Die Techniker der "Endlösung"

28. April 2008, 13:20
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Ofenbauer "Topf & Söhne" - Ausstellung über die Holocaust-Ingenieure in der Gedenkstätte Mauthausen

Linz - Das Gelände der Erfurter Firma Topf & Söhne ist heute eine Industriebrache. Nichts deutet auf den ersten Blick mehr darauf hin, dass dort einst die technischen Voraussetzungen für den Holocaust geschaffen wurde. Und doch waren die heute verfallenen Industriebauten Arbeitsstätte für die Techniker der Endlösung. Die Ausstellung "Topf & Söhne - Die Ofenbauer von Auschwitz" in der Gedenkstätte Mauthausen widmet sich jetzt diesem dunklen Kapitel der Firmengeschichte.

Der Familienbetrieb wurde 1878 von Johann Andreas Topf als Spezialfirma für feuerungstechnische Anlagen gegründet. 1914 stieg man in einen damals noch neuen Markt ein und begann, Einäscherungsanlagen für städtische Krematorien zu entwickeln. 1935 übernahmen die Enkel des Firmengründers, Ludwig und Ernst-Wolfgang Topf, gemeinsam die Leitung der Firma. Diese entschlossen sich dann in den 1940er-Jahren zur Zusammenarbeit mit dem Reichssicherheitshauptamt, das die Konzentrationslager verwaltete.

Die Ermordung von mehreren Millionen Menschen stellte die SS vor technische Probleme: Tötung und Leichenbeseitigung sollten rasch, kostengünstig und Brennstoff sparend vonstattengehen und möglichst wenige Spuren hinterlassen. Gebraucht wurden zivile Experten, die keine Skrupel hatten, an der Massenvernichtung mitzuwirken. Die Erfurter Ofenbauer zeigten hohes Interesse, sich aus freien Stücken in praktische Probleme der Vernichtung hineinzudenken und entsprechende Lösungen zu entwickeln.

Massentötungen beobachtet

Noch während die vier Großkrematorien von Auschwitz-Birkenau in Bau waren, wurde den beteiligten Ingenieuren von Topf & Söhne klar, dass die Anlagen nicht ausreichen würden. In vorauseilendem Gehorsam erfanden sie noch effizientere Vorrichtungen zur Beseitigung von immer mehr Menschen. Sie beobachteten die ersten Massentötungen und Verbrennungen in den Krematorien, um diese Erfahrungen in ihre Arbeit einfließen zu lassen. Topf & Söhne lieferte Be- und Entlüftungsanlagen für die Gaskammern sowie 25 Öfen mit 76 Verbrennungskammern in die Konzentrationslager Buchenwald, Dachau, Mauthausen, Gusen, Auschwitz, Groß-Rosen und Mogilew. Bei Bedarf stellte man der SS auch mobile Verbrennungsöfen zur Verfügung.

Die Wanderausstellung "Techniker der ,Endlösung'" wurde von der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Berlin und dem Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau konzipiert und ist bis 31. Juli zu sehen. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17. 4. 2008)

  • Die Massenvernichtung auf dem Reißbrett: Ingenieure der Erfurter Firma "Topf & Söhne" feilten an der effizientesten Methode, Menschen rasch und kostengünstig zu töten und deren Leichen mit möglichst wenigen Spuren zu beseitigen.
    foto: thüringisches hauptstaatsarchiv weimar

    Die Massenvernichtung auf dem Reißbrett: Ingenieure der Erfurter Firma "Topf & Söhne" feilten an der effizientesten Methode, Menschen rasch und kostengünstig zu töten und deren Leichen mit möglichst wenigen Spuren zu beseitigen.

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