Im Paradies wird’s eng

28. April 2008, 11:52
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Überblendungen zum Thema Bürgerkrieg bei "Home Works"

Anderswo als in Beirut wäre im arabischen Raum gegenwärtig eine Veranstaltung wie Home Works gegenwärtig nicht möglich." Dies bescheinigen dem ambitionierten Kulturforum viele Kritiker und Experten aus einer Branche, die ihren Fokus zunehmend auf den Nahen und Mittleren Osten einstellt. Zwar sind auch die libanesischen Organisatoren rund um die Kuratorin Christine Thomé mit staatlicher Zensur konfrontiert, doch ist das intellektuelle Klima in Beirut liberal genug, um auch gewagtere Themen und Werke präsentieren zu können. Thomé: "Ja, es ist gefährlich, Islamismus oder den libanesischen Bürgerkrieg zu thematisieren, aber die Medien würden mich unterstützen, wenn ich in härtere Bedrängnis vonseiten der staatlichen Behörden oder diverser Parteien geriete."

Möglich wurde bei Home Works also etwa ein besonders brisantes Gastspiel der flämischen Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker. Sie präsentierte im Theater Masrah al Madina ihre bereits vor 15 Jahren entstandene Performance Once.

Was da (inklusive einiger Nacktszenen) als Solotanzkritik zu einem Livealbum von Joan Baez beginnt, entwickelte in Beirut erst recht Brisanz, als das Programm in Variationen zu Protestsongs und Filmszenen zum US-Bürgerkrieg gipfelte.

Von dort aus gab es im Programm von Home Works spannende "Überblendungen": So thematisiert etwa die große historische Ausstellung Signs of Conflict (noch bis Ende Mai in der Planet Discovery Exhibition Hall) propagandistische Plakatkunst aus den libanesischen Bürgerkriegsjahren 1975 bis 1990. Unvergesslich etwa eine riesige Wand, auf der unzählige stilisierte Selbstmord-"Märtyrer" um Aufmerksamkeit und Verehrung buhlen. Mit diesen Stilisierungen spielt szenisch übrigens auch die neue Performance von Rabih Mroué, die auch Ende Mai bei den Wiener Festwochen zu sehen sein wird.

How Nancy Wished that Everything Was an April Fool’s Joke präsentiert eine desperate Truppe toter Bürgerkriegshelden, die immer gleiche Geschichten vom Töten und Sterben erzählen. Ein beklemmend statisches Szenario lässt vermuten: Im den Kämpfern versprochenen Paradies ist es sehr eng, man steht ewig im Schatten des öffentlich inszenierten Images. (cp, DER STANDARD/Printausgabe, 19/20.04.2008)

  • Ende Mai bei den Wiener Festwochen: "How Nancy Wished that Everything Was an April Fool’s Joke" von Rabih Mroué.
    foto: matsushima

    Ende Mai bei den Wiener Festwochen: "How Nancy Wished that Everything Was an April Fool’s Joke" von Rabih Mroué.

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