentlichung wegen Verstoßes gegen das Urheberrecht zu stoppen. Jetzt steht Vander Ark im Mittelpunkt eines vielbeachteten Prozesses, in dem es um den Schutz der Urheberrechte in Zeiten des Internets geht.

Remix

Computer geben heute fast jedem die Möglichkeit, Teile aus einem Buch, einem Film oder einem Musikstück zu kopieren, in einen neuen Zusammenhang zu stellen und im Internet zu veröffentlichen. Im Web finden sich zahllose Sites von Fans, die eigentlich Gegenstand von Klagen wegen Verletzung des Urheberrechts sein könnten. Ob es sich nun um den Remix eines Popsongs, oder ein Video aus Filmszenen handelt.

"Da ist fast ein Parallel-Universum entstanden", sagt Alan Behr, Copyright-Anwalt in New York. "Im Internet machen Menschen etwas, was sie in gedruckter Form nie tun würden." Und meistens schritten die großen Medienkonzerne, denen das Material gehöre, nicht ein. Dazu seien es auch zu viele Fälle, sagt Behr.

Autor wird zum Konkurrenten für Rowling

Warner Bros. und Rowling entschieden sich aber, vor Gericht zu gehen. In dem dreitägigen Prozess warfen sie Vander Ark vor, ein Plagiator und Dieb zu sein. Relativ überraschend war die Klage von Rowling deshalb, weil sie selbst noch zuvor die Fan-Projekte im Internet befürwortet und auch gegen neue Geschichten mit ihren Figuren nichts einzuwenden hatte. Das änderte sich aber in dem Moment, als das Lexikon als Buch veröffentlicht werden sollte. Denn damit tritt es in direkte Konkurrenz zu einem Potter-Lexikon, das Rowling selbst plant. Und damit war Vander Ark nicht mehr nur Fan, sondern auch Konkurrent.

Die Frage, über die das Gericht nun zu befinden hat, ist, ob das Lexikon an sich gegen den Urheberrechtsschutz verstößt. Die Entscheidung dürfte nicht einfach sein, denn die Nutzung von Zitaten aus Büchern zum Beispiel ist durchaus erlaubt. Rechtsstreitigkeiten laufen deshalb meist auf die Frage hinaus, wie viel Material genutzt wurde und wie sehr sich das Produkt vom Original unterscheidet.

Richter mahnt Einigung an

Rowling und ihr Anwaltsteam räumten vor Gericht ein, das Anleitungen für Leser und Lexika durchaus erlaubt seien. Vander Ark, so argumentieren sie, habe aber den Büchern zuviel Material entnommen. Richter Robert Patterson deutete an, dass der Ausgang des Falls durchaus offen sei und er forderte beide Seiten auf, sich zu einigen. Bei kreativen Verhandlungen könne es ein Buch geben, mit dem beide Seiten leben könnten, erklärte er.

Kompromiss

Rowling sagte vor Gericht, Vander Ark könne ein Buch herausbringen, wenn es weniger von ihren Büchern enthalte. Auch der Verleger von RDR Books, Roger Rapoport, erklärte, er sei offen für Verhandlungen. Bislang gebe es aber keine Anzeichen, dass Warner Bros. oder Rowling zum Kompromiss bereit seien.

Eine Entscheidung wird frühestens in einem Monat erwartet. (APA/AP)

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