Führung erproben in der Antarktis

18. April 2008, 16:51
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Die Antarktis ist unge­wöhnlich für Führungs­kräfte-Incentives - Herold Business Data hat Eugen Schmidt dort­hin geschickt, um mit Robert Swan zu lernen - Das ist gelungen

80 Personen aus 25 verschiedenen Ländern machten sich auf, um ein Incentive der anderen Art zu erleben. Eugen Schmidt war einer von ihnen. Herold Business Data hat den erst 29-Jährigen für das Abenteuer ausgesucht, um seine hervorragenden Leistungen für das Unternehmen zu prämieren. Eines der Auswahlkriterien war – neben hohem Entwicklungspotenzial – die körperliche Fitness des Mitarbeiters. Und die war auch dringend notwendig: "Die 14 Tage waren unglaublich eindrucksvoll, aber auch sehr anstrengend. Besonders belastend war die Schifffahrt auf der MV Ushuaia durch die Drake Passage. Ich habe Medikamente gegen Seekrankheit genommen, sonst hätte ich den Trip nicht überstanden", berichtet der Key Account Manager.

Führung in Extremsituationen

Nach fünftägiger Anreise kommt die Truppe endlich bei der Basisstation, der E-Base, an. Dort wird gleich unter der Leitung von Robert Swan, jenem Menschen, der als Erster mit seinem Team sowohl den Nord- als auch den Südpol zu Fuß erreicht hat, mit dem Programm begonnen. "Von ihm konnten wir während der folgenden Tage aus erster Hand hören, worauf es bei der Führung eines Teams unter Extremsituationen ankommt", sagt Schmidt. Auf Durchsetzungkraft beispielsweise, wie Swan aus eigener Erfahrung weiß.

Bei seiner Expedition auf den Südpol wollte er wegen der niedrigen Temperaturen nicht duschen, obwohl er wusste, dass dies wichtig zur Vermeidung von Blutblasen wäre. Die Rechnung bekam er prompt präsentiert. Schon nach wenigen Tagen war jeder Schritt wegen der zahlreichen Blasen eine Qual. Als Swan einige Zeit später die Norpolexpedition leitete, vermied er tunlichst diesen Fehler, nicht jedoch einige Mitglieder seines Teams. "Ich habe sie damals als Führer nicht dazu gezwungen zu duschen. Das war ein Fehler. Denn nach kurzer Zeit stand die ganze Unternehmung fast vor dem Abbruch, weil so viele in der Gruppe überall an den Füßen Blutblasen hatten", resümiert Swan selbstkritisch.

Aber auch Fragen wie "Wie wichtig sind Visionen für ein Unternehmen?" oder "Wieso verletzen sich weit weniger Leute beim Aufstieg auf einen Berg als beim Abstieg?" Die Antwort scheint trivial: "Beim Aufstieg hat man ein konkretes Ziel vor Augen und konzentriert sich, es zu erreichen. Beim Abstieg liegt das Ziel schon hinter einem, und man achtet nicht mehr sehr auf den Weg." Darum sei es wichtig, nicht etwa nur die Zahlen der nächsten Bilanz vor Augen zu haben, sondern auch längerfristig an die Ergebnisse der nächsten fünf Jahre zu denken. Neben dem straffen Managementprogramm hatten die Teilnehmer noch Zeit, um Wale, Pinguine und Eisberge zu beobachten. "Der so häufig verwendete Begriff ‚Nachhaltigkeit‘ bekommt eine ganz andere Bedeutung, wenn man sieht, wie ein Eisberg einfach auseinanderbricht." (Judith Hecht, DER STANDARD, Printausgabe, 19./20.4.2008)

  • In der Antarktis Führungsskills weiterentwickeln
    foto: privat

    In der Antarktis Führungsskills weiterentwickeln

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