China: Big Brother schickt nun SMS

25. April 2008, 13:48
35 Postings

SMS-Nachrichten mit Aufrufen die Gesetze zu befolgen und drohende Comic-Figuren sollen Bevölkerung gefügig machen

In Ländern wie China mutieren Internet und Handy zunehmend zu Mitteln der staatlichen Kontrolle. Die Zensoren in autoritären Regimes verlieren langsam den Überblick über die Millionen von Internet-Usern. Alleine in China nutzen 210 Millionen Menschen das Internet. Anstatt den Zugang zu "gefährlichen" Inhalten im Web zu sperren, setzen die Regierungen zunehmend darauf, die Bevölkerung so einzuschüchtern, dass diese erst gar nicht danach sucht, wie Newsweek berichtet. So habe die chinesische Regierung SMS-Nachrichten an Handynutzer in Lhasa verschickt mit Aufrufen wie "befolgt das Gesetz".

Filter funktionieren nicht

Bislang wurde vor allem mit Software-Filtern versucht, die Bevölkerung von "schädlichen" Inhalten fernzuhalten. Saudia Arabien blockiere beispielsweise pornografische Seiten, in China wurde den Internet-Nutzern der Zugang zu YouTube verwehrt. Doch derartige Filter funktionieren nicht immer einwandfrei und blockieren oft auch den Zugang zu "harmlosem" Content. Der Aufwand SMS-Nachrichten zu kontrollieren sei zudem zu groß.

Schwierige Zensur

Durch den Aufstieg der Social Networks sei es für die Zensoren auch zunehmend schwieriger, gefährliche von harmlosen Inhalten zu trennen. Denn während beispielsweise einige Facebook-Nutzer die Plattform dazu nutzen Kritik an der Regierung in ihren Profilen unterzubringen, verbreiten andere offizielle Propaganda und handeln damit im Sinn der Regierung.

Ständige Beobachtung

Im Gegensatz zu früheren Aktionen agieren die "Web 2.0 Spione" nun nicht mehr verdeckt, sondern versuchen möglichst viel Aufmerksamkeit zu erregen, wie etwa die SMS-Aktion zeige. Die Bevölkerung fühle sich dadurch unter ständiger Beobachtung. Auch notwendige Registrierungen beispielsweise in Internet Cafes würden dazu beitragen, das Gefühl ständiger Kontrolle aufrecht zu erhalten.

Warnungen per E-Mail

In einem anderen Fall seien beispielsweise Studenten per E-Mail darüber informiert worden, dass Sicherheitsbehörden ein neues System auf den Servern der Universität installiert haben. Weitere Informationen habe es nicht gegeben wie Xiao Qiang vom China Internet Project der University of California dem Magazin berichtete. Die Studenten seien quasi vorgewarnt worden, ohne konkret auf Maßnahmen einzugehen.

Drohende Comic-Figuren

Neben Drohungen per SMS und E-Mails bedienen sich die chinesischen Behörden aber auch harmlos erscheinenden Strategien. So tauchen die Comic-Figuren "Jingjing" und "Chacha" zufällig auf besonders beliebten Websites auf, und fordern die Nutzer dazu auf die Gesetze auch im Web einzuhalten.

Analyse der Online-Aktivitäten

Eine andere Überwachungstaktik stammt aus den USA. Nach den Anschlägen des 11. Septembers legte das Verteidigungsministerium ein Projekt namens Total Information Awareness vor. Dabei sollte analysiert werden, was die Nutzer im Internet tun, um Muster für potenziell kriminelle Aktivitäten zu erkennen. In den USA wurde diese Idee dank alarmierter Gesetzesgeber zwar nicht realisiert, laut Newsweek sei es jedoch vorstellbar, dass China ein derartiges Projekt umsetze. (red)

  • Kontrolle mit Kulleraugen: Chinas "Web-Polizistin" Chacha

    Kontrolle mit Kulleraugen: Chinas "Web-Polizistin" Chacha

Share if you care.