"Im Herbst haben wir Fleisch in der Suppe"

Redaktion, 9. Juli 2008, 16:08

Vorstand Teufelberger kämpft weiter um eine neue europäische Glücksspielgesetzgebung und will in zwei Jahren die erste Lizenz in Asien haben - STANDARD-Interview

STANDARD: Sie haben 2007 das Bwin-Ergebnis von minus 540 auf plus 50 Millionen Euro gedreht - allerdings nur dank eines Preisnachlasses für die schwedische Ongame und gesenkter Marketingaufwendungen. Sind Sie mit diesem Ergebnis zufrieden?

Teufelberger: In Anbetracht der Rahmenbedingungen: Ja. Es tut halt weh, wenn man sieht, dass wir uns aus der Türkei zurückgezogen haben und der ebenfalls börsennotierte Mitbewerber Sportingbet sagt, wie toll es ihm dort geht. Hätten wir das Türkei-Geschäft nicht aufgegeben, wäre ich mit den Zahlen wirklich zufrieden.

STANDARD: Wie viel hätten Sie denn mehr verdient? Würden Sie die Entscheidung gern rückgängig machen?

Teufelberger: Mindestens 30, wenn nicht 40 Millionen Euro Brutto-Rohertrag. Ich würde schon gerne zurück, aber unsere Anwälte sagen, in der Türkei ist die Rechtslage eindeutig, und wir denken, dass wir nicht Piraterie betreiben sollten. Wir sagen, Europa kämpfen wir aus, da haben wir einen Rechtsrahmen und eine vertretbare Rechtsmeinung. Wir halten uns an die Regeln. Aber es tut natürlich extrem weh, ob das jetzt die Türkei ist oder Amerika.

STANDARD: Glauben Sie, dass das Verbot für Online-Gaming in den USA bald fällt?

Teufelberger: Politiker, die für dieses unselige Gesetz gestimmt haben, haben schon gesagt, dass sie es nicht hätten tun sollen. Denn transparente Unternehmen haben sich zurückgezogen und die intransparenten sind noch drin. Wenn es so weitergeht, macht Pokerstars von Tel Aviv aus in Amerika bald zwei Milliarden Euro, und dann wird der Markt geöffnet, und sie kriegen vielleicht noch eine Lizenz. Dann müssen wir uns dumm fühlen. Auch bei Full Tilt Poker aus Las Vegas klingelt die Kasse.

STANDARD: Was planen Sie 2008?

Teufelberger: Eine Fortsetzung der 2007 eingeschlagenen Strategie des profitablen Wachstums. Wir wachsen zwischen 20 und 30 Prozent, und wir werden die Marketingausgaben, prozentuell am Revenue gemessen, reduzieren. Größtes Investment wird die IT-Plattform sein. Wir werden bis Jahresende noch 150 Leute aufnehmen, dann bei 700 IT-Leuten sein. Das ist aus unserer Sicht notwendig, um gerüstet zu sein, wenn es mit neuen regionalen Regularien losgeht.

STANDARD: Vor einigen Jahren war ihr Ziel, das Unternehmen 2007 verkaufen zu können ...

Teufelberger: Wir haben immer gesagt, 2008 wollen wir der größte Online-Anbieter sein, das haben wir erreicht. Von den Legalen, sage ich mal. Aber verkaufen kann man vergessen, das ist nicht unsere Strategie.

STANDARD: Beim aktuellen Kurs ist es auch uninteressant.

Teufelberger: Es ist nicht nur der Kurs. Man kann ein Produkt nicht halb gebacken verkaufen. Manfred Bodner und ich haben uns gerade nochmals für fünf Jahre verpflichtet. Wir haben vor, das Produkt so weit fertigzumachen, dass die Globalisierung absehbar ist. Es wird davon abhängen, ob wir es schaffen, in Asien eine Lizenz zu kriegen. Wir sind dort in fünf Märkten mit Regierungen im Gespräch, und unsere Asien-Leute sind zuversichtlich, dass wir in zwei Jahren eine Lizenz haben werden.

STANDARD: Was investieren Sie dort?

Teufelberger: Seit zwei Jahren circa drei Millionen jährlich. Da muss dann schon mal was herauskommen.

STANDARD: Und in die Regulierungsfragen?

Teufelberger: Der Aufwand wird immer größer, mittlerweile sind es acht Millionen für Regulatory Affairs.

STANDARD: Bemühen Sie sich in Europa auch um neue Lizenzen?

Teufelberger: Unsere Argumentation ist ja immer, dass wir das nicht brauchen. Aber wenn es eine Lizenz gibt, dann werden wir die lösen. Es wird einen Kompromiss geben, da es in Wirklichkeit ja nur um die Steuern geht. Wir lassen daher gerade von der KPMG für Frankreich und Deutschland Steuermodelle entwickeln.

STANDARD: Wären solche Modelle überhaupt möglich?

Teufelberger: Mit Gesetzesänderungen hie und da ist es möglich. Es ist extrem komplex. Wir denken, es wird über bilaterale Agreements gehen.

STANDARD: Welche Steuerquote stellen Sie sich denn vor?

