Rundschau: Flash, a-aaah!

Redaktion
17. Mai 2008, 16:00
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coverfoto: heyne

Robert J. Sawyer: "Flash"

Broschiert, 430 Seiten, € 9,20, Heyne 2008.

Der Kanadier Robert J. Sawyer schreibt nicht nur wissenschaftlich orientierte SciFi-Romane, die denen von Robert Charles Wilson ebenbürtig sind - er verwendet offensichtlich auch gerne HighTech-Anlagen als "Magic Boxes", die unerwartete Effekte produzieren. In "Die Neanderthal-Parallaxe" (2005 bei Festa erschienen) taucht in einem Neutrino-Observatorium der Neandertaler Ponter Boddit auf: Kein Urmensch, sondern Angehöriger einer hochtechnisierten Zivilisation von einer parallelen Erde. Seine Gesellschaft ist zwar auch nicht perfekt, aber deutlich vernunftorientierter und vor allem ökologischer als die unsrige. Bass erstaunt nimmt Ponter zur Kenntnis, dass die destruktiven Gliksins, die auf seiner Erde längst ausgestorben sind, hier die dominante Spezies stellen und sich stolz Homo sapiens nennen.

In "Flash" wird ein Experiment am Large Hadron Collider des CERN im Jahr 2009 zum Ausgangspunkt der Handlung: Gesucht war das Higgs-Boson, gefunden wird statt dessen die Zukunft. Für 1,43 Minuten sehen alle Menschen weltweit eine Vision ihrer persönlichen Zukunft in 21 Jahren - und diese individuellen Fragmente ergeben zusammen ein in sich stimmiges und gar nicht so negatives Bild der Welt im Jahr 2030: Die USA haben die Todesstrafe abgeschafft, die katholische Kirche weiht Frauen zu Priesterinnen und Microsoft ist in Konkurs gegangen. Darunter auch rätselhafte Beobachtungssplitter: etwa dass die US-Fahne plötzlich 52 Streifen hat und anscheinend so gut wie alle Menschen am Stichtag frei haben werden ...

Die unmittelbare Folge des Flashforward (so auch der Originaltitel des Romans) ist eine Katastrophe, da die in der Vision Gefangenen kurzfristig für die Gegenwart blind wurden. Als sich aber der Staub der weltweiten Unfallserie gelegt hat, macht man sich daran das Gesehene einzuordnen. Manche sahen leider auch gar nichts und müssen daraus schließen, dass sie vor 2030 sterben werden - einer davon ist der junge CERN-Forscher Theo Prokopides, der fortan zum Ermittler in seinem eigenen Mordfall wird. Seine KollegInnen Lloyd Simcoe und Michiko Nomura wiederum müssen verarbeiten, dass sie offenbar nicht wie geplant heiraten und für immer zusammen sein werden. Vorausgesetzt sie akzeptieren ihr "Schicksal".

... drei Beispiele für die Grundfragen, die der Flashforward aufwirft: Ist die Zukunft unveränderlich, existiert ein freier Wille oder wird die Vision gar zur Self-fulfilling Prophecy? Ist das Universum ein Minkowski-Würfel, in dem die Zukunft so fix festgeschrieben ist wie die Vergangenheit, oder stimmt das Konzept der Multiplen Universen, das jede Entscheidungsmöglichkeit zulässt? Oder literarisch ausgedrückt: Ist der Mensch Ödipus oder Scrooge?

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charle stross, greg eagan!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Hoffentlich ist das neue Buch von Gibson besser übersetzt als der Vorgänger "Mustererkennung" (Pattern Recognition) - dessen deutsche Übersetzung offenbar Unkundige vorgenommen haben. Ich ärgere mich manchmal über ein schlampige Übersetzung aber so ein irreführender Mist ist mit schon länger nicht untergekommen.
(Deswegen lese ich jetzt Spook Country auch im Original - nicht immer leicht wegen der sehr knappen präzisen Sprache die völlig auf jede "praktische" Redundanz auskommt).

seit wann hat klett-cotta eine "hobbit-presse? düfen die das? nach dem wolfgang-krege-desaster?

Ich finde die Rubrik super, wie wäre es einmal eine Unterrubrik oder Ansichtssache über Sci Fi Trash der 70iger und 80iger zu machen?

Mir fallen da spontan einige "Machwerke" ein z.B "Der gelbe Block" von K.H.Scheer - Da fliesst wunderbar der kalte Krieg ein, politisch unkorrekte Ausdrücke usw.

Diese ganzen Bücher sind ja fast schon vergessen....

Sehr gute Rubrik

Ich bin begeistert darueber, dass Sci-Fi hier vorgestellt wird. Erleichert eventuell einigen den Zugang zu diesem Genre, von dem man als Beginner durchaus schnell abgeschreckt werden kann. Leider ist in kaum einem anderen Genre auch soviel Mist zu finden wie hier.

Fantasy von Sci-Fi zu trennen waere in der Tat eine gute Idee. Die beiden Genres haben naemlich wirklich eigentlich nichts miteinander zu tun. Ausser, dass man sie in Buchhandlungen im selben Regal findet.

Mein Sci-Fi Tip, definitiv einer genaueren Vorstellung wert....

von Dan Simmons:

Die aussergewoehnlichste Space-Opera ueberhaupt mit einer Reihe von sehr interessanten philosophischen Aspekten....ein MUST READ:

"Die Hyperion-Gesaenge" sowie die Fortsetzung "Endymion".

