Ausflug in die Fantasiewelt

16. April 2008, 18:54
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Ein Geheimtipp: Humperdincks "Hänsel und Gretel" der Kunstuniversität Graz im Theater im Palais

Die Opernaufführungen der Kunstuniversität Graz gelten seit Jahren als Geheimtipp unter Opernliebhabern, die die Frische der jungen Künstler und den unprätentiösen Rahmen des intimen Theaters im Palais schätzen. Derzeit zeigen die Studenten eine sehr gelungene Interpretation von Engelbert Humperdincks "Hänsel und Gretel". Christian Pöppelreiter inszeniert die Kinderoper als romantisches Märchen: poetisch, ernsthaft, ironisch und (maßvoll) schaurig.

Mit Puppen und Masken, Engeln und Clowns fängt er eine kindliche Fantasiewelt ein. In ihrer differenzierten Ausstattung setzt Hanna Wartenegg die naturalistisch ärmliche Besenbinderhütte gegen die angstbesetzte Düsternis des Waldes und die üppigen Farben der Traum- und Hexenwelt. Tadellos und homogen die Gesangsleistung des jungen Ensembles. Das Geschwisterpaar, das spielt, zankt und nichts bedenkt, verfügt über erfrischende Natürlichkeit.

Humperdincks Intentionen entsprechend, singt nicht ein Tenor die Knusperhexe, sondern eine fabelhaft boshafte und dämonische Solistin. Alles da: der Ritt auf dem Besen, der schwarze Rabe und ein Lebkuchenhaus, das sich bald in einen riesigen Ofen verwandelt und schließlich explodierend die gefangenen Kinder freigibt, ein wendiges Sandmännchen, ein schönstimmiges Taumännchen.

Wolfgang Schmid motiviert das Studentenorchester KlangImpuls zu vollem, hochromantischem Klang und einem fulminanten Schluss, auf den verdienter Beifall folgte. (frak / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.4.2008)

Theater im Palais, Kunstuniversität Graz, Termine: 18., 20., 22., 24., 26. 4., 19.00 Karten: 0676/337 80 65
  • Ein Geheimtipp: Die hochromantische Studentenaufführung von "Hänsel und Gretel".
    foto: theater im palais

    Ein Geheimtipp: Die hochromantische Studentenaufführung von "Hänsel und Gretel".

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