Teufelberger: In Spanien sind es z. B. zehn Prozent, in England 15 Prozent. Es muss angemessen sein, sonst macht es keinen Sinn. Es wäre natürlich sinnvoller, wenn es in Europa eine Steuerquote x gibt, und die wird eingehoben und den Ländern, aus denen die Kunden kommen, gutgeschrieben.

STANDARD: Technisch ist das kein Problem, die Kunden zuzuordnen?

Teufelberger: Das ist leicht machbar. Nie zu 100 Prozent, aol-Kunden kann man z. B. nicht zuordnen, aber den Großteil sehe ich natürlich. Die Behörden können auch jederzeit live auf unser System schauen. Wir haben ja nichts zu verstecken. Da gibt es schon jetzt technologisch die Möglichkeit, das ordentlich zu machen. Und wenn eine Regierung etwas auditen will, kann sie das auch machen.

STANDARD: Werden Sie sich auch in Österreich um eine Lizenz bewerben?

Teufelberger: Wenn es sinnvoll ist. Aber um eine Monopollizenz sicher nicht.In Spanien haben wir gerade zwei Lizenzansuchen - für einen Test-Shop in Madrid, den wir in einem Joint Venture mit Betbull betreiben wollen, eine Art Flagship Store und für eine online-Lizenz.

STANDARD: Was sind Ihre Pläne mit der E-Money-Lizenz, die Sie von der Financial Services Authority (FSA) gerade in England bekommen haben?

Teufelberger: Die FSA hat für uns schon um das Passporting, also die Ausweitung der Lizenz auf ganz Europa angesucht. Wir wollen mit einer Prepaid Card starten und denken in Richtung Kreditkarte.

STANDARD: Wie geht es mit der Marktkonsolidierung weiter? Und was wollen Sie für ihre Aktie machen, deren Kurs schon lange dahindümpelt?

Teufelberger: Wir glauben, dass innerhalb des nächsten Jahres die Konsolidierung beginnen wird. Sobald sich das amerikanische Department of Justice mit 888, Sporting Bet und Party Gaming einigt, werden unserer Meinung nach zwei der drei Unternehmen verkauft. Wir wollen zwar lieber organisch wachsen, aber um überhaupt theoretisch in der Lage zu sein, eines der Unternehmen zu kaufen, brauchen wir einen höheren Kurs, denn wenn man so eine Akquisition macht, macht es nur mit einem Aktientausch Sinn. Wir werden daher wieder verstärkt rausgehen und unsere Geschichte erzählen. Im Herbst haben wir wahrscheinlich so viel Fleisch in der Suppe, dass es Sinn macht. Es wird eine Guidance geben, und es werden strategische Partnerschaften kommen, die wir dann schon beschreiben können. (Gabriele Kolar, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 21.04.2008)

ZUR PERSON: Norbert Teufelberger (43) hat in Wien ein Wirtschaftsstudium absolviert und ist seit 1989 im nationalen und internationalen Casino- und Wettgeschäft tätig: Bis 1992 bei den Casinos Austria, dann als Mitbegründer des US-Unternehmens Century Casinos bis 1999 als dessen Finanzchef. Seit 2000 ist er im Vorstand von Bwin (früher BetandWin), seit 2001 (mit Manfred Bodner) Co-Vorstand des an der Wiener Börse notierten Online-Sportwetten- und Casino-Anbieters.
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essen bedeutet für viele menschen fettsucht

ergo: essen abschaffen?

glücksspiel ist also lebensnotwendig ? oder...

In diesem System sind die unsinnigsten Dinger "lebensnotwendig",

weil durch deren Herstellung ja ein Geschäft gemacht wird, an welchem wieder Einnahmen und Arbeitsplätze hängen. Wie immer, wenn man aufs Geschäft schaut, kommen alle anderen Erwägungen zu kurz.

nein,

sowenig wie das internet verwenden, fernsehen oder mit dem handy telefonieren.

aberrrrr

mit internet verwenden, fernsehen und handy telefonieren geht man auch nicht so leicht bankrott, womit der kreis wieder geschlossen wäre.
glücksspiel ist einfach nur eine sauteure, potentiell süchtigmachende zeitverschwendung. Und wer sich das als geschäft aussucht um sich selber zu bereichern, is mir höchst zwider.

ganz ist er noch nicht geschlossen, der kreis:

geben sie mal im google: schuldnerberatung und handy ein - sie werden interessantes erfahren - sind dann die großen telekomunternehmen die dealer?
internet und computersucht - führen wie viele andere süchte zu arbeitsunfähigkeit und realitätsverlust.
na und fernsehen: das wissen wir doch schon seit postman

ok,

wenn ich mal ihre argumentation aufschlüsseln darf:

a ist potentiell schädlich für menschen...
b,c und d sind ebenfalls potentiell schädlich aber gesellschaftlich akzeptiert.
IHR SCHLUSS DARAUS:
a soll ebenso akzeptiert werden!

so ein topfen, mann!
mit diesem argument könnte man ALLES rechtfertigen.