Gleich werden Sie mich beneiden:

Ich lese gerade mit großem Vergnügen den ersten Teil, habe es also größten Teiles noch vor mir:-)

Dem kann ich nur zustimmen. Dan Simmons ist wirklich super, wobei auch Ilium und der zweite TEil Olympos wirklich lesenswert sind.

Ansonsten bin ich ein Fan von Alastair Reynolds. Unendlichkeit und die gesamte Reihe in diesem Universum wie Chasm City etc. ist wirklich gigantisch

Auch heute wieder meine kleine Alternativ-Liste:

Robert J. Sawyer: Far Seer, Fossil Hunter und Foreigner. Intellegente Dinosaurier kommen mit der bevorstehenden Zerstörung ihres Planeten zurecht (indem sie auswandern). Sehr gut!
Christopher Rowley: Starhammer. Die Menschheit ist von einer fremden (menschenähnlichen) Rasse unterjocht. Der Held geht auf die Reise um ein uraltes Artefakt zu finden. Bedrückende Schilderungen übervölkerter menschl. Ansiedlungen.
Paula Volsky: The Gates of Twilight. Alternative Briten in einem alternativen Indien und aktiven Göttern. Farbig und Opulent!
Anne Bishop: Daughter of the Blood. Eine ganz seltsame Welt - Hexen mit Juwelen, Dämonen, opulente romantische Szenerien.
Charles Sheffield: The Amazing Adventures of Dr. Darwin! Darwins Großvater der Arzt.

"du wirst den wetterbericht jetz ganz anders sehen."

rofl

Newton

Zu Newton gibt es epochonale "Quicksilver" von Neal Stephenson. Nicht Alternativwelt, dafür gigantische Historic Space Opera.

Der Baroque-Zyklus als Space-Opera?
Ich finde er ist eher harte Sci-Fi in einem historischen Setting. Aber der Zyklus ist in seiner Großartigkeit sehr schwer einzuordnen.

wenn du mal die schwierigkeit von dem baroque-zeug mit zettls traum vergleichen müsstest: was ist einfacher zu lesen? (ernst gemeint)

Keine Ahnung

Ich kenne Zettels Traum nicht. Nach einem kurzen Blick in die Wikipedia würde ich raten dass der Barock-Zyklus leichter zu lesen ist.

Ich fand ihn nicht schwer zu lesen, die Detailfülle verlockt den Leser aber immer wieder auf Wikipedia zu recherchieren.

Übersetzung des 3ten Teils gibts ab Oktober, für Leute wie mich, denen Neal Stephenson dann doch nen Stück zu hart ist auf Englisch .. ;)
Heisst auf Deutsch dann: Principia.
Habs grad auf Amazon gefunden und vorbestellt :)

Dann wünsche ich viel Spaß beim Lesen.

Ich vermisse "Tinnitus" von Hel Fried

Ich finde es großartig, dass es diese Rundschau gibt.
Aber wollt Ihr nicht die Science-Fiction von der Fantasy trennen?
Ich finde es schade dass die beiden Genres immer zusammengewürfelt werden, vor allem weil die Wahrnehmung der zahlreichen und ernsthaften Sci-Fi Literatur unter der Masse derivativer Fantasy leidet.

J. Josefson
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18.5.2008, 15:13

Die Rundschau ist ohnehin schon ein Versuch, den tatsächlichen Verhältnissen auf dem Phantastik-Markt ein wenig entgegen zu steuern: Bei den Verlagen dominiert die Fantasy ja seit Jahren die Science Ficton bei weitem. Von einer Trennung halte ich allerdings nichts: Es sind einfach verwandte Genres, und es gibt Mischformen jeglicher Art. Außerdem verläuft die Abgrenzung zwischen den beiden ja auch nicht einfach zwischen: hier Technik und Weltraum - dort Schwerter und Magie. Handlungsstrukturen, Thematisierung des beschriebenen Gesellschaftssystems usw. wären auch noch wichtige Aspekte. - Aber wie gesagt: ich versuche wenigstens auf eine Art Fifty-Fifty-Verhältnis zwischen SciFi und Fantasy zu kommen.

komisch ... wenn ich das schreiben würde, würd ich lauter rote stricherl bekommen ;)

J. Josefson
01
26.5.2008, 15:39

Davon darf man sich gar nicht erst kirre machen lassen - siehe Song Contest: da schaut die Farborgie im Forum ja aus wie ein Wald voller Pfeilgiftfrösche.

Totale Zustimmung. Mir ist das auch nicht ganz klar. Ganz schlimm wird es dann, wenn auch noch 'Horror' dazu kommt - scheinbar glaubt man noch immer, das sei sowieso alles für Pubertierende.

Man kann Horror nicht immer von Science Fiction trennen. Beispiel aus dem Kino: Alien.

Es gibt bei allen Kategorisierungen Überschneidungen. Manche SF könnte auch als Krimi durchgehen, manche Krimis haben Horrorelemente, etc.

...ist es auch, es gibt ja kaum gute und deftige horrorliteratur für die wahre genießerin, clive barkers "blutbücher" sind hier zu nennen, der frühe king hatte auch die einen oder anderen starken momente, der rest ist zahme hausfrauenliteratur mit einem tropfen blut.

...im horrorfach herrscht sozusagen: blutleere.

Kennst die "Anita Blake" Bücher, von Laurell K. Hamilton?

Justina Robson kann ich auch empfehlen - ist aber wieder mehr SciFi.

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