Sonnige Gemüter

20. April 2008, 20:44
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Einen einfachen, robusten und auch aus anderen Gründen einnehmenden Charakter hat die Tagetes, sagt Ute Woltron

Für Leute mit schwarzem Daumen, die es in ihrem gesamten Gärtnerleben noch zu nichts außer Unkraut gebracht haben, gibt es Hoffnung: Ihnen sollte, wenn schon nichts anderes, so doch ein Blümelein aus Mittelamerika mit dem Namen Tagetes blühen.

Es wurde, so behaupten Pflanzen- onomastiker, nach dem etruskischen Halbgott Tages benannt, der seinerzeit selbst einer kargen Ackerscholle entspross und solchermaßen gleich in der Geburtsstunde seine äußerste Genügsamkeit demonstrierte. Warum die hübsche Viel- und Langblüherin aus Mittelamerika auch Sammetblume und Studentenblume genannt wird, bleibt im Dunklen.

Eigentümlicher Geruch

Auch die Bezeichnung Studentenfurz lässt sich nicht so ohne weiteres aufschlüsseln, denn kraft welcher Qualitäten sich studentische Flatulenzen von akademischen unterscheiden, entzieht sich unserem derzeitigen Wissensstand - und wir hegen, um offen zu sein, keinen Ehrgeiz, uns ausführlicher in diese Problematik zu vertiefen.

Wie auch immer - der Tagetes haftet tatsächlich ein ganz eigentümlicher, von manchen als für ein Blütengewächs nicht passend empfundener Geruch an. Doch wer den nicht mag, ist selbst schuld, wenn er bäuchlings vor den Rabatten liegt und sich darüber echauffiert. Die anderen machen sich die Ausdünstung der asternartigen Korbblütlerin vielmehr zunutze, denn auch diverse Schädlinge, zum Beispiel die gefürchteten Nematoden, mögen sie nicht und meiden die Rosen und Gemüsegewächse, um die herum die Tagetes ja strategisch ausgesät werden kann.

Apropos: Letzteres könnte einfacher nicht sein. Man streue den Tagetessamen im Frühling aus, reche ein wenig darüber, gieße an und warte ein paar Tage. Die Wahrscheinlichkeit, dass nichts passiert, geht gegen null, denn diese Pflanze keimt gern, schnell und so gut wie überall.

Trocken und sonnig

Als Mexikanerin hat sie es lieber trocken als nass und lieber sonnig als schattig, aber letztlich gedeiht sie fast überall und blüht fröhlich von Juli bis in den Frost. Sie taucht in an die 60 Arten auf, von denen die nichtüberzüchteten natürlich die empfohlenen sind, und ist in allen Gelb-Orange- bis hin zu Dunkelrot-Changierungen zu haben. Wenn sie abblüht, können die gut getrockneten Samen der sortenreinen Varianten abgenommen, frostsicher gelagert und im Frühling wieder dem Gartenkreislauf überantwortet werden. Das funktioniert am besten mit Salzstreufingerbewegungen, mittels deren man die Blüten zerbröselt.

Leute, die straßenseitige Vorgärtchen in Zonen gefährlich starken Hundeaufkommens bewirtschaften, berichten mit Dankbarkeit von der Unverwüstlichkeit dieser braven Blume: Wo jedes andere Gewächs unter den täglichen Hundepissegüssen verröchelt, hält die Tagetes als Einzige die Stellung. Und Hundelulu ist bekanntlich echt kein Studentenfurz. (Ute Woltron/Der Standard/rondo/18/04/2008)

Tipp:
Da sich die gesamte Familie der Tagetes offenbar nicht nur für Unbeholfenere, sondern auch für Faule hervorragend eignet, nimmt es niemanden wunder, wenn ausgerechnet sie zu des Profigärtners Karl Ploberger bevorzugten Lieblingen zählt. Er hat mit dem "Garten für intelligente Faule" bereits ein äußerst beliebtes Werk hingelegt und selbigem gerade den Nachfolgeband "Gärtnern für intelligente Faule von A bis Z" nachwachsen lassen. (AV Buch, 128 Seiten, 19,90)
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    An die 60 Arten von Gelb-Orange bis zu Dunkelrot-Changierungen.

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