es berücksichtigt aber den wesentlichen unterschied nicht: warum nämlich ist b,c und d akzeptiert (trotz möglichem schaden für manche)?
weil es genug wege gibt, b,c und d zum vorteil vieler zu verwenden und der mögliche missbrauch diese vorteile nicht aufwiegt.

und diese rechnung, mein lieber, geht bei unserem a, dem glücksspiel, niemals auf. es dient nämlich nur dem vorteil von einem: der bank. (bzw. herrn teufelberger und konsorten)

spieltheorie von nash?

würde irgendwie dazu passen

das mit "mein lieber" ist lustig.

danke auch fürs aufschlüsseln:
sie sind wohl mathematiker ;)
zu a: a sollte nicht akzeptiert werden!
a= akzeptiert, aber nicht privatisiert sondern monopolisiert (casinos austria)
und zur moral
a= gleich argumentierbar wie das tabakmonopol (seit 1996 abgeschafft).

jo das war der eifer der entrüstung. hab ich mich etwa im geschlecht geirrt? in diesem fall, verzeihns, gnädigste.
aber in der sache:

was wäre denn ihr vorschlag?
ich habe keinen konkreten, aber einen grundsatz hätt ich doch:
lasst es uns gesäßöffnungen wie herrn teufelberger, die scham- und verantwortungslos anderen menschen das geld aus der tasche ziehen und sie bei einem möglichen lauf ins verderben heuchlerisch unterstützen, so schwer wie möglich machen.
schon mal die "let them play" kampagne von bwin gesehen?
üüübelst

eigendlich haben sie recht:

aber ihre vorschlag geht mir zu wenig weit:
abschaffung von formel 1 rennen (sinnloses im kreis fahren "zitat niki lauda")
verbot von fernreisen (zerstörung von umwelt und anderen kulturen)
verbot des essens von kiwis aus neuseland (unnötiger transport über zu weite strecken)
generelles religionsverbot (hat der menschheit mehr geschadet als genützt)
generelles werbeverbot für alles (werbeeinschaltungen stören beim fernsehen)

und speziell für sie - ein persönliches wettverbot - bei bwin (als kleines dankeschön von mir)

ich hab nie von einem verbot gesprochen. ist ihnen das gar nicht aufgefallen?

ich will auch niemandem die eigenverantwortung absprechen.

was würden sie tun?
das einzige was mir einfällt, ist dagegen aufzutreten, was ich hiermit tue. teufelberger sucks.

gute nacht.

Sein Kampf

Spielsucht

ist die derzeit am stärksten steigende Art von Suchterkrankungen.
Täglich werden Partnerschaften, Familien und Zukunft von Kindern durch die Spielsucht eines Familienmitglieds zerstört.
Die Naivität, mit der die Politik sich dieser erschreckenden Entwicklung nicht stellt, ist desaströs.
Anbieter von Glücksspiel sind mit Drogenhändlern vergleichbar und sollten auch so behandelt werden - insbesondere von Medien, welche sich für qualitätsvoll halten.

Glücksspiel ist eine von der Gesellschaft erwünschte Dienstleistung

wie viele andere auch und bewegt sich stark besteuert innerhalb enger gesetzlicher Regeln.

Die Gaukelei über die angeblich rasant wachsende Spielsucht hält seit Jahren keiner international anerkannten wissenschaftlich Überprüfung stand und spricht Bände über die ungeniert unseriöse Geschäftstüchtigkeit der Therapiewirtschaft wenns um Subventionierung durch Steuergelder geht.

was heute schon alles ne krankheit ist...

bitte um hilfe:

1.) wer sagt wo (quelle), dass spielsucht die am schnellsten steigende suchterkrankung ist?
1.) mein wirt handelt ja auch mit drogen, sollen die anbieter von glückspiel so behandelt werden wie er?
und wenn ja, ich sehe darin kein problem - er zahlt steuern sie sollen auch steuern zahlen - siehe artikel oben.

Zuerst dachte ich, es handele sich um eine Art Satire...

denn kaum einem Politiker wird so viel Platz im St.*andard eingeräumt.
-
Diesem Typen ist es egal, ob der, von dem er eben noch 100,-- EUR kassiert hat, im nächsten Moment auf dem Dachboden hängt. Nomen est Omen. Aber der Herr wird hofiert.
--
Respekt vor den Türken, die den eintretenden volkswirtschaftlichen Schaden und das menschliche Elend rechtzeitig erkannt und verhindert haben. Ich hoffe, dass unsere Politiker ebenso konsequent sind.

Bin völlig Ihrer Meinung!
mfg

fordern sie dann auch die schließung der casinos austria?

In meinem Posting

habe ich kein Verbot irgendwelcher Art vorgeschlagen. Ich weiss nicht, wie sie darauf kommen.
Ich fordere hingegen sehr wohl, dass man sich einem rasant wachsenden Problem stellt.

wo sehen sie eine problematik? ich seh hier mangelnde selbstverantwortung... wer spielt kann verlieren, das ist ja der witz des spieles... und wer zu gierig ist fällt garantiert auf die schnauze. aber n problem seh ich da nicht.

sie sind ja ein knallharter typ.

...

wenn es kein verbot sein soll, wie soll sich die politik dieser "problematik" dann stellen?

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