Kein Licht ins Dunkel

28. April 2008, 11:48
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Christian Hölbling parodiert Fernsehformate – und scheitert: "Helfried – bitte melde dich!"

Wien – Seit nun schon acht Jahren tritt Christian Hölbling, aus Bruck/Mur gebürtiger Kabarettist, als pedantischer wie kleinkarierter Oberstudienrat Helfried auf. Da nimmt es nicht weiter wunder, wenn er sich für sein drittes Programm in Analogie zu Josef Hader dachte: Helfried muss weg!

Auf der Bühne des Kabaretts Niedermair erscheint Hölbling daher als er selbst. Der fahrige junge Mann ist allerdings alles andere denn glücklich über das dubiose Verschwinden der Kunstfigur, der er Bekanntheit, Preise und Auftritte verdankt. Zudem drohen ihm Pönalezahlungen an die Veranstalter und in der Folge ein Privatkonkurs. Denn entgegen den Warnungen seiner Frau ("Einem Mann mit so einem Aussehen willst du unser Geld geben?") hatte er Meinl-Aktien gekauft. Und so trommelt er zweieinhalb Stunden lang nur eine Message: Helfried – bitte melde dich!

Die weltweite Suche hat allerdings erst einmal finanziert zu werden – über einen Benefizabend. Dieser ist in der Tat unglaublich aufwändig gestaltet. Und doch langweilt er über weite Strecken. Denn Hölbling misstraut der Fantasie: Er kopiert – wenngleich technisch wie handwerklich perfekt – das Fernsehen beziehungsweise Livesendungen wie "Licht ins Dunkel" und "Aktenzeichen XY ungelöst".

Und so wartet der leidgeprüfte Moderator Hölbling eben andauernd mit Einspielungen auf: Er präsentiert sonderbare Videobotschaften, die Helfried aus seinem selbstgewählten Exil verschickte, und ein Interview in zwei Teilen, das Dieter Chmelar (in persona) mit diesem wenige Tage vor dem Verschwinden geführt hatte. Dazwischen gibt es eine scheinbare Liveschaltung zum altbekannten Herrn Ingenieur Magenschab, der über Fahndungsfortschritte berichtet und die Anrufe am Spendentelefon entgegennimmt.

Auch Grußbotschaften und Reportagen (Interview mit einer Prostituierten, die für Helfried ein Marienkäferkostüm anziehen sollte) werden eingestreut, aufgelockert durch Auftritte der weiteren Helfried-Figuren, alle von Hölbling verkörpert: Gerd Schuster zischt alte Schlager, Tante Hedwig zeigt Dias. Ein bunter Abend also (Regie: Marion Dimali). Aber ohne Höhepunkte, ohne Zielgerichtetheit. "Licht ins Dunkel" hat zudem einen entscheidenden Vorteil: Man kann den Fernseher abdrehen, wenn es zu sehr nervt. (Thomas Trenkler, DER STANDARD/Printausgabe, 19/20.04.2008)

  • Verzweifelte Hilferufe: Christian Hölbling.
    foto: morgenstern

    Verzweifelte Hilferufe: Christian Hölbling.

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